Via Claudia Augusta – auf den Spuren der alten Römer

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Esther

Esther Wilhelm ist am liebsten mit dem Rennrad unterwegs. Dabei... Zum Autor

Wer wusste, dass die älteste römische Alpenüberquerung mitten durch Tirol verlief? Und nein, sie führte nicht über den Brenner, sondern über den Reschenpass und Fernpass und trug den klingende Namen Via Claudia Augusta. Eigentlich begann alles 15 vor Christus, als ein römischer General entlang alter Pfade der Kelten, Räter und Etrusker begann, die erste richtige Straße über die Alpen auszubauen. Gebaut für römische Heere, erobern heute rund 40.000 Radfahrer und Wanderer pro Jahr den historischen Weg durch Tirol und über die Alpen. Ich war eine davon, habe mir den wohl schwierigsten Teil –  für die Römer damals als auch für die Radler heute – der 700 Kilometer langen Strecke ausgesucht. Mit einer Gruppe von Journalisten aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Italien habe ich von Füssen in Deutschland bis Glurns in Südtirol wirklich die Alpen mit dem Rad überquert. Wir haben hautnah gespürt, mit welchen Schwierigkeiten die Römer beim Bau der Straße, aber auch beim Befahren der Straße gekämpft haben mussten.

Von Donauwörth nach Altino sind insgesamt 700 Kilometer zu überwinden. Der schwierigste Teil verläuft durch Tirol. Damals wie heute verbindet die Via Claudia Augusta Donauwörth an der Donau mit Altino an der Adria bzw. Ostiglia am Po. Die Wasserwege waren damals die wichtigsten Handelswege.

Von Donauwörth an der Donau nach Altino an der Adria bzw. Ostiglia am Po sind insgesamt 700 Kilometer zu überwinden. Der schwierigste Teil verläuft durch Tirol.

Zwischen Füssen und Reutte sind keine großen Hürden zu überwinden. Entlang des Naturflusses Lech rollt man gemütlich nach Reutte. Im Hintergrund ist bereits die Ehrenberger Klause und die Festung Ehrenberg sichtbar. Früher Kontrollpunkt und Mautstelle, heute ein Museum mit interessantem Kartenmaterial und Geschichten aus der Römerzeit und dem Mittelalter.

Hinauf zu Ehrenberger Klause und dann witer über den Katzenberg. Die erste Hürde beim Ritt durch Tirol steht an.

Hinauf zur Ehrenberger Klause und weiter über den Katzenberg. Die erste Hürde beim Ritt durch Tirol steht an.

Die erste Schikane ist nach Bezwingen des Katzenbergs geschafft. Die Region zwischen Ehrenberger Klause und dem Fernpass wird „Zwischentoren“ genannt. Das kommt natürlich von den zwei Toren (Ehrenberger Klause und Fernpass), von denen die Region eingeschlossen ist. Vom Katzenberg geht es sanft bergab bis ins Ehrwalder Becken, von wo man einen imposanten Ausblick auf den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze hat.

Ein Blick zurück nach Heiterwang.

Ein Blick zurück nach Heiterwang.

Unsere nächste Hürde, der Fernpass, wartet schon. 200 Höhenmeter bergauf und knapp 400 hinunter gibt es zu überwinden, wobei die Abfahrt fast schwieriger als die Auffahrt ist. Der Weg vom Fernpass zum Schloss Fernsteinsee,  ist meist in recht schlechtem Zustand. Die Geographie und Witterung lässt einen sanften Weg nicht zu. Rau ist’s im Gebirg. Die Teilstrecke wird zur Zeit aber saniert, eine Radlertunnel unter der Fernpassstraße wird noch diesen Sommer fertiggestellt. In Zukunft sollte sich also auch die Abfahrt einfacher erweisen.

Bei der Abfahrt vom Fernpass sind Wagenspuren aus dem Mittelalter zu sehen. Die Abfahrt ist also nicht nur heute holprig...

Bei der Abfahrt vom Fernpass sind Wagenspuren aus dem Mittelalter zu sehen. Die Abfahrt ist also nicht nur heute holprig…

Nach dem Fernpass erreicht man Schloss Fernsteinsee, das (leider) an der stark befahrenen Fernpass Straße liegt. Eine Übernachtung im Hotel bzw. im Schloss ist trotzdem zu empfehlen. Die Zimmer und Schlosssuiten wurden mit viel Liebe zum Detail möbliert, das Essen schmeckt ausgezeichnet und ein abendlicher Spaziergang rund um den idyllischen Fernsteinsee oder rauf zur Ruine Sigmundskron lohnen.

Schloss Fernstein und die alten Stallungen.

Schloss Fernstein und die alten Stallungen.

Ab Schloss Fernstein stehen uns gemütlichere Passagen bevor. Zuerst geht’s über Nassereith durch’s wunderschöne Gurgltal nach Imst. Ab dort dem Innradweg folgend bis Pfunds im Oberinntal. Entlang dieser Strecke sind keine nennenswerten Hürden zu erwarten.

Radwandern im Gurgltal.

Radwandern im Gurgltal.

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Nach Pfunds steht allerdings die nächste große Herausforderung bevor. Derzeit kann man den Reschenpass, mit über 1500m der höchste Punkt der Via Clauida,  entweder per Shuttlebus bewältigen oder man radelt nach Martinsbruck in die Schweiz und fährt über die wenig befahrene Norbertshöhe nach Nauders und dann weiter zum Reschen. Ein Radweg von Finstermünz ist in Planung, Ende 2018 soll die Via Claudia Augusta dann durchgehend auf Radwegen befahrbar sein.

Das Turmhaus in Pfunds

Das Turmhaus in Pfunds

Unterkünfte/Restaurants entlang der Strecke:

Sehenswertes/Wo lohnt ein Stopp:

Praktische Tipps:

Was von Alt-Graun übrig blieb. Wenn man den Kirchturm im Reschensee so sehen möchte, muss entlang der Ostseite des Sees zwischen See und Straße radln. Die Strecke entlang der Westseite ist mitunter schöner, der Turm allerdings nur von der Ferne zu sehen.

Was von Alt-Graun übrig blieb. Wer den Kirchturm im Reschensee so sehen möchte, muss entlang der Ostseite des Sees zwischen See und Straße radln. Die Strecke entlang der Westseite ist mitunter schöner, der Turm allerdings nur aus der Ferne sichtbar.

Auf der Südtiroler Seite des Reschenpasses geht es dann sanft hinunter nach Glurns.

Auf der Südtiroler Seite des Reschenpasses geht es dann sanft hinunter nach Glurns.

 

1 Kommentar

  • Christian K.
    Von mir noch eine Ergänzung zu den Tipps, nämlich wenn ihr ein Radservice braucht: - Vils: mountain-rider, allgäuer str. 1, Tel. +43.5677.20043 - Bichlbach: Sport Nagele, Kirchhof 61, Tel. +43.5674.6411 - Ehrwald: Intersport Leitner, Kirchplatz 12, Tel. +43.5673.2371 - Imst: bike and run, Postplatz, Tel. +43.5412.63370 - Zams: Peto Bike, Buntweg 1, Tel. +43.5442.63550 - Nauders: Bike Sport Huter, Nr. 260, Tel. +43.5473.87435 Ich hab es selbst erlebt, dass ich in Ehrwald plötzlich keine Luft mehr gehabt hab. Das Shopteam war total freundlich - danke!