Johannishütte unterhalb des Großvenedigers

Wandertipp: Hüttenwanderung im Nationalpark Hohe Tauern

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Jakob

Tirol von einer „anderen Perspektive“ kennt er nur zu gut! Als... Zum Autor

Wunderschöne Wanderungen gibt es in der Tiroler Bergwelt ja zu genüge, aber besonders beeindruckend sind die Wanderungen im Nationalpark Hohe Tauern in Osttirol. Ausgedehnte Gletscherfelder, eiszeitlich geformte Täler mit imposanten Talschlüssen und ausgedehnte Wälder mit Lärchen, Fichten und Zirben bieten die entsprechende Kulisse dazu. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Schutzhütten, die gänzlich zu einer Hüttenwanderung einladen. Grund genug für mich in dieser Bergkulisse meine eigene Hüttenwanderung zu unternehmen.

Ausgangspunkt war der Parkplatz Wiesenkreuz (1470m) im Dorfertal in Prägraten am Großvenediger. Das Auto kann dort ein oder mehrere Tage abgestellt werden (Parkgebühr € 5 pro Tag). Von dort aus führte mich meine Wanderung über einen Fahrweg und teilweise auch über einen abkürzenden Wanderweg hinein ins Dorfertal zum Gumbachkreuz auf 1991m Seehöhe. An diesem Aussichtspunkt angekommen, eröffnet sich zum ersten mal der Blick auf den vierthöchsten Berg Österreichs, den Großvenediger, seines Zeichen auch „weltalte Majestät“ genannt.

Ausblick vom Gumbachkreuz auf den Großvenediger

Ausblick vom Gumbachkreuz auf den Großvenediger

Bei einem beeindruckendem Panorama gings weiter in Richtung  Johannishütte, die ich nach ca. 2 Stunden Gehzeit vom Parkplatz aus erreichte. Sie ist eine der ältesten Schutzhütten der Ostalpen (erbaut 1858) und neben dem Defreggerhaus der ideale Stützpunkt für die Besteigung des Großvenedigers (4-5 Stunden). Wer die Johannishütte auf etwas bequemere Art und Weise erreichen will, kann auch das Venediger Taxi nutzen. Bereits um 3 Uhr in der Früh bringt das Venediger Taxi auf Anfrage Bergsteiger zur Johannishütte, um eine eintägige Besteigung des Großvenedigers zu ermöglichen. Ansonsten verkehrt das Taxi stündlich ab 6:30 Uhr zwischen dem Ortsteil Hinterbichl und der Johannishütte.

HINWEIS: Eine Besteigung des Großvenedigers bedarf jedoch einer großen alpinen Erfahrung und sollte auf keinen Fall ohne Bergführer unternommen werden.

Die Johannishütte unterhalb des Großvenediger Gletschers

Die Johannishütte unterhalb des Großvenediger Gletschers

Von der Johannishütte aus ging meine Wandertour weiter über den Venediger Höhenweg auf die 3164m hohe Kreuzspitze, die sich in Mitten der Kernzone des Nationalpark Hohe Tauern befindet. Die Kreuzspitze ist einer der schönsten und höchsten Aussichtsberger in dieser Gebirgsregion und bietet einen majestätischen Ausblick auf den Großvenediger. Bei genügend Fernsicht kann man die Seilschaften in Richtung Gipfel mit freiem Auge erkennen.

Ausblick von der Kreuzspitze auf den Großvenediger

Ausblick von der Kreuzspitze auf den Großvenediger

Nach einem herrlichem Gipfelerlebnis führte mich meine Tour weiter zur Sajathütte. Der Abstieg zur Sajathütte erfolgt über einen ca. 80m hohen Kamin, der durchgehend mit Stahlseilen gesichert ist. Wanderer, die nicht über die notwendige Trittfestigkeit und Schwindelfreiheit verfügen, sollten diesen Kamin jedoch auf keinen Fall ohne Klettersteig-Ausrüstung durchsteigen. Vorbei am sogenannten Knappenloch gelangte ich schließlich nach ca. 1 Stunde Abstieg zur Sajathütte, die 2001 von einer Lawine völlig zerstört und noch im selben Jahr wieder neu errichtet wurde. Seitdem trohnt die Sajathütte an der Geländekante zum Sajatkar wie ein perfekt in die Landschaft integriertes Schloss in den Bergen.

Abstieg über den 80m hohen Kamin zur Sajathütte

Abstieg über den 80m hohen Kamin zur Sajathütte

Oberhalb der Sajathütte befindet sich auch die 2820m hohe Rote Säule, auf die ein „interessanter“ :) Klettersteig führt. Eine Stunde lang geht es über eine steile Felswand hinauf auf den Grad, wo man dann von einem „Steinmandl“ mit folgenden Worten begrüßt wird: „Sei gegrüßt, du tapferer Kletterer. Genieße das Alpenpanorama und du wirst dieses Bild mitnehmen als einen Schatz, den dir keiner mehr nehmen kann.“

Die Sajathütte mit der Roten Säule ganz rechts im Bild

Die Sajathütte mit der Roten Säule ganz rechts im Bild

Nach einer Einkehr in der Sajathütte und einer ehrfürchtigen Betrachtung der Roten Säule ging meine Wanderung weiter über saftig grüne Bergwiesen zur Österreichs schönsten erwanderbaren Hütte, der Stabanthütte. Dieser Titel wurde nicht von mir erfunden sondern von den österreichischen Wanderdörfern vergeben. Wer mehr darüber erfahren will, sollte sich den Blog-Beitrag von Georg durchlesen. Ich persönlich kann nur bestätigen, dass sich eine Einkehr auf der Stabanthütte aufgrund des urigen Ambientes und der netten Wirtsleute auf jeden Fall lohnt. Osttiroler Gastfreundschaft bekommt man auf dieser Hütte besonders zu spüren.

Von der Stabanthütte aus gelangte ich dann schließlich wieder über einen Wanderweg zurück  zum Parkplatz Wiesenkreuz und somit zum Ausgangspunkt der Hüttenwanderung.

Mit einer reinen Gehzeit von 6 – 7 Stunden und den ca. 1700 zu überwindenen Höhenmetern ist die Hüttenwanderung durchaus konditionell fordernd, aber man wird während der gesamten Tour mit einem einzigartigem Naturerlebnis belohnt. Vielleicht also eine krönende Abschlusstour bei eurem Wanderurlaub in Osttirol.

Zum Nationalpark Hohe Tauern: Der Nationalpark Hohe Tauern erstreckt sich über weite Teile des zentralalpinen Hauptkammes der österreichischen Ostalpen. Mit rund 1800 km² ist er der größte Nationalpark Österreichs. Einige der höchsten Gipfel Österreichs, Großglockner (3798 ) und Großvenediger (3662 m), liegen in der Kernzone des Nationalparks, in der dem Naturschutz absoluter Vorrang gegeben wird.

Viel Spaß bei dieser oder einer anderen Wanderung im National Park Hohe Tauern in Osttirol!

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