Ahnenforschung online – eine sehr lebendige Idee aus Tirol

------
Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

So manche gute Idee hat einen belächelnswerten Anfang. Als die Lienzerin Christine Schwemberger erste Sterbebilder ins Netz stellte, konnte kaum jemand verstehen, warum sie das macht.

Inzwischen hat die Seite mit einer Sammlung von über 82.000 Sterbebildern aus Nord-, Ost- und Südtirol seit ihrer Entstehung im August 2012 über 3,5 Millionen Zugriffe zu verzeichnen. Es ist offensichtlich ein Thema, das interessiert.

 

Christine, was sind Sterbebilder?

Man kennt diese Bilder, fast jeder hat solche zu Hause. Sie werden als eine Art letzte Erinnerung an den Verstorbenen bei Beerdigungen ausgeteilt.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Sterbebilder ins Netz zu stellen?

Seit Jahren betreibe ich Ahnenforschung. Ich habe nach einem bestimmten Sterbebild aus dem Jahre 1884 gesucht, welches testamentarisch erwähnt worden war. Die Verwandtschaft hatte keines, also suchte ich im Museum danach. Das war aufwendig, zeit- und kostenintensiv. Ich beschloss, irgendwann alle Sterbebilder, die ich in die Hand bekomme, für jeden frei zugänglich zu machen – jederzeit und kostenlos.

Warum gibt es nur Sterbebilder aus dem Tiroler Raum?

Der Tirol-Bezug ist mir einfach wichtig. Wobei die Grenzen automatisch verschwimmen. Tirol war ja früher größer.

Gibt es besonders tragische Fälle, die aus einem Sterbebild ersichtlich wurden?

Ja, besonders schlimm ist das Sterbebild der Familie Lottersberger aus dem Jahr 1919 – innerhalb eines Monats sind sechs Kinder an einer schweren Krankheit gestorben.
Oder Texte über den Umstand des Todes wie „Sie starb durch die Mörderhand ihres Mannes“ sind richtig gruselig…. da gibt es einiges.

Und Lustiges?

Auch das. Eine Frau zum Beispiel ist wohlvorbereitet unter der Lawine ums Leben gekommen. Die Tatsache, dass sie gestorben ist, ist natürlich nicht lustig. Aber der Text… Ich frag mich, wie das gehen soll…

Welches ist das älteste Sterbebild in der Sammlung?

Es gibt eine Christina Amonn Catharina, die 1652 geboren ist. Allerdings wissen wir hier nicht hunterprozentig, ob sie eine Südtirolerin ist. Ich vermute es – der Name gehört eigentlich in die Gegend um Bozen. Joseph Anton von Obwexer ist auf jedenfall von Kaltern. Der ist 1730 geboren.

Was freut dich am meisten am Erfolg der Seite?

Im Gästebuch gibt es zahlreiche Einträge von Menschen, die dankbar sind, endlich Bilder ihrer Ahnen gefunden zu haben Es gibt auch Anerkennung für die viele Arbeit, die ich ja gerne mache. Das macht schon stolz. Und dass so viele Menschen an der Seite mitarbeiten. Auf den neueren Sterbebildern steht oft nicht mehr, wo die Menschen geboren bzw. gestorben sind. Wenn es hier ergänzende Informationen in Kommentaren gibt, ist das natürlich toll.

Wie kommst du zu den Sterbebildern?

Mittlerweile kommen viele auf mich zu und schicken mir Sterbebilder per Mail. Ich freue mich über jedes einzelne – es sind noch lange nicht genug! Wenn jemand mehrere hat, komme ich auch gerne persönlich vorbei, um sie zu scannen. In Arzl im Pitztal gibt es jemanden, der 25.000 Stück gesammelt hat. Da dauert das Scannen etwas länger (lacht).

