Freeriden im Pitztal. Foto TVB Pitztal

Freeride in Tirol

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Christian

Christian Klingler erkundet Tirol bis in die hintersten Winkel und... Zum Autor

Geli und Björn machen es schon seit Jahren, damals hat es das Wort noch gar nicht gegeben. Stefan lebt dafür und davon. Das Zauberwort heißt Freeride. Und hier in Tirol findet man die Hot Spots der Alpen.

Freeride heißt weg von der bequemen Auffahrt mit dem Lift. Du musst ein paar Schritte zu Fuß gehen. Oft reichen 10 Minuten um vom Skigebiet aus unberührte Abfahrten zu finden. Manchmal musst du auch zwei Stunden aufsteigen. Freeride heißt dafür aber auch Freiheit, Individualität und vor allem Flow. Im frischen Powder zu fahren ist eine Erfahrung, die dich mit der Welt vereint. Chemisch gesehen sind es Endorphine – körpereigene Drogen. Die Skimodelle sind breite Rocker, die Kleidung ist bunt. Modisch angesagt sind heuer Overalls und Moustache.

Natürlich ist meine Spot-Auswahl nur eine subjektive. Aber genau dazu möchte ich euch animieren: entdeckt eure persönlichen Freeride Hot Spots in Tirol!

St. Anton am Arlberg

Die Antoner bezeichnen den Arlberg als die Wiege des alpinen Skisports. Und sie haben recht. Nirgendwo sonst bist du so am Puls der aktuellen Entwicklungen im Skisport. Nirgendwo sonst gibt es so ein abwechslungsreiches Skigebiet. Nirgendwo sonst findest du eine solche Szene. Hier mischen sich alle internationalen Pros und die (noch) unbekannten Locals. Was Wien für klassische Musik ist, ist St. Anton für Freerider. Wer die Szeneluft schnuppern will, macht am Nachmittag (wenn die Lifte schließen) eine Runde durch die Fuzo und schaut in die Bars und zahlreichen Shops.

Sicherheitsausrüstung, Prüfung der aktuellen Bedingungen und Lawinenkunde sind Voraussetzung für einen Ausflug ins Gelände Foto: TVB St. Anton am Arlberg / Fotograf Josef Mallaun

Ausflug ins Gelände am Arlberg. Foto: TVB St. Anton am Arlberg/Josef Mallaun

Meet & Greet in St. Anton mit den Freeride-Pros Stefan Häusl, Lorraine Huber, Nadnine Wallner, Björn Heregger und Katharina Schuler

Meet & Greet in St. Anton mit den Freeride-Pros Stefan Häusl, Lorraine Huber, Nadine Wallner, Björn Heregger und Katharina Schuler. Foto CK

Pitztal

Wenn man im Pitztal Freeride Lines sucht, muss man nicht lange suchen. Man spürt: hier gibt es viel Potenzial, hier geht die Entwicklung jedes Jahr ein Stück weiter. Im Februar findet dort der „Wild Face“-Bewerb aus der World Qualifier Serie statt. Die Freerideabfahrt vom Mittagskogel gehört mit 1.500 Höhenmetern zu den längsten im Land.

Freeriden im Pitztal. Foto TVB Pitztal

Freeriden im Pitztal. Foto TVB Pitztal

Fieberbrunn

Viele kennen das Pillerseetal noch von ihrer Snowboardkarriere. „Lords of the boards“ von den Guano Apes. (Wir sind doch alle ehemalige Snowboarder, zumindest ein paar Jahre lang, bis wir wieder die Ski ausgepackt haben). Der Wildseeloder in Fieberbrunn ist regelmäßiger Schauplatz der Freeride World Tour, das sagt alles. CU.

Fieberbrunn. Foto D. Carlier/Swatch Freeride World Tour by The North Face

Fieberbrunn. Foto D. Carlier/Swatch Freeride World Tour by The North Face

 

Ischgl

Ischgl ist verrückt, und nicht zu vergleichen mit anderen Tiroler Skiorten. Lifestyle, urban, für meinen Geschmack ein wenig zu viel Party, Posing und Apres Ski. Wer das mag, ist hier genau richtig. Und das Skigebiet ist vom feinsten. Schaut euch die Webcam am Palinkopf an und ihr wollt genau hier riden.

Webcam am Palinkopf Ischgl. Foto TVB Ischgl-Paznaun

 

Bergwinter Tirol: #Entdecken

Ja ich weiß, ich hab Serfaus und Kappl vergessen, Sölden und Obergurgl, das ganze Zillertal und das Stubai. Und die ganzen lifttechnisch unerschlossenen Regionen Tirols. Im Vergleich zu vielen Mitbewerbern sind sogar unsere Skigebiets-Zwerge Freeridekönige. Siehe oben.
Zum Schluss mein Zukunftstipp: Das obere Lechtal. Diese noch unbekannte Region ist seit heuer an den Skigroßraum Arlberg angeschlossen. Das heißt: Komfort und Infrastruktur, zusammen mit noch zu entdeckenden Seitentälern, etwa die direkte Nordabfahrt von der Valluga. Lest diesen Artikel in 5 Jahren wieder und sagt mir dann, dass ich Recht behalten habe.

Sicherheit Risikomanagement

Sicherheit ist per Definition ein trügerischer Begriff. Freeride heißt „raus aus der Komfortzone“. Modernes Sicherheitsmanagement beim Freeriden bedeutet eine veränderte Grundeinstellung: Wie gehe ich mit dem Risiko um? Eigenverantwortung zählt.
Zur Grundausrüstung jedes Freeriders gehören ein Helm, ein Lawinenverschüttetensuchgerät LVS („Pieps“), eine Sonde und eine Lawinenschaufel. Empfehlenswert sind zusätzliche Sicherheitsprodukte wie ABS-Rucksack, Recco-Reflektoren und einfache Risiko-Check-Methoden wie 3×3. Mobiltelefon ist sehr empfehlenswert, den Alpinnotruf erreicht man in Österreich mit 140 oder Euronotruf 112. Und nochwas Wichtiges: Freerider fahren nie allein – nimm deinen Buddy mit.

Wer den Einstieg ins Freeriding angehen will, der bucht am besten in der örtlichen Skischule oder nimmt sich einen lokalen Berg- und Skiführer. Einige Tiroler Destinationen bieten auch Freeride Camps an. Die Ausrüstung leiht ihr euch am besten vor Ort aus.

2 Kommentare

  • Christian K.
    Nochwas vergessen: Innsbruck ist einfach urban-alpin. Du kannst in 40 Minuten vom pulsierenden Stadtzentrum hinauf auf die Seegrube entfliehen. Wo gibt's das sonst noch - Freerideabfahrten in der Hauptstadt?
  • Outdoormind
    Der Arlberg ist ein wahres Freerdie Paradies. Auch wir waren vor Ort und haben hier darüber berichtet: http://outdoormind.de/snow/freeride-hotspot-st-anton-arlberg