Auf Spielverderber verzichten: Wintertipps für Kleinkinder (Teil 1)

Aktualisiert am 08.11.2017JuliaJulia

Donnerstag früh, so gegen 6, gab es für meine beiden Jungs kein Halten mehr! Es hatte über Nacht geschneit und gegen 06:10 stapften die beiden schon in Schneeanzügen durchs Dunkel unseres Gartens. Mit Schneeschaufeln bewaffnet, hat sich der Große gleich an den Bau einer Schneeburg gemacht, während der Kleine die hellste Freude mit dem Auffüllen der Sandkiste hatte. Mit roten Backen, stolz geschwellter Brust und überglücklich marschierten sie etwas später im Kindergarten ein – aber auch die Freude am Schnee will gelernt sein, schließlich hat auch der schönste Spaß ein jähes Ende, wenn Schnee in den Nacken läuft oder die Finger vor lauter Kälte schon ganz rot sind.

 

Hier also meine Tipps für Kleinkinder im Schnee:

 

…vom richtigen Gwand

St.Sigmund im Sellrain, Gleirsch Alm

Auch wenn die Anzieherei lästig ist, empfiehlt sich für kalte Wintertage der Zwiebellook. Heißt: viele dünnere Schichten übereinander. Das hat mehrere Vorteile: 1. Dem Nachwuchs wird weder zu kalt noch zu warm, weil man eben schnell was aus- oder anziehen und so die Temperatur ganz einfach regeln kann. Außerdem speichert die Luft zwischen den einzelnen Schichten die Wärme und macht mehrere dünne Schichten damit wärmer als eine einzelne dicke Winterjacke.

 

Handschuhe

Leutasch

Als meine beiden Kinder die jeweils erste Begegnung mit Schnee machten, verging ihnen die Freude in dem Moment, als sie diesen mit den Händen berührten – viiiiiiiiiiiel zu kalt und schmelzen tut der auch noch ganz unangenehm. Also: die richtigen Handschuhe besorgen! Gerade bei kleineren Kindern kann das Anziehen der Handschuhe aber so mühsam sein, dass ich nicht nur einmal geneigt war, sie komplett wegzulassen (<- kontraproduktiv). Die Lösung für mich lautet daher: Handschuhe mit Reißverschluss. Gibt’s als Fäustlinge und Fingerling praktisch überall.

 

Schneeanzug

Neuleutasch

Und zu guter Letzt: die raue Schale. Es gibt keinen größeren Spielverderber, als ein Schneeanzug, der Wasser durchlässt. Ich hab mir das mit der Wasserdichtheit auf Wikipedia durchgelesen und bin nun etwas schlauer: Hersteller dürfen ihre Produkte ab einer Wassersäule von 800 wasserdicht nennen, wenn man aber auf einem nassen Untergrund kniet, kann man von einem Wasserdruck von 4.800 ausgehen. Das heißt im Klartext: beim Kauf eines Schneeanzugs muss man unbedingt auf die Wassersäule achten, nicht auf den Hinweis, ob das Kleidungsstück wasserdicht ist. Für einen ausgiebigen Tag im Schnee würde ich nur Schneeanzüge ab einer Wassersäule von 8.000 aufwärts besorgen – keine Sorge, kann man sich leisten.

 

Schuhwerk

Leutasch

Auch beim Schuhwerk ist auf einiges zu achten: sie müssen eine wasserdichte Beschichtung haben (Goretex hat sich noch immer bewährt), innen warm gefüttert sein (Wollfilz, Fell) und – was einige Hersteller leider ganz gern vergessen – ein besonders griffiges Profil haben. Eine Rutschpartie macht eben nur Spaß, wenn man abwärts rutscht – aufwärts muss man gut laufen können!

 

Was noch?

Skigebiet Zwölferkopf, Achensee

Ganz gleich, was man mit den Kindern macht, ich kann gar nicht oft genug sagen, wie wichtig es ist, die Kleinen ordentlich anzuziehen und immer wieder zu prüfen, ob sieauch warm haben. Kinder spüren selbst noch nicht rechtzeitig, wenn ihnen kalt wird. Deshalb darf keinesfalls darauf verzichtet werden, immer wieder im Nacken und an den Händen zu prüfen, ob sie warm haben! Und sobald sich auf den Backen weiße Flecken zeigen: ab ins Warme!

Ganz besonders bei Kindern, die selbst noch nicht laufen können (oder wollen) und geschoben oder gezogen werden (Kinderwagen, Rodel) ist es wichtig, dass man immer wieder den Temperaturcheck macht. Wer sich selbst nicht bewegt, kühlt schneller aus! Drum: auch im Lammfell eingepackt sind Handschuhe Pflicht.

Generell empfehle ich sowieso, die ganz kleinen Kinder im Tragetuch oder in der Babytrage eher eng am Bauch zu tragen – so kühlen sie nicht so leicht aus und man hat sie auch immer gut im Blick. Vom Tragen in einer Kraxe bei winterlichen Verhältnissen rate ich hingegen dringlich ab! So ideal diese Tragehilfen im Sommer sind, im Winter sind die Kinder hier den Temperaturen zu sehr ausgesetzt.

 

…und wenns dann doch zu kalt war?

Feilalm, Pertisau, Achensee

Nichts ist gemütlicher, als sich nach einem ausgiebigen Wintertag in der warmen Stube am Kachelofen und einer Tasse Tee aufzuwärmen. Doch Achtung! Wenn man vor lauter Schneespielen die Kälte übersehen hat und die Finger schon weiß oder gar rot sind, muss man beim Aufwärmen vorsichtig sein. Am besten nimmt man dann eine Schüssel kaltes (!) Wasser, hebt Finger oder Füße rein und steigert die Temperatur langsam. Und wenn der gefürchtete „hoanigl“ (Kälteschmerz) einsetzt, hilft es, die betroffenen Körperstellen fest zu drücken (NICHT massieren!) und sie auf den nackten Bauch zu legen.

 

Last not least: Farben & Sichtbarkeit

Reflektormützen

Haben zwar nichts mit Wärme zu tun, aber gerade, wenn die Tage kürzer werden und die Landschaft in ein weißes Kleid gehüllt ist, ist es wichtig, auch gut gesehen zu werden. Daher finde ich es empfehlenswert, die Kleidungsstücke in kräftigen Farben auszuwählen. Hat zwei Vorteile: erstens sieht man selbst immer gut, wo der Nachwuchs grad umgeht und zweitens sind die Kinder so auch für andere weithin sichtbar. Bei den meisten Herstellen gehört es  mittlerweile auch schon zum Standard, die Kleidungsstücke mit Reflektoren zu bestücken, damit der Nachwuchs selbst in der Dämmerung gut gesehen wird. Auch Blinkschuhe tun ihr übriges. Und mit den neuen Tirol-Mützen leuchten die Kinder von Kopf bis Fuß :-)

Julia

Julia König bändigt zwei kleine, aber umso wildere Jungs und ist deshalb in ihrer freien Zeit viel mit ihrer Familie in der Natur unterwegs. Sie hat die besten Tipps zu Abenteuerspielplätzen und Ausflugszielen.

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