Tirolerisch für Anfänger

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Irgendwo habe ich mal gelesen, dass wir Tiroler ein hinterlistiges Bergvolk wären, das sich jodelnd verständigt. Nun ja, hinterlistig glaub ich nicht, vielleicht manchmal etwas stur, dafür umso liebenswerter, wenn man uns erst einmal kennt. Und auch wenn es für den einen oder andern nicht so klingen mag, unterhalten wir uns sehr wohl auf Deutsch miteinander, mehr oder weniger abgewandelt natürlich.

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

Wenn du zum ersten Mal nach Tirol kommst, ein paar dieser Tiroler Dialektwörter kennst und vielleicht sogar richtig aussprechen kannst, erleichtert das nicht nur die Kommunikation, sondern macht so manch stures Tiroler Herz butterweich. Die Unterschiede der verschiedenen Dialekte in den einzelnen Regionen und Tälern sind recht groß. Ich habe daher Wörter genommen, die in ganz Tirol verstanden werden.


BEGRÜSSUNG AUF TIROLERISCH

In Tirol ist man generell schnell per „du“.

Grias-di, Griaß-enk, Griaß-eich
= Grüße dich, Grüße euch
Pfiat-di, Pfiat-enk, Pfiat-eich = Auf Wiedersehen

Hier werden wir immer internationaler. Auch „Hallo“ und „Hi“ zur Begrüßung werden immer mehr verwendet. „Ciao“ und das im Stillen verpönte „Tschüss“ kommen häufig in städtischen Gebieten vor. In Geschäften und Restaurants wird man meist in der Höflichkeitsform angesprochen.

Grüß Gott = Guten Tag
Wiederschaugn = Auf Wiedersehen


WEGERKLÄRUNG AUF TIROLERISCH

Ich gebe zu, als Ungeübter erfordert das sicherlich einiges an Konzentration, um nicht die Orientierung zu verlieren, die man ja bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gefunden hat.

aui, auffi = hinauf
umi = hinüber
außi = hinaus
oi, ochi = hinunter
arschlings = rückwärts
grodaus = gerade aus
entn = drüben
Bichl = Hügel. Kann für einen Flachländer bereits so hoch wie ein Berg aussehen, deshalb manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar, welchen Weg man nun nehmen soll. Denn Berge sind ja praktisch überall.

 

KULINARIK AUF TIROLERISCH

Obwohl schon lange internationale Speisen fast überall in Tirol angeboten werden, sollte man die Tiroler Hausmannskost einmal probiert haben.

Kaasspatzln = typisch, kleine Teigklösschen mit würzigem Käse und gerösteten Zwiebeln
Greaschtl, Gröstl = ebenfalls typisch, geröstete Kartoffel mit Zwiebel und Selchfleischstücken
Kaaspressknedl = sehr lecker, zusammengepresste Brotklöße mit Zwiebel und Käse, in der Pfanne kurz abgebraten, in kräftiger Fleischsuppe oder mit Sauerkraut serviert
Fleischkaas = Leberkäse
Graukaas = magerer Rohkäse, der entweder topfig oder speckig ist – obwohl eine echte Spezialität, nicht jedermanns Sache! Man liebt ihn oder mag ihn gar nicht.
Schwammerlen = Pilze, meist sind Pfifferlinge damit gemeint, sogenannte „Eierschwammerln“
Muas = Brei
Goggelen = Eier
Weggn = Brot
Oranschn = Apfelsine
Melanzani = Auberginen
Marilln = Aprikosen
Verlängata = nichts Unmoralisches, sondern nur eine Tasse Kaffee, dem Filterkaffee ähnlich
Zol’n bitte! = Die Rechnung bitte!
Hots gschmeckt? = War das Essen zur Zufriedenheit?
Mogsch a Schnapsal? = Gemeint ist ein echter „Selberbrennta“, ein selbstgebrannter Schnaps höchster Güte. Meistens jedenfalls. Dieses freundliche Angebot sollte man annehmen. Extrem völkerverbindend.
botzn = kleckern, Botzerei = Kleckerei am Tisch

 

FLIRTEN UND FEIERN AUF TIROLERISCH…

Besonders bei volkstümlichen Tanz-Festen, sogenannten Zeltfesten, gut zu wissen.
Denn hier wird höchst selten Hochdeutsch gesprochen.
Eigentlich nie.