 

Wer Ahnen sucht:
www.sterbebilder.schwemberger.at

Wer Sterbebilder für das Archiv weiter geben möchte:
christine@schwemberger.at

 

 

 

8 Kommentare

  • Irmi
    Ich finde es hervorragend und eine große Leistung die Frau Schwemmberger kostenfrei hier ins Netz stellt. Mach weiter so Christine, du hilfst vielen Menschen damit ihre Vergangenheit wieder lebendig zu machen. Wir sind es unseren Vorfahren schuldig, das wir ihren letzten Gruß(Sterbebild) liebevoll aufbewahren und ihnen damit ein Andenken setzen. Wir sind ein Teil von Ihnen.
    • Christine
      Liebe Irmi kurz zur Erklärung - ich glaube das Irmi definitiv die größte Sammlung im deutschsprachigem Raum hat. Es sind ungefähr 200.000 Stück. Auch Irmi stellt die Bildchen jedem der bei ihr anfragt kostenlos zur Verfügung. Sie hat mich damals am Anfang meiner Sammlung sehr unterstützt - inzwischen hat sie mir weit über 1000 Bildchen gemailt. Sie bewahrt jedes Bildchen liebevoll auf und setzt ihm somit auch ein immerwährendes Andenken. Im Gegensatz zu mir hat sie jedes Bildchen in echt, ich hab ja alle Bildchen nur in digitaler Form. Dank dir Irmi für deine Antwort und liebe Grüße Christine
  • Doris Meusburger
    Ganz toll, liebe Christine. Ich unterstütze Dich ja immer tatkräftig und habe glaublich wieder 200 Stück, die ich Dir noch nicht geschickt habe. :-) Dann wird Dir nicht langweilig und es geht Dir die Arbeit nicht aus. Sterbebilder sammeln ist interessant, macht aber süchtig, nicht wahr Christine und Irmi ? Und man darf nie vergessen: Jedes Sterbebild ist ein Schicksal und hinter jedem Sterbebild steht ein Mensch und sein Leben. Mach weiter so und ich helfe Dir gerne. Liebe Grüsse aus Vorarlberg Doris Meusburger
    • Christine
      Hallo Doris und auch du hast wieder Tiroler in deiner Sammlung gefunden. Beim Scannen bin ich definitiv schneller - deshalb finde ich es ganz toll das du mir die Tiroler Bildchen zum Scannen schickst! liebe Grüße und vielen Dank Christine
  • Toni aus Schärding
    Hallo Christine Ich finde deine Seite erste Sahne .Ich glaub das es keinen gibt der das so perfekt angelegt hat wie du, und das kostenlos. Ich schau oft rein und dann packt mich die Sucht wie Doris sagt erneut um Sterbebilder zu suchen.. Leider bekomm ich von Tirol selten Bilder für mich fast unerreichbar aber ich denk immer auf dich. Liebe Grüsse aus Oberösterreich Toni
    • Christine
      Hallo Toni kaum geschrieben, schon hat es sich geändert! Ich danke dir das du mich die Bildchen die du von Südtirol bekommst, vorher noch scannen lässt. Ich weiß das du hauptsächlich Sterbebildchen von Soldaten sammelst - vielleicht meldet sich ja jemand bei dir! Dank dir noch einmal für dein Entgegenkommen liebe Grüße Christine
  • Boarnvroni
    Liebe Frau Schwemberger! Also ich bin sprachlos und fasziniert gleichzeitig! Ich betreibe auch seit einigen Jahren Ahnenforschung und habe schon einige Sterbebildchen in meiner Datenbank, die ich für die Datenerhebung herangezogen habe. Jetzt freut es mich umso mehr, habe einen Suchbegriff meiner Ahnen eingegeben und prompt schon 2 alte Sterbebildchen entdeckt, die ich ebenso in meinem Fundus habe. Meine Mutter besitzt jede Menge dieser alten Schätze, ich werde nach Rücksprache mit ihr gerne ihre wunderbare, sehr interessante und hilfreiche Arbeit mit "Futter" unterstützen. Ich weiß welcher Arbeitsaufwand dahinter steckt! Danke, dass Sie diese Datenbank kostenlos zur Verfügung stellen, mit freundlichen Grüßen Vroni Schneider
    • Christine
      Liebe Vroni das klingt fantastisch! Melde dich einfach unter christine@schwemberger.at dann könnten wir was ausmachen - ich komme gern persönlich vorbei zum Scannen - oder du schickst sie mir einfach per Mail?! ganz liebe Grüße inzwischen Christine