24 Stunden in Osttirol

------
Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

„Mit dieser Ausrüstung könnt ihr nichts falsch machen,“ erklärt uns Willi, der Kletterpark-Guide. „Denn von den zwei Karabinern, mit denen ihr gesichert seid, lässt sich immer nur einer öffnen.“ Wir möchten Willi gerne glauben. Der Blick in die Baumwipfel des „Kletterpark Lienz“ flößt uns dennoch Respekt ein. Dort hangeln sich Jugendliche und Erwachsene auf Seilen, freihängenden Leitern und scheinbar schwebenden Traktorreifen von Baum zu Baum. Gesichert, versteht sich. Wir, sechs Frauen und ein Mann, schauen teils freudig, teils ungläubig zu. „Jetzt aber los, zur ersten Route,“ sagt Willi. „Fangt mit einer blauen, also einer leichten Route an. Dann könnt ihr eine rote und zum Schluss eine schwarze Route gehen.“

Vor zwei Stunden, als wir von Innsbruck aus noch durch das Pustertal hierher unterwegs waren, hatten wir ja noch keine Ahnung, wie spektakulär so ein Hochseilgarten tatsächlich ist… Nachdem wir zwei Runden mit der Sommerrodelbahn „Osttirodler“ gedreht haben, hängen wir nun also zwischen Baumwipfeln. Unsere Lebensversicherung ist ein dünnes Stahlseil, das sich von Baum zu Baum spannt. Ich vertraue Willi mal einfach und springe weg. Dank einer Rolle fliege ich schwerelos zum 20 Meter entfernten, nächsten Baum. „Juhuuuuu…“

Nach einem ausgiebigen Mittagessen auf beim Familienhotel „Moosalm“ gleich neben dem Hochseilgarten fahren wir per Osttirodler mit bis zu 40 Sachen talwärts. Unten, genauer gesagt drüben in Iselsberg, wartet schon die Familie Defregger vom Straganzhof mit Kaffee und Kiachln auf uns. „Urlaub am Bauernhof“ bekommen seine Gäste geboten. Ohne Nervenkitzel wie im Hochseilgarten, dafür allerdings sehr gemütlich und mit einer wunderschönen Aussicht auf die Lienzer Dolomiten.

Nur viereinhalb Kilometer weiter setzen wir unsere Erkundungstour fort. Dort wartet bereits Martina Kuenz darauf, uns in die Geheimnisse des Edelbrands einzuführen. Im Laufe der Hofführung und einer Verkostung ausgezeichneter Edelbrände wird uns klar, was beispielsweise einen guten Osttiroler „Pregler“ ausmacht. In Restösterreich ist dieser Obstbrand aus Äpfeln und Birnen auch als „Obstler“ bekannt. Für jeden ist bei der Verkostung was dabei – mir hat es der „Zwickel-Bier Edelbrand“ besonders angetan.

Nach der Verkostung geht es bergauf. Das Abendessen auf der Dolomitenhütte wartet bereits. Seit ein paar Jahren wird sie von einem jungen Ehepaar aus Polen bewirtschaftet und bietet alllerlei Tiroler Spezialitäten. Auf die Frage, wie es ihn denn nach Osttirol verschlagen hat, entgegnet der Wirt nur mit einem verständnislosen Blick: „Wegen der Berge natürlich!“ Ich schaue aus dem Fenster auf die schroffen Felsflanken der Lienzer Dolomiten und nicke verständnisvoll.

Unsere Tour geht nach einer geruhsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück im Straganzhof weiter. Wir fahren zum „Vitalpinum“, das zwischen Sillian und Lienz liegt. Hier führt auch der Drauradweg direkt vorbei. Seit über 125 Jahren gibt es hier die erste Tiroler Latschenölbrennerei der Brüder Unterweger. Heute gibt es hier auch eine Schaubrennerei und einen großen „Wohlfühlgarten“. Dort spazieren wir durch eine „Latschenöldusche“, wandeln Barfuß auf Thymian und „er-riechen“ unsere Sternzeichen…

Wir schwingen uns auf Leihfahrräder und fahren den Drauradweg flußabwärts entlang bis zur imposanten Gallitzenklamm. Dort wartet Paula vom ansässigen Tourismusverband auf uns. „Vor einigen Jahren haben wir beschlossen, dass wir die Gallitzenklamm beleben möchten,“ sagt sie. Heute schlängeln sich hier mehrere Klettersteige empor, teilweise sogar im höchsten Schwierigkeitsgrad „F“. Einige Kinder spielen Piraten auf einem Minifloß und turnen auf allerlei anderen tollen Holzkunstruktionen herum. Wir gehen es gemütlicher an und wandern über Holzstege bis ans hinterste Ende der Klamm. Selbst an heißen Sommertagen ist es hier angenehm kühl.

Zurück aus der Klamm, radeln wir noch ein paar Kilometer flussabwärts bis zum Lienzer Bahnhof. Auf dem Heimweg per Auto bietet sich noch ein Abstecher ins naturbelassene Villgrattental zum Wurzerhof inklusive Hofführung an. Osttirol, wir kommen wieder.

3 Kommentare

  • Fritz - Ulrich Hein
    Ihr hättet mit dem Postbus nach Ibk fahren sollen und vielleicht noch vorher einen Abstecher ins Defereggertal gemacht - nicht wegen den Dörfern, wegen der Gegend.
  • Eva Wi
    Toller Eintrag über unser wunderschönes Osttirol - aber einen original Pregler mit einem Obstler zu vergleichen, da wird manch ein Einheimischer sehr "grantig" werden ;-)
    • Michael
      Michael
      Liebe Eva, vielen Dank für Deinen Hinweis, der Osttiroler Pregler ist natürlich einzigartig ;-) Das österreichische Lebensministerium führt ihn in seiner Liste traditioneller Lebensmittel an und definiert etwas genauer als ich in meinem spontanen Blogeintrag, was unter einem echten Pregler zu verstehen ist: http://www.lebensministerium.at/lebensmittel/trad-lebensmittel/getraenke/pregler.html Liebe Grüße, Michael