Auf dem richtigen Weg

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BikeBlog-Team

Unterwegs mit Lisi Osl in Kirchberg –

Kirchberg (Kitzbüheler Alpen), 24. Mai 2012

 

Auf ihren Schultern – oder besser gesagt auf ihren Beinen – lasten die gesamten weiblichen Bike-Hoffnungen der österreichischen Olympiamannschaft für London 2012. Die Tiroler Cross-Country-Spezialistin Lisi Osl steckt mitten in den Vorbereitungen für den wichtigsten Sporttermin des Jahres und nimmt sich dennoch Zeit, zwischen Weltcups und Trainings Interessierten BikerInnen beim Lisi Osl Camp ihre Heimat Kirchberg und die Kitzbüheler Alpen vorzustellen. Dabei tritt uns die zierliche Kirchbergerin ganz charmant und ehrlich gegenüber und verrät, wie sie es mit dem Fahren auf nicht immer offiziellen Wegen handhabt und wie alle Natur- und Sportbegeisterten in Tirol wunderbar auf denselben Pfaden wandeln können.

Wir treffen die 26-jährige Weltcup-Mountainbikerin Lisi Osl an der Talstation der Fleckalmbahn in Kirchberg (Kitzbüheler Alpen – Brixental), wo wir nach ein paar Technikeinweisungen von Guide Ludwig sogleich in den Trainingspark der Bike Academy von Nationaltrainer Kurt Exenberger einsteigen.

Es ist ein Wetter, wie wir es uns so eigentlich nicht gewünscht hatten für das Lisi Osl Bikecamp. Immer wieder stoppen kurze aber heftige Regenschauer unsere Übungen, die von Guide Ludwig erklärt und von Lisi professionell vorgezeigt werden. Die kurzen Regengüsse überdauern wir aber halbwegs trocken unter dem schützenden Zeltdach von Lisis Sponsor Red Bull.

So streichen wir also den Lisi Osl Trail für heute aus dem Tagesprogramm und folgen stattdessen der Profibikerin auf ein paar kurzen aber flowigen Trails, die man in keiner Bikekarte der Region findet, durch ihren Heimatort Kirchberg.

Was die Bauern dazu sagen, wenn sie einfach „wild“ durch die Gegend fährt, frage ich Lisi. Sie, die sich 2009 den Weltcupgesamtsieg gesichert hatte, hat da ihr ganz eigenes „Gentlewoman-Agreement“ mit den Grundstücksbesitzern und Einheimischen.

 „Ich versuche auf den Strecken, besonders auf meinen nicht offiziellen Routen, freundlich zu sein und die Leute nicht zu erschrecken. Ich bedanke mich ganz nett, wenn Wanderer auf die Seite gehen oder bleibe selber stehen und lass‘ sie vorbei.“

Als wir mit Lisi in Kirchberg unterwegs sind, bekommen wir das bestätigt.  Das sportliche Aushängeschild der Region grüßt jeden freundlich und die Menschen lächeln nett zurück, wenn sie sich mit uns im Schlepptau durch kleine Pfade in hohen ungemähten Wiesen schlängelt.

„Kirchberg ist für mich ein ideales Trainingsgebiet. Es gibt lange Berge, es gibt kurze Berge. Es ist für mich nicht nur ein super Trainingsgebiet, sondern auch ein super Erholungsgebiet.“

Man merkt die Profibikerin und ihr Sport werden hier sehr geschätzt.

Es ist ein Geben und ein Nehmen. So wie man den Leuten begegnet, so kommt es zurück. Ich bin nicht der Chef auf dem Weg, sondern nehme Rücksicht auf andere, dann hat niemand was dagegen, dass ich auch Routen fahren, die eigentlich als Wanderwege ausgeschildert sind.“

Auf die Frage, was sie sich von Tirol biketechnisch noch wünschen würde, gesteht uns eine zufriedene Olympionikin, dass sie eigentlich keine Verbesserungswünsche hat. Sie fährt selber am liebsten auf Naturwegen und strampelt mit eigener Muskelkraft den Berg hinauf. Sie brauche keine künstlich angelegten Strecken.

„Tirol hat so viele gut ausgeschilderte Mountainbikewege, da findet man alles, was man braucht. Das Angebot für Mountainbiker in Tirol ist schon sehr gut. Es gibt für jedermann was – vor allem in den Kitzbüheler Alpen, wo wir direkt im Ort (Anm. Kirchberg) mit der Bike Academy eine Top Bikeschule haben, wo man mit dem Mountainbiken von Null anfangen kann. Klarerweise ist das Mountainbike-Angebot noch nicht so groß, wie jenes, das die Schifahren in Tirol vorfinden, aber dafür ist die Sportart auch noch zu jung. Die Tourismusregionen sind sehr motiviert, was zu machen. Gerade wird in Kirchberg von der Fleckalm ein neuer Trail gebaut.“

Wir, die TeilnehmerInnen am Lisi Osl Bikecamp, haben an nur einem Tag die Vielfalt an natürlichen Trails in Kirchberg zu sehen und zu testen bekommen, und trotzdem wollen wir Lisi zum Ende des Camps noch ein paar geheime Lieblingsrouten entlocken. Die will sie uns verständlicherweise dann aber doch nicht verraten.

 „In den Bikebroschüren der Kitzbüheler Alpen sind so viele tolle Strecken eingezeichnet, da findet jeder einiges für sich zu fahren, ohne dass ich meine Geheimspots verrate. Weil wenn’s auf den inoffiziellen Strecken zu viel wird, dann kann ich nicht mehr auf die freundliche Unterstützung der Bauern zählen.“

Und so schnallen wir unsere Drahtesel nach einem technisch spannenden Tag zufrieden auf unsere Autodächer und machen uns auf den Heimweg. Lisi Osl hat uns gezeigt, dass man nicht immer Hunderte von Höhenmeter hinaufschinden muss, um Spaß beim Abfahren zu haben. Es geht auch leichter und zudem kein bisschen weniger aufregend.

Während Lisi Osl sich in „ihren“ Kitzbüheler Alpen“ auf ihren 2. Olympia-Einsatz (nach Peking 2008) am 11. August 2012 in London vorbereitet, wo sie den künstlich angelegten Kurs bereits getestet hat und der durch die vielen Steine alles andere als ein Honigschlecken ist, bereiten sich quer durch Tirol eine Vielzahl an Profis und Hobbybikern auf ihre ganz persönlichen Höchstleistungen vor. Sie alle haben im Herzen der Alpen ein Bike-Eldorado gefunden, das seinesgleichen sucht, ein Paradies an naturbelassenen Trails, Tausenden von offiziellen Bikekilometern und unzähligen Oasen der Erholung.

www.lisi-osl.com

www.kitzbuehel-alpen.com

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