Wie barrierefrei sind Tirols Skigebiete?

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Der gebürtige Steirer Robert Troppacher ist bereits seit den achtziger Jahren Rollstuhlfahrer und arbeitet seit elf Jahren als Monoskilehrer in Tirol. Was sich in Sachen Barrierefreiheit in Tirols Skigebieten bereits getan hat und warum er von Rollstühlen bei Skihütten träumt, erzählt er im Gespräch. Ihr könnt das Interview hier nachhören:

Tipps vom Profi – 5 Dinge , die man übers Monoskifahren wissen sollte:

1. Was ist eigentlich ein Monoski?
Er besteht aus einer Sitzschale, die neueste Generation wird aus Carbon gefertigt und besitzt einen Stoßdämpfer, der dem Motocross-Sport entlehnt ist und mit Gasdruck funktioniert. Unten ist ein Ski montiert, mit zwei kurzen Krückenski links und rechts in den Händen halten Monoskifahrer die Balance. Kurven fahren sie durch Gewichtsverlagerung. Man kommt als Rollstuhlfahrer wieder in die Berge“, sagt Monoskilehrer Robert Troppacher, „man kann Skifahren mit der Familie, man kann ganz alleine Skifahren. Man ist in der Natur, also es ist echt alles geboten.“

2. Wieso sind Ziehwege für Monoskifahrer schlecht?
Am Gipfel angekommen, können Monoskifahrer mit sicherer Fahrtechnik grundsätzlich Pisten aller Schwierigkeitsgrade bewältigen – mit einer Ausnahme, so Troppacher: „Wichtig ist, dass man keinen Ziehweg erwischt, wo es 50 Meter bergauf geht. Denn da braucht ein Monoskifahrer jemanden, der ihm hilft.“

3. Wie kann ich Rücksicht auf Monoskifahrer nehmen?
Ein wichtiges Anliegen ist Robert Troppacher, dass andere Skifahrer den Behindertenparkplatz in Skigebieten möglichst frei halten: „Wenn der Behindertenparkplatz nur halb eingeparkt ist, komme ich dort nicht hin. Manche sagen, das geht sich schon irgendwie aus – aber es geht sich nicht aus.“ Sehr oft macht Troppacher allerdings auch positive Erfahrungen mit hilfsbereiten Skifahrern: „Ich bin noch nicht einmal ausgestiegen, dann ist schon irgendwer da, der mir hilft – der trägt mir meinen Monoski, der hilft mir mit dem Rollstuhl. Das ist eigentlich das Normale. Die fünf Prozent, die schlecht drauf sind – die gibt‘s immer.“

4. Worauf schaut ein Qualitätsprüfer bei einem Monoskigebiet?
Der Tester, in diesem Fall Robert Troppacher, kontrolliert direkt vor Ort, ob genügend Parkmöglichkeiten für Rolli-Fahrer vorhanden sind, ob Ziehwege nicht zu flach oder Skilifte und Restaurants barrierefrei sind. Zusätzlich spielt auch das Service-Personal bei den Skiliften eine wichtige Rolle für die Barrierefreiheit eines Skigebiets. Robert Troppacher erklärt: „Wenn der Parkplatz 50 Meter entfernt ist und es hat 20 Zentimeter geschneit, dann ist das zu viel. Ich komme so mit dem Monoski nicht zur Liftkassa hin. Der Parkplatz sollte daher im Kassabereich sein.“ Auch die Liftkassa selbst muss für Rollstuhlfahrer gut erreichbar sein. Die Skilifte müssen einen barrierefreien Einstieg ermöglichen – hier spielt vor allem das Liftpersonal eine große Rolle, wie Robert Troppacher bemerkt: „Und da muss ich sagen, sind die Liftangestellten eins a. In Tirol ist man als Rollstuhlfahrer in jedem Skigebiet erwünscht, es wird einem überall geholfen.“

5. Wo kann ich in Tirol Monoskifahren?
Grundsätzlich sind heute beinahe alle Skigebiete in Tirol für Rollstuhlfahrer geeignet. Wer auf Nummer sicher gehen will, findet auf www.tirol.at eine Liste der zertifizierten Monoskigebiete.

 

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