Eine Nacht in der Gipfelhütte

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Christian

Christian Klingler erkundet Tirol bis in die hintersten Winkel und... Zum Autor

Wer wissen will, wie ein Kurztrip in ein ungewöhnliches Wochenende auf einer modern interpretierten alpinen Hütte abläuft, der darf weiterlesen. Eine Foto-Lovestory auf 2.212 Metern.

Donnerstag 28. Februar

Ich schau mir die Website der Gipfelhütte an, damit ich weiß, was uns erwartet. Schaut vielversprechend aus: Ausblick, modernes Konzept, Skivergnügen lese ich da. Übernachtung mitten im Skigebiet auf über 2000 Meter Seehöhe. Ich rufe gleich bei der Hotline an, zack, gebucht. 189 Euro für eine Nacht zu zweit inklusive Skikarte für 2 Tage mit Abendessen und Frühstück, sehr günstig würd‘ ich sagen. Jetzt 2 Wochen Zeit für Vorfreude.

Samstag, 9. März

Check-in Gipfelhütte

Check-in Gipfelhütte

Schon vormittags um halb 11 stehen wir am Check-in Schalter direkt an der Talstation der Venet Bergbahnen. Unsere Skioutfits haben wir schon daheim angezogen, damit wir dann schneller auf der Piste sind. Dass uns der Herr am Check-in Schalter das Formular bereits überreicht, während wir noch in der Schlange warten, ist ein freundliches Detail der Gastfreundschaft, die uns die kommenden zwei Tage begleitet. Wir bekommen 2 Keycards und einen Schlüssel: die Keycards sind Skipässe und Zimmerschlüssel, der kleine Schlüssel fürs Skidepot.

Gipfelhütte Venet

Venet Bergbahn

Venet Bergbahn 750 – 2208 m

Mit unserer Skiausrüstung und dem Gepäck ist es zwar eine ziemliche Schlepperei, aber schließlich schaffen wir es und fahren mit der nächsten Gondel hinauf auf den Berg. Dort geht’s nicht zur Unterkunft, sondern gleich zum Skidepot. Skischuhen, Helm und Handschuhe anziehen. Koffer und Straßenschuhe im Skidepot versperren. Und raus geht’s auf die Piste! Das Wetter ist besser als im Wetterbericht angekündigt, etwas neblig zwar, aber nicht so kalt heute. Die neue Gipfelhütte steht wirklich ganz oben am Gipfel, zwischen Fernsehturm und dem Panoramarestaurant. Moderne Holzarchitektur in Niedrigstenergiebauweise, da sind wir schon auf unser Zimmer gespannt.

Skifahren und Einkehrschwung

Wir ziehen eine Stunde unsere Schwünge auf frisch präparierten Pisten, aber dann bekommen wir Hunger. Nächstes Ziel ist die Zammer Alm, zum Hüttenwirt „Stolli“. Der begrüßt uns schon an der Tür mit einem „Griaß enk“ und der Menükarte. Unser Gesamteindruck: Schöne Zirbenstube, endlich mal kein SB sondern Bedienung und das zum seeehr moderaten Preis – Spaghetti um 8 Euro, Schnitzel um 11,20, Suppe ab 2,50. Alles freundlich und schnell mit viel Liebe zum Detail.

Berghütte zeitgemäß interpretiert

Zimmer Gipfelhütte

So sieht das Zimmer aus

Um halb vier beenden wir unseren Skitag für heute, jetzt wird es langsam spannend: Wir holen unser Gepäck und suchen unser Zimmer in der Gipfelhütte. Wir haben ein Standardzimmer gebucht, schlicht aber funktionell eingerichtet, das ganze Haus aus Holz gebaut. Das Beste am Zimmer aber ist der Ausblick auf die Berge, man sieht den Arlberg, die Zugspitze, die Lechtaler Alpen, Landeck und die Gipfel des Naturparks Kaunergrat.

Die Gipfelhütte ist keine Hütte im herkömmlichen Sinn, man darf sich aber auch keinen ****-Luxus erwarten. Die Premiumzimmer im 2. Stock haben allerdings eine Badewanne mit Panoramablick. Ganz oben im 3. Stock gibt es einen großen Seminarraum mit Rundumblick, ideal für Firmenveranstaltungen und Gruppen. An der Wand im Gang hängt das „Gipfelbuch“, wo sich schon einige Gäste eingetragen haben.

Hier meine kurze Plus-Minus-Wertung zur Unterkunft:
+ Ausblick
+ Heimelige Holzarchitektur ohne Lederhose
+ Sauber
+ Dienstleistungsorientiertes Personal
+ Sehr fair, was man an Leistung für diesen Preis bekommt
– Kaum Ablage im Badezimmer
– WLAN zwar vorhanden, aber wie man zum Key kommt kapier ich nicht
– Kein Fön am Zimmer. Sollte man vorher kommunizieren.

