Die Designer des Hotel Nala Innsbruck

Aktualisiert am 06.04.2016EckardEckard

Ich fange mit dem Ende an: Ich habe mich schon lange nicht mehr so ungern von 2 Menschen verabschiedet, die ich gerade einmal vor eineinhalb Stunden kennen gelernt habe. Von der Künstlerin und Designerin Michaela Schweeger und vom Architekten Armin Kathan. Beide sind maßgeblich an der Gestaltung des gerade neu eröffneten Nala Hotels in einer ruhigen Seitenstraße in zentraler Lage von Innsbruck verantwortlich.

Und jetzt zum Anfang: Vor Kurzem habe ich schon einige Räume ohne die beiden besichtigt. Selten zuvor ist der Funke auf mich so schnell übergesprungen. Auf Anhieb war ich fasziniert von diesen Räumen, von der Durchdachtheit, vom Ungewöhnlichen, vom Neuen. Neugierde stellte sich ein. Ich wollte unbedingt diese Menschen kennen lernen, denen dieses Kunststück gelungen ist.

Und die Begegnung war so stimmig, wie ich sie mir erhofft habe. Zwei starke Persönlichkeiten mit einer positiven Reibung und einem großen Respekt voreinander. So kann was Großes entstehen.

 

Das Nala liegt in einer ruhigen Seitenstraße nahe der Innenstadt

Das Nala liegt in einer ruhigen Seitenstraße nahe der Innenstadt

Toleranz & Vertrauen = Gesamtkunstwerk

Für Michaela Schweeger sind die interessantesten Prozesse jene, wo man die Offenheit mitbringt, bestehende Meinungen umzuwerfen und völlig neu zu denken. Neu gedacht wurden unter anderem auch die Kunstwerke von Michaela Schweeger, die dem Hotel den Namen und auch eine Zusammengehörigkeit vermitteln sollen. Viele kleine Frauenfiguren wurden fotografiert und stark vergrößert. So ist der Ausdruck der Frauen gut erkennbar und lässt viel Interpretationsspielraum für den Betrachter offen. Es kommen einen vielleicht auch Assoziationen zu asiatischen Figuren und das löst die Künstlerin gleich mit ihrem ethnologischen Hintergrund auf: „Dies kann durchaus sein“. Die Figur der Nala, der Urfrau oder auch Großmutter (vom Tiroler Oberland) zieht sich wie ein roter Faden durchs Hotel. Aber Schweeger weist darauf hin, dass das Hotel Nala kein Kunsthotel ist und sein will. Eine Einladung, sich auf etwas einzulassen, trifft es eher. Auch beispielsweise auf die Zitate von einem Gedicht von Paul Celan („Es ist Zeit“).

Einer der vielen Drucke von Michaela Schweegers Kunstobjekten

Einer der vielen Drucke von Michaela Schweegers Kunstobjekten

 

Und im Nala glänzt das Gold

Und Zeit zur fruchtbaren Auseinandersetzung gab es nach Aussagen von Michaela Schweeger und Armin Kathan während der Planung zwischen den beiden ausreichend. Dieses positive Streitpotenzial endete in einem formalen Nutzen, wie die beiden übereinstimmend bestätigen. „Obwohl wir nicht immer einer Meinung waren, hat sich alles zu einem gefügt“, so Schweeger. Ein Beispiel sind die vielen Goldfliesen, die in Bädern oder Räumen zu finden sind. Für Schweeger anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, ist sie heute umso euphorischer. Gold ist eine Inspiration und es entsteht eine barocke Freude an dieser Farbe und an der Form. Eine Opulenz und Andersartigkeit ohne zu erdrücken. Und die Akzente brechen die Schärfe. Dies ist für Armin Kathan eines der dominierenden Themen. Brüche zu erzeugen, nicht makellos zu gestalten und die Menschlichkeit widerzuspiegeln. „Eine Glätte und Perfektion, die nicht mehr menschlich ist, wollten wir nicht. Wir wollten Perfektion rausnehmen“, so der Architekt.

Hier wird Abba und die 70er lebendig

Hier wird Abba und die 70er lebendig

 

95 % Bauchentscheidung

Kathan bekennt, dass er früher mathematisch orientiert gearbeitet hat (1+1=2) und heute zu 95 % auf Bauchentscheidungen setzt. So kam es auch zum „Goldrausch und so wurde auch auf die offensichtliche Präsenz von Fernsehern verzichtet. Diese „Störfaktoren“ werden hinter Vorhängen verborgen oder geschickt in Möbel verbaut. Kathan will damit einer Reizüberflutung entgegenwirken. Obwohl er sehr stark mit stilistischen Reizen in den Räumen arbeitet, darf es trotzdem zu keiner Überflutung kommen. Viel wichtiger ist ihm der spielerische und kluge und auch humorvolle Umgang mit Einrichtung und Materialien.

Baden ganz oben. Viele neue Wege führen zum Ziel.

Baden ganz oben. Viele neue Wege führen zum Ziel.

Regionalität anders gelebt

Schweeger und Kathan haben keinen klischeehaften Tirol-Bezug im Haus verankert. Für die beiden ist es der Ausblick von den Zimmern auf die Berge, der ständige Bezug zum Außen, der prägend ist. So versteht  Kathan unter Tradition mehr eine Weiterentwicklung als eine Imitation. „Wir haben Regionalität anders gelebt“, sagt auch Michaela Schweeger. Materialien werden dabei von heimischen Handwerkern zu zeitgemäßen Werken gestaltet.

 

Diese Umgebung spielt immer die Hauptrolle

Diese Umgebung spielt immer die Hauptrolle

 

„Diese Zimmer haben mich ans Limit gebracht“

Der bekennende Osttirol-Fan Armin Kathan mag besonders die Zimmer der Serie „Bergsteiger“. Sie sind nicht groß, aber sie sind der herausforderndsten Arbeiten und haben mich ans Limit gebracht“ erklärt der Architekt. Er liebt Grenzüberschreitungen wie mancher Bergsteiger. Und Michaela Schweeger gibt den Gästen des Hauses noch einen Wunsch an der Eingangstür beim Rausgehen mit: „May happiness pursue you“

Das Snow White Zimmer - ganz ein großes!

Das Snow White Zimmer – ganz ein großes!

 

Eckard

Eckard Speckbacher ist viel unterwegs: in großen Städten, fernen Ländern und natürlich in Tirol. Er ist auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen: Geheimplätze, Restauranttipps und Hotels mit Charme werden von ihm entdeckt.

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1 Kommentar

Karin Strobl

Sehr schöner Beitrag über das Hotel, Gratulation an die Designer und den Fotografen!
Wir freuen uns darauf, Fahrgäste die wir von Lech abholen (27.12.) ins Nala bringen zu dürfen. Ich bin davon überzeugt, dass sie sich wohl fühlen werden.