Tiroler Festspiele Erl – im Winter 2014/15 mit Mozart und Franui

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Esther

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  – aber vor... Zum Autor

Ein Visionär der Oper, ein Baulöwe und ein Grenzgänger zwischen klassischer und Volksmusik: Geht das zusammen? Bei den Tiroler Festspielen in Erl machen genau solche ungewöhnliche Kombinationen den Reiz aus: Hier gelingt der Spagat zwischen schickem Festspielhaus und Kühen auf der Weide, zwischen großen künstlerischen Gesten und entspannter Atmosphäre – 2014/15 zum dritten Mal auch im Winter.

Wenn der Dirigent Gustav Kuhn (oben im Bild), der Musiker und Kulturmacher Andreas Schett und der Geschäftsmann Hans Peter Haselsteiner zwischen 21. Dezember 2014 und 06. Januar 2015 wieder nach Erl laden, präsentieren sie die Opern „Cosí fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart und „Fidelio“ von Ludwig van Beethoven, Orchesterkonzerte zu Silvester und Neujahr sowie Kunstlieder von Schubert und Brahms – genau genommen also nichts Ungewöhnliches für ein Festival, dessen Fokus auf klassischer Musik liegt. Auch das Festspielhaus, ein eleganter, stromlinienförmiger Bau von DMAA, der erst durch die (finanzielle) Unterstützung von Ex-Strabag-Chef Haselsteiner möglich gemacht wurde, passt ins Bild eines glanzvollen Ereignisses.

Festspielhaus Erl (c) Tiroler Festpiele Erl

Rechts neben dem Passionsspielhaus erhebt sich seit 2012 das neue Festspielhaus. (Bild: Tiroler Festpiele Erl, Peter Kitzbichler)

Trotzdem ist Erl anders: Das 2012 eröffnete Festspielhaus mit dem – laut Intendant Gustav Kuhn – größten Orchestergraben der Welt steht nicht in irgendeiner Metropole, sondern mitten auf einer Wiese, auf der im Sommer die Kühe grasen und im Winter Schnee liegt. (Nicht zufällig wirbt Erl seit Jahren mit Kühen und Kontrabässen in immer neuen Variationen.) Da ist allein schon der Weg zur Oper angenehm unspektakulär, ein Spaziergang, kein Aufmarsch der honorigen Gesellschaft.

Der größte Orchestergraben der Welt? (Bildquelle: Tiroler Festspiele Erl)

Der größte Orchestergraben der Welt? (Bild: Tiroler Festspiele Erl)

Das Bild des Spaziergangs passt im übertragenen Sinne auch auf die Zugänge zur Musik, die man in Erl findet. Die Gründer des Festivals, Gustav Kuhn und Andreas Schett, sind eigenwillige Köpfe, und sie grenzen sich deutlich ab von einem Musikbetrieb, in dem Sänger exorbitant hohe Gagen verlangen und Inszenierungen mit immer grandioseren Regieeinfällen punkten sollen. Stattdessen hat Kuhn eine eigene Riege von Sängern und Orchestermusikern herangezogen, die (für geringes Entgelt) Außerordentliches leisten. Wer nach Erl kommt, muss kein eingefleischter Klassikfan sein, um davon beeindruckt zu sein. Ich würde sogar sagen, dass man hier, wo es immer zuerst um die musikalische Aussage geht, seine Scheu vor Opern und opulenter spätromantischer Orchestermusik verlieren kann.

Dazu kommt, dass Klassik und Romantik nie alleine stehen: Immer sind auch Werke des 20. Jahrhunderts, ganz neue Kompositionen und Musik aus dem Zwischenbereich von Klassik und anderen Genres zu hören – bis hin zu den Konzerten der Musicbanda Franui, der auch Andreas Schett angehört. Die zehnköpfige Truppe aus Blechbläsern und Streichern klettert schwindelfrei den Grat zwischen Volksmusik und Klassik entlang und zeigt dies durchaus unterhaltsam an den berühmten Liedern von Schubert, Brahms und Schumann.

Franui_125 Jahre TW_ (c) Eva_Thöni_Tirol Werbung

Franui bei der 125-Jahr-Feier der Tirol Werbung im Oktober 2014. (Bild: Eva Thöni)

Das Lied ist ja auch so eine Kunstform, die nicht jedem sofort zugänglich ist. Aber mit Franui bei den Tiroler Festspielen Erl kann man auch diese Scheu schnell verlieren.

Alle Termine der Tiroler Winterfestspiele in Erl findet Ihr hier: www.tirol.at

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