Tirolerisch für Anfänger – Lieblingswörter

Aktualisiert am 11.12.2017ChristinaChristina

Da unser Dialekt so schön und allerorts sehr beliebt ist, möchte ich euch hier eine Auswahl besonderer Lieblingswörter aus dem Tirolerischen, die mir Leser meines Blogs „Tirolerisch für Anfänger„, aber auch Freunde und Bekannte aus ganz Tirol verraten haben, nicht vorenthalten. Die Bedeutung ist dabei nicht so wichtig, auch nicht ihre genaue regionale Herkunft – sie sind einfach nur lustig auszusprechen.
Donkschian und a Hetz beim Lesn :-)

Bapnschlossa
Zillertalerisch für Zahnarzt, „Bapn“ der Mund. „Schlossa“ der Schlosser.

bearig
Nicht erst seit Hansi Hinterseers Popularität beliebter Ausdruck für „toll“, „lässig“, „schön“. Hat nichts mit Bären zu tun. Habe jedenfalls keinen Hinweis darauf gefunden.

Bissgurn
Böse Frau, immer und überall. Ein Wesenszug sozusagen.

Derwischaletz, Fangalex
Beliebtes Fangenspiel der Kinder, ohne viel Aufwand und eigentlich überall machbar. In Einkaufszentren bringen gelangweilte Kinder ihre Mütter damit dazu, den Einkauf abzubrechen.

Dschugglad
Schokolade. Nicht nur Speck und Käse sind in Tirol beliebt. Nein, auch süß sind sie, die Tiroler.

Dozn
Zu klein geratener Mensch. Auch „Greggiler“ .

Fackalar
Das ist nicht nur ein Mensch, der unschön anzusehen ist, weil er äußerst ungepflegt ist. Ein Mensch mit dieser Bezeichnung erzählt auch gerne schmutzige Witze, die so weit unter der Gürtellinie zu Hause sind, dass sie nur Ekel anstatt Gelächter ernten.

Fetzn
Die schlechteste Note in der Schule. Oder ein anständiger Alkoholrausch (in Ötztal auch „Dullar“ genannt)

Fotzhobl
Anderes Wort für Mundharmonika, wörtlich übersetzt mit „Gesichtshobel“.

gneatig, oalig
Wer es gneatig hat, hat es eilig. Und ist nur noch oalig (eilig) unterwegs. Etwas stressig.

gschdirscht
Universalwort der Tiroler Unterländer für alles, was schön ist. Ein „Diandl“, eine (junge) Frau, ist eigentlich immer „gschdirscht“. Genauso wie Kinder, Tierbabys usw.

gfierig
Sagt der Tiroler immer dann, wenn etwas leicht von der Hand geht. Praktisch wie von selbst.

Hardigatti!
Ausruf der Ungeduld, wenn etwas überhaupt nicht gelingen will. Auch „Harrgottzeitn

Kearlecka
Kann schon mal auftreten – vorwiegend nach heißen Küssen (mit Fremden) oder weitaus weniger romantisch – wenn man sich vor etwas ziemlich ekelt: Die Fieberblase.

Kuchakaschtla
Was wie mexikanisches Ungeziefer klingt, ist ganz einfach das Oberländer Wort für „Küchenkasten“ Die „Kredenz“ (Stubaital) ist eine Kombination aus Küchenkasten und Regal.

Kuselen, Notsch, Fok, Foknstoll
Kühe, Ferkel, Sau, Schweinestall. Ganz simpel.

Loamsieder
Man hüte sich vor solchen Zeitgenossen. Die sind sowas von langsam und langweilig. Gähn!

Lota, Weibetz
Sollte man wissen, denn es könnte auf WC-Türen in traditionsbewussten Almhütten stehen. Bezeichnungen für Mann und Frau.

Lugntschippl
Person, der man einfach nicht glauben kann, weil sie immer und überall die Unwahrheit spricht. Zumindest geht man von vorhinein davon aus, weil sie schon mehrmals der Lüge überführt wurde. Oder ihre Geschichten einfach unglaubhaft klingen.

