Meisterleistung der Ingenieurskunst: die Wildspitzbahn am Pitztaler Gletscher (mit Hyperlapse-Video)

Aktualisiert am 08.11.2017InesInes

Eine Bergbahn ist mehr als nur Transportmittel, sie ist eine Ingenieursleistung der Sonderklasse. Besichtigung der Wildspitzbahn, Österreichs höchster Seilbahn.

Ein kurzer Moment und schon schwebt man. Die Piste unter den Gondeln scheint weit weg, Ruhe und Stille dominieren. Die Wildspitze, die Königsspitze, der Rostizkogel, Weißkogel und Ortler rücken ins Blickfeld. Knapp 6 Minuten dauert die Fahrt mit der Wildspitzbahn im Pitztal. Von 2.849 Metern Seehöhe führt sie hinauf auf den 3.440 Meter hohen Hinteren Brunnenkogel und verbindet das Hochgebirge mit dem Pitztaler Gletscher.

Wildspitzbahn carries you to Austria's highest coffee bar: Café 3.440 #hyperlapse

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Der Bau einer solchen Bergbahn ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Wer auf über 3.000 Metern etwas errichten möchte, ist den Launen der Natur hilflos ausgeliefert. Schnelle Wetterstürze gehören auf diesen Höhen ebenso dazu wie die dünne Luft. Baugeschwindigkeiten wie im Tal sind unmöglich. Alles Zutaten, die wie gemacht sind für eine Reportage über die schwierigsten Jobs der Welt, wie sie sonst über Forscher in der Antarktis oder Lastwagenfahrer aus dem Norden Kanadas gedreht werden. Einige Fakten zum Bau der Wildspitzbahn im Überblick:

  • Für den Bau musste 2011/2012 ein eigener Notweg errichtet werden. Auf 2 Kilometern führte er über den Gletscher, das Baumaterial wurde über das ewige Eis angeliefert. Täglich musste die behelfsmäßige Straße mit ihren extremen Spitzkehren und Anstiegen präpariert werden, um sie mit Allradfahrzeugen und großen LKWs überhaupt benützen zu können.
  • Zwei Sommer lang wurde zuerst die alte Bahn abgetragen. Arbeiter montierten die bis zu 60 Meter hohen und 60 Tonnen schweren Stützen ab und transportierten sie den Berg hinunter.
  • Das neue, mehr als 4 Kilometer lange Seil, mit einem Durchmesser von 54 Millimetern und einem Gewicht von sagenhaften 44 Tonnen, musste auf zwei Lastwägen verteilt werden. Zwei Tage dauerte es, bis das Seil schließlich am Bestimmungsort eintraf.
  • Alleine auf der Bergstation wurden 1.250 Kubikmeter Beton verbaut – pro Stunde konnten allerdings nur 3 Kubikmeter mit der Materialseilbahn angeliefert werden. Selbst kräftige Hubschrauber sind hier nur bedingte Helfer, sie schwächeln im hochalpinen Gelände. Wird es nur 5 Grad Celsius wärmer, sinkt die Tragkraft der Helikopter um 500 Kilogramm.
Foto: Verena Kathrein

Wer zur Talstation der Wildspitzbahn kommt, die so hoch gelegen ist, dass sie eigentlich auch Bergstation heißen könnte, merkt von all den Anstrengungen nichts. Schwungvoll schmiegt sie sich in den Berg. Von den 450 gebogenen Platten der 1.200 Quadratmeter großen Dachfläche gleicht keine der anderen, sie sind Einzelstücke.

Foto: Verena Kathrein

Im Inneren des Gebäudes rattern zwei Motoren. An der Decke dreht sich gemächlich die rote Antriebsscheibe, die die Gondeln auf den Gipfel schiebt. Von einem Computer aus wird die gesamte Anlage kontrolliert, von den Leuchten auf den Stützen über die sogenannten Bruchstoppschalter bis hin zu den Bremsvorrichtungen. Selbst, ob das Seil richtig auf den Rollen liegt, oder auch nur ein klein wenig daneben, wird überwacht. Jede kleinste Störung zeichnet das System auf. Eine Bergbahn ist längst Hightech im hochalpinen Raum.

Ines

Große Städte, helle Lichter: In Großstädten fühlt sich Ines Mayerl wohl. Trotzdem kommt sie immer wieder gerne nach Hause – um eine Auszeit am Berg zu genießen, in Innsbruck neue Cafés zu entdecken und die Pisten zu erobern.

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