Mit Lawinenverschüttetengerät, Sonde und Schaufel einen Verschütteten zu retten, erweist sich als schwierig und sehr anstrengend.

SAAC Camps – risikominimiert im Tiefschnee unterwegs

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Esther

Esther Wilhelm ist am liebsten mit dem Rennrad unterwegs. Dabei... Zum Autor

Wintersportler suchen ihr Glück zunehmend beim Off-Piste Skiing bzw. Freeriden. Der Berg wird mit der Seilbahn erklommen – zur Not die letzte Strecke durch den Schnee marschiert -,  um dann in unberührten Pulverhängen abseits der präparierten Pisten abzufahren. Ohne Vorbereitung lässt sich der Traum  vom Off-Piste Skiing aber nicht erfüllen. Beim Freeriding gehört das Wissen über Ausrüstung, Schnee, alpine Gefahren, Wetter etc. dazu. Snowboarder und Skifahrer verführt oft der sehnsüchtige Wunsch, in unberührte Hänge einzufahren, zu Leichtsinn und Übermut. Aus diesem Grund entstand 1998 in Tirol die Initiative „Snow-Avalanche-Awareness-Camps“ (Workshops zur Bewusstseinsschaffung gegenüber alpinen Gefahren, kurz SAAC genannt).

Im Skigebiet Hochfügen erreicht man durch einen kurzen Marsch unberührte Tiefschneehänge.

Im Dezember war es soweit und ich durfte im Zuge einer Pressereise an einem SAAC Camp in Hochfügen teilnehmen. Für mich war es nicht das erste Mal, dass ich mit Lawinenkunde und LVS-Geräten in Berührung kam. Vor ein paar Jahren habe ich einen Kurs zu diesem Thema beim Alpenverein Innsbruck besucht, der mich den ganzen Winter über in die Theorie und Praxis der Lawinenkunde eingeführt hat. Der 2,5 Stunden lange Theoriekurs beim SAAC Camp ist kurzweilig und interessant. Trotzdem rauchte mir danach der Kopf. Bei welcher Lawinenwarnstufe soll ich Hangneigungen über 35 Grad meiden? Wie weiß ich überhaupt, wie steil ein Hang ist? Und wie war das noch einmal mit den Abständen zwischen den Skifahrern? Schon beim Theorieteil wird klar, dass es sehr sehr viel zu beachten gibt, bevor man sich dem weißen Rausch hingibt! Die Sensibilisierung funktioniert also!

Beim ganztägigen Praxisteil am nächsten Tag wird das Gelernte dann vertieft. Bei der LVS (oder Pieps) Suche wird schnell klar, dass hier ohne viel Übung nicht viel geht. Auch die Hangneigungen werden großteils falsch eingeschätzt. Das Schneeprofil versetzt in Staunen und jener Teilnehmer, der von der Gruppe eingegraben wird, hat wohl die beste Vorstellung davon, wie machtlos man unter einr Lawine ist. Dazwischen suchen wir uns Hänge, die wir runterrauschen können. Ja, und man überlegt wieder öfter: Nehmen wir diesen oder jenen Hang? Oder besser doch gar keinen? Wo ist ein sicherer Sammelplatz? Wer fährt zuerst in den Hang ein? Woher ist der Wing gleich nochmal gekommen?

Mit Lawinenverschüttetengerät, Sonde und Schaufel einen Verschütteten zu retten, erweist sich als schwierig und sehr anstrengend.

Fazit: Als erster Kontakt zu Lawinenkunde bzw. Lawinenprävention ist das SAAC Camp absolut top. Die Bilder im Theorieteil sensibilisieren, man wird sich der Gefahr bewusst, man überlegt im Gelände zwei Mal. Der Spaß bleibt nicht auf der Strecke, der Zugang zu den großteils jungen Teilnehmern passt perfekt. Trotzdem kann das SAAC Basis Camp nur ein erster Schritt sein. Wer glaubt, dass er nach eineinhalb Tagen SAAC Camp sicher unterwegs sein kann, der täuscht. Es ist ein erster Schritt, eine erste Annäherung, vielleicht ein Respektverschaffen gegenüber den alpinen Gefahren. Es ist aber sicher kein Führerschein für risikofreies Freeriden! Also: Immer dran bleiben, informieren, weiterbilden – ob beim Alpenverein, beim SAACnd step Camp oder bei sonstigen Gelegenheiten.

SAAC Camps werden im Winter fast an jedem Wochenende irgendwo in Tirol, Vorarlberg oder Salzburg durchgeführt. Sie sind gratis und es gibt auch Camps für gehörlose Freerider, Kurse die auf Englisch durchgeführt werden und Camps speziell für Girls. Hier findet ihr alle Termine (leider für Winter 2012/2013 schon ausgebucht – also Website für nächsten Herbst vormerken!)

Weitere hilfreiche Links:

 

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