Wie bereiten sich Tirols Skilehrer auf die neue Saison vor? Der Präsident des Tiroler Skischulverbands im Interview

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Rund 40 Prozent aller Schneesportlehrer Österreichs unterrichten in Tirol. Wie bereiten sie sich auf die kommende Saison vor und wie schaffen sie es eigentlich, Leuten in nur drei Tagen das Skifahren beizubringen? Wenn das einer weiß, dann Richard Walter. Der leidenschaftliche Tiefschneefahrer ist Präsident des Tiroler Skischulverbands sowie des Österreichischen Skischulverbands und leitet die Skischule Arlberg. Ich habe ihn vergangene Woche interviewt:

Herr Walter, wie sehr freuen Sie sich auf die neue Skisaison?
Ich freue mich sehr darauf, denn wir haben seit diesem Jahr ein neues Ausbildungszentrum in der Axamer Lizum. Dort war es bei meinem letzten Besuch mit 60 Zentimetern Neuschnee bereits tiefwinterlich.

Wie bereiten Sie sich auf den kommenden Winter vor?
Ein Skischulbetrieb lebt von dem, was man vor dem Winter macht. Wenn mal die Saison startet, dann muss bereits alles funktionieren. Dazu gehören für mich das Marketing, also unsere eigenen Magazine, Prospekte und natürlich die Online-Medien. Personalsuche ist auch ganz wesentlich und in Verbindung damit Dinge wie Arbeitsverträge, Handbücher und Betriebsanleitungen. In Klausuren bespreche ich mit meinem Team die kommende Saison. Ganz wichtig sind natürlich unsere Fortbildungen am Schnee und der Safety Check. Das ist ein Tag, an dem wir uns ausschließlich mit dem Thema Sicherheit beschäftigen. Vor dem Winter gibt es für mich also fast rund um die Uhr etwas zu tun.

Welche Aus- und Fortbildungen müssen Schneesportlehrer/innen in Tirol besuchen, damit sie unterrichten dürfen?
Die erste Fortbildung findet Anfang Dezember in der Axamer Lizum statt. Da gibt es dann die Skischulleiter-Fortbildung, die über zwei Tage geht. Nach einem Tag Theorie folgt ein Tag am Schnee, bei dem wir den Lehrplan und Sicherheitsfragen durchgehen. Auch die Skilehrer müssen alle drei Jahre eine zweitägige Fortbildung absolvieren, in Bezug auf die Sicherheit und auch in Bezug auf Skitechnik.

Im Sommer gibt’s doch auch eine Skilehrerausbildung, oder?
Wir haben auch Sommerkurse im Tiroler Skilehrerverband, vor allem für angehende Skilehrer. Das sind vor allem Studenten, die ihre Sommerferien nutzen, um am Hintertuxer Gletscher die zehntägige Skilehrer-Anwärterausbildung zu machen und im Winter dann nebenbei in den Tiroler Skischulen arbeiten.

Sind alle, die diese Aus- und Fortbildungen absolvieren, Tiroler?
Nein, das sind Europäer. Es sind sehr viele Tiroler dabei, aber wir haben auch viele internationale Mitarbeiter. In der heutigen Zeit brauchst Du internationale Mitarbeiter. In der Skischule Arlberg unterrichten wir zum Beispiel in 24 verschiedenen Sprachen. Vor allem für den Unterricht von Kindern ist das wichtig, denn ohne Grundkenntnisse in der Muttersprache des jeweiligen Kindes kann man es eigentlich nicht unterrichten.

Was ist Ihnen in der Ausbildung dieses Jahr besonders wichtig?
Sehr wichtig sind für mich die Wiedereinsteiger und das Skifahren lernen in drei Tagen. Carvingski, bessere Pisten und auch, dass die Leute heutzutage sehr sportlich sind – das alles hat in den letzten Jahren zu einer Revolutionierung des Skifahrens gerührt. Wir müssen Wege finden, um gerade für Anfänger die Lernzeit zu verkürzen. Und das gelingt uns bisher sehr gut.

Wenn ich als Anfänger nach Tirol komme, kann ich mir schwer vorstellen, dass ich wirklich innerhalb von drei Tagen Skifahren lerne. Wie funktioniert denn das?
Das geht relativ leicht, wenn ich Einzelunterricht gebe. Ein bisschen sportlich sollte die Person schon sein. Und dann kann ich gleich von Beginn an schauen, wie sich die Person mit Skischuhen und Ski bewegt. Wir nennen das „Gewöhnen ans Gerät“. Die Person lernt dann zwei wesentliche Elemente: Erst das Stoppen, denn jeder will irgendwann mal stehenbleiben, und dann die Kurve. Wenn die Person diese zwei Elemente beherrscht und in der Kurve die Ski parallel führen kann, ist schon viel getan. Mit Übungen wie zum Beispiel Schrägfahren und Schrägrutschen auf flachen Skipisten kann ich die Person dann unbewusst an das Ziel heranführen. Innerhalb von drei Tagen zieht sie dann die ersten Kurven in den Schnee und meistert problemlos ihre ersten Abfahrten bis ins Tal.

Vor ein paar Jahren sind immer mehr Skifahrer auf Carvingski oder Snowboards umgestiegen, jetzt sind Twin Tips und Ski mit Rocker das große Thema. Snowparks und Freeriden – wie bereiten Sie die Skilehrer auf solche Trends vor?
Ich werde natürlich nicht mit einem älteren Skilehrer in den Snowpark gehen. Das versteht sich von selbst. Snowpark und Halfpipe oder auch das Freeriden sind wesentliche Themen in unserer Schneesport-Lehrerausbildung. Das ist Lifestyle. Das ist mehr als nur Bewegung im Schnee. Und mir ist es wichtig, dass sich die Jugend auch im Winter bewegt. Dazu kommt auch, dass wir eine große Verantwortung haben, nämlich die Sicherheit. Freeriden ist cool und super, aber ich sage immer: Zuerst Köpfchen einschalten und dann Freeriden gehen.

Trifft man Sie eigentlich auch mal beim Freeriden oder im Snowpark?
Ich bin ein begeisterter Freerider und Tiefschneefahrer. Das freie Gelände ist wirklich mein Element. Auch die Erfahrungen, immer neue Dinge im Gelände zu machen, sind das, was ich liebe. Zu Snowparks kann ich nur folgendes sagen: In meiner Jugend bin ich einen Rückwärtssalto gestreckt über große Buckel gesprungen, und das mit mehr als zwei Meter langen Skiern. Meine Freunde und ich haben uns hohe Schneewächten ausgesucht. Und wenn sie sechs, sieben, acht Meter und noch höher waren – wir sind dort hinuntergesprungen. Wir waren wohl so etwas wie Vorreiter der Jugendlichen in den heutigen Snow Parks. Der Spaß, sich im freien Gelände zu spielen, war damals schon ein ganz wesentliches Element. Skifahren besteht nicht nur daraus, dass man von links nach rechts zwischen Stangen durchfährt, sondern Skifahren heißt bewegen im freien Skigelände, springen, hüpfen. All diese Elemente sind ganz wesentlich für einen kompletten Skifahrer.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Skisaison und genug Zeit, um einige Tiefschneeabfahrten zu genießen. Danke für das Gespräch.
Vielen Dank, ich hoffe, der Tiefschnee kommt bald.

Für die aktuelle Winterausgabe unseres Magazins „Mein Tirol“ haben wir mit Richard Walter auch über den perfekten Schwung beim Skifahren gesprochen. Das Magazin findet Ihr im gut sortierten Zeitschriftenhandel Eures Vertrauens.

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