Fesches Madl, Diandl = hübsche Frau, hübsches Mädchen
Fescher Bua = schöner Mann
Wia hoaschn du? = Verrätst du mir deinen Namen?
Mogsch wos trinkn? = Was darf ich dir zu Trinken bestellen?
Woher kimmschn du? = Du bist nicht von hier?
Mogsch di herhockn? = Bei mir ist noch ein Platz frei.
Du gfolsch ma! = Du gefällst mir.
I mog di. = Ich mag dich.
A Hetz machen = Spaß haben
hetzig = lustig
losnen = zuhören
trotschn = quatschen
terisch = schwerhörig. Beispiel: „I wear terisch“ – Ich verstehe kein Wort (kommt vor, wenn die (Blas-)Musik die Unterhaltung übertönt)
tamisch sein = durch den Wind sein, auch für „schwindlig“ (kann bei heftigen Umdrehungen beim Tiroler Polka-Tanzen vorkommen)
rauschig sein = leicht alkoholisiert sein, mit einem Damenschwips vergleichbar
Weiss-Sauer, Rot-Sauer = Weissweinschorle, Rotweinschorle
Kracherl = dem „Almdudler“ ähnlich, beides ist süße, alkoholfreie Kräuterlimonade
Zschigg = Zigaretten (Achtung: In vielen Tiroler Lokalen ist Rauchverbot, auch bei den Zeltfesten im Innenbereich)

Warnung! Fallen folgende Wörter bei ernstem Gesicht, dann war man(n) vielleicht etwas zu stürmisch beim Flirten und sollte lieber das Weite suchen: „Watschn“ oder „Fotzn“ sind Ausdrücke für „Ohrfeige“. „I schmier da oane“ ist ebenfalls als indiskutable Ablehnung zu verstehen und hat absolut nichts mit dem Bestreichen eines Butterbrotes zu tun… Zum Glück sind die Tiroler Madln generell freundlich, gesellig und wenn man sich normal benimmt, hat man nichts zu befürchten.


KLEINE UNPÄSSLICHKEITEN AUF TIROLERISCH…

Für die kleinen Notfälle ist es besonders wichtig, wenn man sofort weiß, um was es geht.
Keine Angst, das funktioniert selbstverständlich auch auf hochdeutsch.
Trotzdem vielleicht interessant, wie wir Einheimischen so manches betiteln.

Dokta = Arzt
Apoteggn = Apotheke
Binggl = Beule
Buggl = Rücken
Wea = Schmerzen
Mir isch letz = ich verspüre Übelkeit
Speiberei = äußerst unangenehme Magengrippe
Haxn = Beine
Zeachn = Zehen
Goschn = Gesicht
Zennt = Zähne
Gnagg = Nacken
magiern = eine Krankheit vortäuschen
Heisl = Toilette, keine Tiroler Hütte!
Plumpsklo = Der Vorgänger vom Heisl. Das heißt, ohne Wasserspülung. Meist mit dekorativen ausgeschnittenem Herz an der Holztür. Gibt es kaum mehr, höchstens bei einigen alten Berghütten.
gschleinen = beeilen (vielleicht in Zusammenhang mit dem „Heisl“ interessant)

 

NATURERLEBNIS AUF TIROLERISCH…

Unterwegs in der Natur können einem diese Begriffe immer wieder unterkommen.

Tschurtschn = (Tannen)Zapfen
Viecher = Tiere
Murmele = Murmeltier
Goas = Ziege
Anten = Enten
Baam
= Baum
Oachkatzlschwoaf = Schweif des Eichhorns (Beliebter Test, um nicht zu sagen Spiel, von uns Einheimischen. Wer als Nicht-Tiroler dieses Wort akzent- und fehlerfrei aussprechen kann, dem ist unsere tiefste Anerkennung gewiss.)

 

ANDERE TYPISCHE WÖRTER UND SÄTZE…

Immer gut zu wissen, um Verständis-Problemen vorzubeugen.

„Isch des bärig!“ = Hat weder etwas mit Bären noch mit Beeren zu tun. Es ist ein Ausdruck der Begeisterung, international bekannt durch den Tiroler Schlagerstar und Hausfrauenliebling Hansi Hinterseer  und bedeutet „Das ist ja toll!“. Es haben sich auch schon fremde Wörter wie „geil“ und „cool“ etabliert, die Tiroler Jugend verstärkt diese Ausdrücke oft noch mit „volle“, z.B. „volle cool“
„Mei schian!“ = Wie schön ist das denn!
„Na schiach!“ = Ausruf, wenn etwas als besonders hässlich oder grausig wahrgenommen wird. Auch „zach“ für „arg“
ge! = „Das glaub ich nicht“ Steigerungsform, mit bedauernder Betonung: „ma ge hey!“
ge? = am Ende einer Behauptung und bedeutet: „stimmt’s?“
ha? = „wie bitte, hab dich nicht verstanden“?
a = auch
amol = einmal,
decht, dechtasch = doch
eh = sowieso, ja sicher
epper = jemand
es = ihr
lei = nur
woll = doch
nimma = nicht mehr
nocha, nochand = später, nachher
olm = immer, stets
ondersch = anders

Ich wünsche euch viel Spaß beim Üben :-)
Lernen kann es übrigens (fast) jeder, wie dieses Video beweist:

