Weitwandern mit Kindern – geht das?

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Julia

Julia König bändigt zwei kleine, aber umso wildere Jungs und ist... Zum Autor

Ich liebe das Weitwandern! Ob Jakobsweg oder Adlerweg – für mich gibt es keine erholsamere Form des Urlaubs als zu gehen, vorwärts zu kommen. Auf dem Weg zu sein, am Ziel. Über 3.000 Kilometer habe ich in den letzten Jahren zu Fuß erobert und es sollen noch viele mehr werden. Aber Weitwandern mit kleinen Kindern – geht das?

Kurz nach Gehren, liegt der Tiroler Lechweg vor uns

Kurz nach Gehren liegt der Tiroler Lechweg vor uns

Das wollte ich letztes Jahr wissen und hab mich mit Sack und Pack (und einer wirklich geduldigen Freundin) auf den Lechweg gemacht. Eines gleich vorweg: die Woche am Lechweg mit meinen Jungs (damals 11 Monate und 2 Jahre alt) war anstrengend – nicht nur körperlich! Als passionierte Weitwanderin bin ich es ja gewohnt, alles mit mir zu tragen, was ich brauche. Allerdings hat sich mein Gepäck durch die Kinder mehr als vervierfacht: Windeln, Gläschen, Wechselkleidung und nicht zuletzt: die Kinder selbst! Umso wichtiger war daher die Wahl des Weitwanderwegs – nicht bezüglich Kindertauglichkeit sondern auch hinsichtlich seiner Topografie. Für den Lechweg haben wir uns schließlich aus drei Gründen entschieden:

  1. Es gibt entlang des Weges viel zu entdecken: zahlreiche Ausflugsziele, Schwimmbäder und Wasserläufe garantieren, dass den Kindern nicht langweilig wird.
  2. Die Etappen sind größtenteils nicht sehr anspruchsvoll und schwerere Passagen können durch den Radweg im Tal (oder öffentliche Verkehrsmittel) umgangen werden. Viele Etappen sind mit einem bergtauglichen Kinderwagen zu meistern.
  3. Die Infrastruktur am Lechweg ist bestens ausgebaut: es findet sich immer Lokal für eine schnelle Einkehr sowie eine Unterkunft. Außerdem fährt im Tal jede Stunde ein Wanderbus (in beide Richtungen), der mit der Lechtal Aktiv Card sogar kostenlos benutzt werden kann.

Weitwandern mit Kindern am Lechweg

Da ich mich im Urlaub gerne treiben lassen, habe ich auch diesmal nicht allzu viele Vorbereitungen getroffen: das funktioniert mit meinen beiden Jungs ziemlich gut, aber diesmal hätte eines nicht geschadet: eine Unterkunft für die gesamte Woche zu organisieren. Nicht nur, dass wir uns damit einiges an Schlepperei gespart hätten, für die Kinder ist ein Fixpunkt auf einer solchen Reise unabdingbar. In Holzgau haben wir schließlich eine Ferienwohnung im „Ferienschlössl Harmonie“ (absolut empfehlenswert!) gebucht und so konnten dann auch die Kinder am Weg ankommen. Mit dem Wanderbus sind wir dann jeden Tag zum neuen Ausgangspunkt und am Abend wieder heim ins Hotel gefahren.

Das Wandern selbst war für uns alle wirklich sehr entspannend – der Große konnte nach Herzenslust sausen (und sich anschließend im Kinderwagen ausrasten) und beide hatten eine wahre Freude daran, dass alle (gefühlten) zehn Meter ein neuer Bachlauf dazu einlud, händevoll Steine ins Wasser zu werfen oder Steinmännchen zu bauen. Uns Erwachsenen hat es gut getan, uns dem Rhythmus der Kleinen anzupassen und das anzunehmen, was uns der Weg gerade bietet (anstatt „Meter zu machen“). Denn eines ist klar: wie bei Bergwanderungen auch, gilt beim Weitwandern: der Kleinste gibt das Tempo vor – und die Pausen! So haben wir beispielswese eine Stunde lang einem Straßenfertiger beim Asphaltieren einer kleinen Seitenstraße zugesehen, nur um 20 Meter später im Naturklettergarten Schrofenwies Kletterer zu bestaunen und gleich im Anschluss zu jausnen. (Damit war auch schon der ganze Vormittag vergangen).

...ein Bubentraum wird wahr! Naturklettergarten Schrofenwies es gibt immer was zu entdecken

 

Die Wegbeschaffenheit des Weges war bestens und auch mit dem Kinderwagen gut zu meistern – wir hatten uns diesbezüglich aber auch gut informiert und nur bei einer Etappe hatten wir uns so verschätzt, dass wir dankbar und froh waren, im Tal angekommen zu sein (Holzgau – Steeg). Da diese Etappe aber auch über die wirklich sehenswerte Holzgauer Hängebrücke führt, sollte man sie sich trotzdem nicht entgehen lassen: ohne Kinderwagen und mit etwas Trittsicherheit ist auch dieser Abschnitt gut zu bewältigen.

Hängebrücke Holzgau Hängebrücke Holzgau Weitwandern mit Kindern am Lechweg

 

Mein Fazit: Das Weitwandern mit den Kindern war nicht nur machbar – es hat auch richtig Spaß gemacht! Ich würde jederzeit wieder mit meinen beiden Jungs auf Wanderschaft gehen – nur halt ein bisschen anders: Ein bisschen gemächlicher, ein bisschen langsamer und auch ein bisschen weniger ehrgeizig.

keine Pfütze ist zu klein für ein Boot Weitwandern mit Kindern am Lechweg ...erst Steinmännchen bauen, dann Steine in den Lech werfen

 

Meine Tipps für die Lechweg-Planung mit Kindern

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