Mit bunten Palmbuschen über den Kalvarienberg bei Imst. Die Buben tragen Palmlatten, die Mädchen Palmbuschen.

Wie ihr beim Eierpecken gewinnt und kein Palmesel werdet – Tirols eigenwillige Osterbräuche

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Was alles zu Ostern gehört: am Palmsonntag der Erste sein, der aufwacht, und darauf warten, wer der Letzte – und damit der „Palmesel“ – ist; für die Prozession eine Palmlatte in die Hand gedrückt bekommen, die mindestens zwei Meter hoch ist und die man mit seinen Kinderhänden nur unter Mühen und leicht schwankend tragen kann; vorne den hölzernen Christus auf Esel über die Feldwege dahinschaukeln sehen; geweihte Palmbretzeln knabbern. Fasten, ratschen, zur Kirche gehen. Ostereier bemalen, Ostereier verstecken (die aus Schokolade nicht vergessen), Ostereier suchen, Eierpecken, Ostereier essen…

Esther

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  – aber vor... Zum Autor

Auf-Bretzeln am Palmsonntag

Palmsonntag

Ein von Marika (@marmelis_dietirolerin) gepostetes Foto am

Die Mädchen tragen mit Bretzeln geschmückte Palmbuschen, die Burschen Palmlatten. Früher haben die Bauern in der Fastenzeit Bretzeln gegessen. Aus diesem Grund werden sie an den Palmbuschen angehängt. (Foto: )

Ihr seht schon, es kommt eine lange Liste zusammen, wenn man alle Osterbräuche in Tirol aufzählen will. Vielleicht liegt das daran, dass im Christentum in der Karwoche und zu Ostern zugleich an das traurigste – die Passion – und das freudigste Ereignis – die Auferstehung Christi – erinnert wird. Der Palmsonntag ist jedenfalls der Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um Ostern, an dem Tag gibt es in vielen Orten Prozessionen, zu denen die Kinder Buschen aus Ölzweigen und/oder Palmkätzchen mit bunten Bändern und Palmbretzeln aus süßem Germteig mittragen. In manchen Dörfern, wie in Thaur bei Innsbruck, wird an der Spitze der Prozession eine fast lebensgroße Christusfigur auf dem Esel mitgeführt, und die Buben tragen statt der Buschen lange geschmückte Stangen.

Foto: Imst Tourismus

In Imst stellen Burschen bis zu 35 Meter hohe Palmlatten auf. (Foto: Imst Tourismus)

Verzicht und Opulenz

Die Karwoche selbst sollte vom Fasten geprägt sein – dem Verzicht auf Fleisch, andere tierische Produkte und Alkohol – und von vielen Kirchgängen. In den Kirchen werden die Altäre als Zeichen der Trauer verhängt, aber die Tiroler haben eindeutig einen Hang zum Barocken und zum Ausschmücken und geben dem auch in der Karwoche nach. In Breitenwang, Lienz, Nauders oder Patsch werden zum Beispiel Heilige Gräber aufgebaut, bestehend aus Kulissen, bunten Lämpchen („Grabkugeln“), Vorhängen und Figuren. In anderen Orten sind die Tücher zum Verhängen des Altars („Fastentücher“) mit Szenen aus der Passion bemalt und wieder andere stellen Fastenkrippen auf, eine österliche Variante der Weihnachtskrippe. Besonders hübsch und auch noch bewegt ist die mechanische Krippe in Telfs-Moritzen, die in das Heilige Gab integriert ist.

Das Ostergrab in Patsch. (Foto: TVB Innsbruck, Gemeinde Patsch)

Das Ostergrab in Patsch. (Foto: TVB Innsbruck, Gemeinde Patsch)

Ratschen statt Glockenläuten

Foto: TVB Innsbruck, Patrick SaringerWenn ihr in der Karwoche schon einmal in Tirol wart, dann habt ihr vielleicht Kinder mit hölzernen „Ratschen“ gesehen und euch über den knarrenden Lärm dieser Instrumente gewundert. Sie ersetzen die Kirchenglocken, die während der feierlichen Messen am Gründonnerstag und Karfreitag nicht geläutet werden dürfen. Erst die Auferstehungsfeier am Karsamstag beendet diese verordnete Ruhepause, dann werden auch das Feuer, das Taufwasser und heilige Öle geweiht, die Fastentücher abgenommen und die Heiligen Gräber verhängt.
(Foto: TVB Innsbruck, Patrick Saringer)

Endlich wieder alles essen dürfen

Ostern am Bauernhof 6Vielleicht liegt es daran, dass in Tirol sehr gerne und gut gegessen wird, das Ende der Fastenzeit erwarten jedenfalls viele sehnlichst. Je nach Ortschaft darf am Abend des Karsamstages oder am Morgen des Ostersonntages endlich wieder alles gegessen werden, zum Beispiel Osterschinken und Ostereier. Letztere werden gefärbt oder bemalt und für die Kinder versteckt, wobei in heutigen Osternestern die Schokoladeneier und -hasen längst die Oberhand gewonnen haben.

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Eierpecken wie die Profis

Zum „Eierpecken“, bei dem im direkten Duell zwei Eier an der Spitze mit einem kurzen, festen Stoß aufeinandergeschlagen werden und ein kaputt gegangenes Ei dem Sieger übergeben werden muss, eignen sich aber nur hartgekochte Hühnereier. Und damit ihr, wenn ihr selbst einmal zum Eierpecken herausgefordert werdet, auch eine Chance habt, verrate ich euch die drei wichtigsten Grundregeln:

  1. Kleine Eier sind besser als große.
  2. Spitze Eier sind besser als runde.
  3. Auf die richtige Haltung kommt es an: Umfasst das Ei mit der Hand so, dass nur mehr die Spitze herausschaut.

Viel Erfolg und frohe Ostern in Tirol!

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