Das Abendprogramm

Abendessen

Abendmenü

Aperol-Spritz und Wein

Aperol-Spritz und Wein

Abendessen gibt’s dann um halb sieben im Restaurant. Haha, hier geht’s zuerst bei der Hüttentür raus ins Freie, 25 m über die Terrasse brrr! und dann rein ins Gastlokal. Auch hier wieder moderne, alpine Architektur, mit viel Holz und Glas. Ein viergängiges Abendmenü mit Suppe, Salat, Filet mit Reis und Bohnen und Palatschinken als Nachspeise hat es bei uns gegeben. Getränke sind extra zu bezahlen, dafür bekommen wir als Bonus eine Flasche Sekt zum Mitnehmen aufs Zimmer geschenkt. Langsam wird es dunkel, aber vom Sonnenuntergang ist nichts zu sehen. Nebel zieht außen herum. Erst so gegen halb 10 reißt der Nebel einmal kurz auf, und man sieht unten im Tal die Lichter der Kleinstadt Landeck heraufleuchten. Der Rest des Abendprogramms ist eher ruhig, Halli-Galli und Disco gibt’s nicht. Mein Tipp: Spielkarten einpacken.

Irgendwann in der Nacht zwischen Samstag und Sonntag

Pistenraupen

Geisterfahrer?

Mitten in der Nacht schrecke ich auf: Ich glaub ein Geisterfahrer fährt durch mein Bett. Blick hinaus – check, das sind die Pistenraupen. Die sorgen nachts für die frisch präparierten Pisten.

Sonntag, 10. März

Ein erster Sonnenstrahl weckt mich um kurz vor halb sieben. Blick aus dem Fenster – soooo schön! Jetzt gibt’s zwei Möglichkeiten: das Traumpanorama vom Bett aus genießen oder zum Fotografieren rauf auf die Terrasse. Frau entscheidet sich für Variante 1, Mann für Variante 2 ;-)

Auf der Terrasse oben weht noch ein frischer Wind, aber das 360°-Panorama ist so beeindruckend, dass ich die klammen Finger nicht spüre. Die Berggipfel strahlen in weiß, der Himmel in zartrosa-blau, unten im Tal muss es grau in grau sein,
weil eine dichte Hochnebeldecke drüberliegt. Allein für diesen Moment hat sich die Reise gelohnt!


Morgenpanorama Venet GipfelhütteMorgenhimmel Venet

Panorama mit Frühstück

Gipfel-Frühstück

Panorama mit Frühstück ;-)

Zwei Stunden später sitzen wir im Panorama-Restaurant beim Frühstück, und weiß, warum das Restaurant so heißt. Marmeladesemmel und Cappuccino mit Gipfelpanorama, so stell ich mir Frühstück im Tiroler Bergwinter vor.

Sonntag ist Sonnenskitag

Um 10 Uhr checken wir aus dem Zimmer aus, wir stellen unser Gepäck ins Depot und gehen raus auf die Piste. Der Sonntag begrüßt uns mit +5°C, Sonnenschein und glattgewalzten Pisten. Beeindruckt haben mich vor allem die vielen Locals, die hier skitechnisch gut drauf sind, egal ob am Board oder auf Ski.
Mein Ski-Tipp: vormittags auf die Venet Südseite („DSB Süd“), nachmittags dann auf die Pisten auf der Nordseite wechseln.

Mittagessen gibt es wieder auf der Zammer Alm, diesmal sitzen wir lange in der Sonne und genießen die Wärme. In Berlin schneit es gerade und es ist ziemlich kalt, lies ich am Handy. Ätsch. Wir fahren noch den restlichen Tag unsere Skikarte aus. Eigentlich viel Platz in diesem Skigebiet, und keine Wartezeiten. Wir probieren alle fünf Lifte aus, und um 15 Uhr bin ich dann schon ziemlich müde.

Eintrag eines Gastes im Gipfelbuch

Eintrag eines (zufriedenen) Gastes im Gipfelbuch

Wir holen unsere Sachen aus dem Skidepot und fahren dann mit der Gondel ins Tal. Das Skiwochenende geht mit dem Check-out unten am Schalter zu Ende. Pfiat-di Venet, wir kommen wieder! – Das nächste Mal im Sommer, ich will ja schließlich auch den Sonnenuntergang sehen.

 

 

2 Kommentare

  • Chrissi
    Klingt total super :) Vielleicht geht sich der Sommer aus, wäre sicher auch toll!
  • Christian K.
    Update 18.03.2013: Ich hab am Wochenende erfahren, dass ein Fön im Kleiderschrank gewesen wäre, danke für den Tipp. Hab ich nicht gesehen.