Kabinett der Wunder. Die Swarovski Kristallwelten.

Aktualisiert am 20.11.2017KristinaKristina
Foto: Swarovski Kristallwelten

Das Who-is-Who der Kunstschaffenden dieser Welt hat daran gearbeitet, die Sterne vom Himmel zu holen, dem glitzernden Universum ein Antlitz zu geben. Und wer hätte das gedacht: Der Ausgangspunkt für diese Reise in eine weit, weit entfernte Galaxie befindet sich nicht etwa in einer der Weltmetropolen wie New York oder Tokio, sondern in einem kleinen Ort inmitten der Tiroler Alpen.

Wattens mutet auf den ersten Blick nicht gerade wie eine Weltraumbasis an, aber spätestens beim Anblick des grasbewachsenen Riesen mit fast wach erscheinenden, glitzernden Augen und einem breiten Wasserfall, der sich aus seinem Mund ergießt, weiß man, dass man sich hier wohl in einer Wunderwelt befindet.

Anfangszauber.

Herman Hesse meinte einst so schön: „Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“. So oder so ähnlich sah das 1995 auch Multimediakünstler Andre Heller, der der Firma Swarovski zu ihrem hundertjährigen Bestehen ein Denkmal in Form der Swarovski Kristallwelten setzte. Der botanische Kopf des Riesen diente ihm dabei als formvollendete Ummantelung der „Welt der Wunder“: Wunderkammern, die von internationalen Designern, Aktionskünstlern und Architekten zu ihren eigenen Interpretationen von Kristallen eingerichtet wurden. Der künstlerischen Freiheit werden in den Kristallwelten keine Grenzen gesetzt. Ähnlich wie das Facettenreichtum und Farbenspektrum eines Kristalls sind auch die Wunderwelten rund um ihn herum konzipiert – so vielversprechend, wie das Funkeln der Milchstraße in einer sternenklaren Nacht.

Neue Galaxien.

Auch infant fragile Alexander McQueen tobte sich mit Swarovski-Kristallen an dem Baum „Silent Light“ aus. Foto: Swarovski Kristallwelten

Auch enfant fragile Alexander McQueen tobte sich mit Swarovski-Kristallen an dem Baum „Silent Light“ aus. Foto: Swarovski Kristallwelten

Swarovski wäre aber kein global agierendes Unternehmen, wenn es sich nicht ständig neu erfinden würde: Gemäß dem Credo „alles fließt“ flossen im letzten Jahr mehrere Millionen Euro in den Umbau und die Neugestaltung der Kristallwelten. Für die neuen Wunderkammern im Inneren des Riesen holte man unter anderem den niederländischen Designer Tord Boontje an Bord, der genauso wie die südkoreanische Bildhauerin Lee Bul bereits einiges für Swarovski entwarf. Darunter ist auch der Kristallbaum „Silent Light“ zu finden, den Boontje mit dem mittlerweile verstorbenen, britischen enfant fragile Alexander McQueen entwarf. Dieser Kristallbaum ist nun drauf und dran, dem Goldenen Dachl den Rang als meistfotografiertes Objekt Tirols abzulaufen. Aber auch sonst haben die neuen Kammern einiges zu bieten: funkelnde Farbexperimente, abstrakte Spielereien, changierende Spiegellandschaften, in welche man sich durch räumliche Illusionen vorwagt und andernorts Kristalle vorfindet, die wie fremdartige exotische Vögel, Reptilien oder Blüten in einem Wald erscheinen.

Der Garten Eden mal anders: Das britische Avantgarde-Duo Fredrikson Stellrad schuf einen Zauberwald. Foto: Swarovski Kristallwelten

Der Garten Eden mal anders: Das britische Avantgarde-Duo Fredrikson Stellrad schuf einen Zauberwald. Foto: Swarovski Kristallwelten

Apropos Wald: Besonders gefällt die Wunderkammer „Eden“. Wieso? Das britische Avantgarde-Duo Fredrikson Stallard rührt mit ihrer Wunderkammer die Urinstinkte der Menschen. Eine archaische, dunkel-glitzernde Waldlandschaft, die rauschende Projektion eines immerwährenden Wasserfalls und immer wieder kristallene Figuren, deren abstrakte Formen es dem Betrachter überlassen, was man in ihnen sieht. Das macht die eigentliche Faszination aus: Der Besucher von Eden findet sich in seinem eigenen Träumen und Vorstellungen wieder.

Sternenwolke.

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Kristallene Galaxien im Kontrast von Hell und Dunkel, Tag und Nacht. Foto: Swarvoski Kristallwelten

Herzstück des auf die doppelte Größe angewachsenen Gartens ist eine übergroße Kristallwolke von Andy Cao und Xavier Perrot, die aus 800.000 handgesetzten Kristallen konstruiert wurde und fragil-glitzernd über einem dunklen Spiegelwasser schwebt. Das faszinierende an dieser 1.400 Quadratmeter großen Installation ist: Die Wolken im Gegenspiel zum Obsidian-schwarzen Wasser symbolisieren Tag und Nacht, vielleicht auch ein bisschen das Diesseits und Jenseits. Auch hier wird dem Betrachter überlassen, zu sehen, was er sehen will. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Zurück auf der Erde.

Das Spannende und wirklich Einzigartige an den neu gestalteten Swarovski Kristallwelten ist die schiere Grenzenlosigkeit an Abstraktion eines – nun ja – Kristalls. Die Kristallwelten mit ihrem Riesen, den Wunderkammern und der Kunst im Garten schaffen eine Welt, die für jeden Besucher eine andere Form annehmen kann. Weniger plastisch: Die Künstler, die zusammen die Kristallwelten neu erfinden, stellen im MOMA in New York aus, im Victoria&Albert Museum in London oder im Mori Art Museum in Tokio. Die Chance, die Werke der Haute-Volée internationaler Kunstschaffender an einem kleinen Ort inmitten der Berge zu sehen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Swarovski Kristallwelten

Öffnungszeiten:

Täglich 9:00 – 18:30 Uhr
letzter Einlass 17:30 Uhr

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika. Immer wieder hat es die studierte Geografin aber zurück in die Heimat gezogen – bis sie schließlich in Tirol ihr Zuhause gefunden hat und nun auf ihrem Blog „G’spür“ mit viel Begeisterung schreibt, was sie hier sieht, fühlt und schmeckt.

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