20 Kommentare

  • Marco
    Christina, das ist wieder mal ein sehr schöner Artikel. Es hat mit viel Freude gemacht, ihn zu lesen, und zu dem konnte ich in wunderbaren Erinnerungen schwelgen. Danke.
    • Christina
      Lieber Christian, ein "Weggn" ist bei uns daheim (Zirl) ein Wecken Brot, also ein längliches Ding. Ein Laib Brot ist ein "Loab". Aber das ist regional oft so verschieden und kann natürlich woanders anders sein ... Lieber Frank, danke für die Osttiroler Worte, die fehlen hier, das stimmt! Und Hannes - "Hurner" kenn ich gar nicht, echt lustig... Vielen Dank an alle für eure Kommentare, es freut mich sehr, so positive Rückmeldungen zu bekommen!!! Pfiat enkkk :-) Christina
  • Christian
    Hallo Christina, I wui nit gscheit daherredn awa a Weggn is eigentlich a Leib in Deutsch oder ein Leib Brot. Richtig? Egal wie, es macht viel Spass auf deinem Blog vorbeizuschauen Tiroler Gruss von aus Kanada Christian
  • Mariana Braga
    Wunderbar Artikel! Letztes Semester habe ich ein bisschen gelernt, aber nicht genug. Ich vermisse Innsbruck und Tirolerisch ;-) Danke sehr!
  • frank
    Wos mia ban Blog o get isch is oschttirolarische!! Hoamatle schnüa obfoll eabiagn ridach und vieles mea... Gruß Frank
  • Hannes
    Hallo, echt bäriger Beitrag ;) Hat no a poor Wörter aus mei Gegend, wos ma schnell eingfallen sein: - woadl, z.b. wort woadl (warte kurz, einen Augenblick) - Hurner (Nacktschnecke) - Pass au, dass nit kugelsch/dass di nit zerleg (Pass auf, dass du nicht hinfällst) - Eadepfl (Kartoffel) - brunzn oder fetzen (urinieren) - aus dem Unterland: zedai (Zettel, kleineres Blatt Papier)
  • gwei
    Und wo isch des heil? Des isch griassn und vaobschiedn zgleich...Ned dass de moana mia sein a weng rechts...Owa des heil kead zu ins wias amen nochn bettn.
    • Christina
      ... ja da hosch recht, des "heil" keat a dazua :-)
  • Tyroleanabroad.com
    Hi Christina, dieser Artikel ist wirklich lustig. Ich habe mich sehr amüsiert. Gut gemacht!.
    • Christina
      Das freut mich sehr, vielen Dank :-)
  • Rudolf Mair
    Christina, deine Worte bringt meine Jugend zurück . Zwei weiter Ausdrücke kommen zur Erinnerung, ( oba doba / unta dunta ). Alles Gute.
  • Maria
    a Zinizl = ein Streichholz.
  • Bettina
    Liebe Christina, was für ein gelungener Beitrag, wir versuchen unseren Gästen auch immer wieder mit Dialektwörtern tirolerisch näher zu bringen......... :-)
  • Max Brinkmann
    Wirklich wieder ein toller Artikel, freue mich nun nochmehr auf meinen Urlaub im Wellnesshotel Ridnaun :) Liebe Grüße Max www.gassenhof.com
  • Irene
    Griaß-enk! Bin auf der Suche nach der Herkunft von "kan Stern hobn zum ..." (etwas nicht tun wollen) und würde mich über Hinweise dazu sehr freuen.
  • Lupi
    Hallo, eine Ehre für mich, dass du dich mit meiner Sprache beschäftigst. Außer beim "Epper" kann ich bei allen Übersetzungen zustimmen. Es kann natürlich sein, dass es irgendwo in Tirol "jemand" heißt, bei uns im Eisacktal versteht man darunter "etwa, vielleicht oder wahrscheinlich". Beispiel: Haint werts woll epper no reignen. Heute wird es wohl etwa noch regnen. Grüße aus Südtirol
  • Dieter A.
    Grias eich, a super Seitn. Do is mia a no eppas eingfolln aus meina Kindheit in Schwaz: Paradeisa = Tomaten. Fisolen = Bohnen. Plafond = Decke. Pfoad = Hemd
  • BastianBalthasarBux
    Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass es für manche Wörter Doppel- oder Mehrfachbedeutungen gibt: Tschurtschn: wenig umgängliches und/oder nicht besonders hübsches Diandl Goas: ähnlich wie oben, nur älter Schaafl: naiver Mensch Die Mehrfachbedeutung von eppar (eppar gor = "tatsächlich?" -> ähnlich wie 'wahrscheinlich' verwendet, man ist sich aber nicht ganz sicher) wurde ja bereits erwähnt.
  • nati
    und wo is da untalandla dialekt, es meiste is da insbrucker/oberländer dialekt..
  • sylvie
    was heißt Rattler, ich hab es ein paar Mal schon gehört in Tirol