Lange Nacht der Museen – alles andere als „lang“weilig

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Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

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Pferd in Tiroler Stube gefunden, na so was

Zuerst waren sie gar nicht begeistert. Die Kids. Was, ins Museum? Wie öde! Die Tatsache, dass wir abends zur Schlafenszeit unterwegs sein würden, erhöhte ihre Motivation  aber schlagartig.

Nun folgte die Qual der Wahl. 55 Museen, Galerien, Sonderausstellungen in ganz Tirol…gar nicht so leicht. Mit dem Erwerb des Tickets (13 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei) hatte man dort nicht nur freien Eintritt, sondern konnte auch mit extra bereitgestellten Shuttles in Innsbruck von Museum zu Museum pendeln. Wir beschränkten uns auf die Innsbrucker Innenstadt und suchten uns drei Ziele aus.

Das Leben in Tirol vor langer Zeit

Ich muss gestehen, im Volkskunstmuseum bei der Hofkirche bin ich noch nie gewesen. Es wurde Zeit! Beeindruckend fand ich besonders die jahrhundertalten begehbaren Tiroler Stuben aus Nord- und Südtirol, die durch ihre düstere Beleuchtung einen leisen Eindruck vermittelten, wie karg das Leben damals gewesen sein muss. Die Kindern begutachteten die großzügige Krippenausstellung, die Trachten und die alten Handwerkzeuge, sowie hundert Jahre alte Fotos von Tirolern in Tracht. Eine Sonderausstellung zum Thema „Dreck“ brachte neue Erkenntnisse. Körperpflege ist noch gar nicht so lange üblich. Man war lange der Meinung, dass Krankheiten durch Körperhygiene entstehen. Es geht noch schlimmer… früher galt Körpergeruch als erotisch. Igitt. Das mochte ich mir gar nicht vorstellen.

Wahnsinns-Aussicht

Der Stadtturm war unser nächstes Ziel. Hand aufs Herz: wann seid ihr das letzte Mal dort oben gewesen? Ich muss mich schon wieder schämen… ich noch nie zuvor. Der Blick rundherum über das beleuchtete Innsbruck begeisterte daher nicht nur die Kinder.

Nicht nur Zeugs

Und jetzt? Um die Kinder nicht zu überfordern, weil es doch schon später war und schon viel Eindrücke gesammelt worden sind, wählten wir eine letzte Station, das Zeughaus. Im Hof wurde mittelalterlich musiziert, während die Kinder Spiele aus dieser Zeit ausprobieren konnten. Im ersten Stock des Zeughauses konnten wir uns die verschiedensten Exponate rund um Tirol und Südtirol ansehen. Naturwissenschaftliches  und Geschichtliches aus Tirol. Mir hatten es die alten Plakate angetan –  vor allem die touristischen, aber auch die politischen, die vor dem zweiten Weltkrieg zur Heimatwehr aufriefen. Fast etwas gruselig. Mia versuchte inzwischen im Kalligraphie-Workshop mit einer richtigen Vogelfeder und Tinte vom Fass mittelalterliche Buchstaben  zu schreiben. Nicht nur das Papier bekam Tinte ab, auch ihr Gesicht. Sah lustig aus.

Es hätte noch so viel mehr zu sehen gegeben… leider wurde die Zeit knapp. Nächstes Jahr wird es sicher wieder eine „Lange Nacht der Museen“ geben, dann können wir uns spätestens bis dahin überlegen, was wir als nächstes erkunden wollen. Ferdinandeum? Tirol Panorama? Stadtarchiv? Radiomuseum? Artdepot? Audioversum oder … Seufz, ich sehe schon. Die Entscheidung wird wieder schwierig. Dann werden wir einfach mal dazwischen eines aufsuchen. Auch keine schlechte Idee.

 

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Tiroler Stuben im Volkskunstmuseum

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Altes Holzrad im Zeughaus

Die Multivisionsshow auf dem Goldenen Dachl hat den Kindern besonders gut gefallen:

 

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