Oachkatzlschwoaf
Diese Bezeichnung für den Schweif eines Eichhörnchens ist international bekannt, weil dieses Wort immer wieder als inoffizieller Aussprachetest für Touristen genützt wird.

pfladern, pfosn
Etwas entwenden, das einem nicht gehört. Einfach ausgedrückt: stehlen

potschad
Wort für „ungeschickt“. Ein „Potschgoggl“ ist ein potschader Mensch, also ein Elefant im Porzellanladen. Hat aber nichts mit der Körperfülle zu tun.

Purzigagele
„Die Buabelen, die Madelen, die machen Purzigagelen…“ Bekannt aus einem Tiroler Kinderlied. Ein Purzigagele ist eine Vorwärtsrolle mit dem ganzen Körper. Kommt von „purzeln“ = fallen, rollen. Aufgrund der notwendigen Gelenkigkeit und den benötigten Übermutes vorwiegend von Kindern gemacht.

Radlbeg, Radlbeck
Bezeichnung für Scheibtruhe, ein Gefährt mit einem Rad in der Mitte, das mit Muskelkraft bewegt wird, nützlich für den Transport von Schutt, Erde etc. Sehr praktisch beim Hausbau oder für die Gartenarbeit.

Rotzbremsen
Nicht sehr appetitliches Wort für den „Schnauzer“, einen Oberlippenbart. Ich ahne, warum es ihn früher öfters gegeben hat. Bei Schnupfen ersparte man sich so wohl das damals mühsame Waschen von Stofftaschentüchern. Ähm. Entschuldigung. Wer sich bis jetzt noch die 80er-US-Serie „Magnum“ angesehen hat, wird es jetzt wohl endgültig lassen.

Schnaggler
Schluckauf

Scharmiezl
Papiertüte. Umweltfreundlich, da aus Papier, zum Unterschied zum „Sackl“, eine Tüte. diese kann genauso gut aus Plastik sein. Es lebe der Scharmiezl!

schmattig
Wer schmattig ist, hat ohne Zweifel Geld. Viel Geld. Und diese Tatsache zieht gleich Spekulationen mit sich, wie das Geld verdient wurde. Führt im Kommentar daher leicht zum Ausruf „zach“ (Siehe weiter unten)

Schmotzgoggl
Äußerst liebevoller Ausdruck für ein zauberhaftes Mädchen. Dieser Ausdruck hat die Wurzeln im Tiroler Brixental.

Sektnschlägl
Wer als „Sektnschlägl“ bezeichnet wird, ist ein unfreundlicher Mensch, der mit sich selbst und der Welt unzufrieden ist. „Mulat“ und „sektisch“ bezeichnen das gleiche als Eigenschaftswörter.

Springgingerl
Liebevoll für ein lebhaftes Kind, das praktisch nicht stillsitzen kann, sondern am liebsten ständig herumspringt.

strawanzen
Viel unterwegs sein, ohne bestimmtes Ziel. Auch „lanschn

tschelwenggat
Was so bezeichnet wird, ist schief. Und zwar ziemlich. Richtig windschief. Verzogen.

wompat
Bezeichnet den Zustand vorwiegend männlicher Mitmenschen, die meist aufgrund überhöhten Bierkonsums einen beträchtlichen Bauchansatz bekommen haben. Ein solcher Bauchumfang wird auch gern als „Ponzn“ bezeichnet, was wörtlich übersetzt „Fass“ bedeutet.

zach
Nicht nur „zäh“ im eigentlichen Sinn, sondern immer dann in Anwendung, wenn der Tiroler  beim „Tratschen“ (auch „Fratscheln“) die tragische Aussagekraft von Sensationsneuigkeiten verstärken will. Sehr beliebt und oft eingesetzt.

zizzalalweis
in kleinen Stücken, langsam voranschreitend.

Zoggla
Jemand, der nicht darauf achtet, ob seine Garderobe sitzt und deshalb oft „schlampert“ (schlampig) daher kommt. Ein Zoggla eben.

Zornpingl
Jähzorniger Geselle, mit dem im Allgemeinen nicht gut Kirschen essen ist. Und schon gar nicht Pferde stehlen.

;-)

 

 

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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14 Kommentare

Marco

Super :-)
"bärig" (die sächsische Weise) hatten wir neben "urst" und "welt" schon in den frühen Achtzigern als Ausdruck großer Begeisterung- hört sich heute seltsam an...

Christina

Marco, es stimmt, "bäring" klingt inzwischen etwas altbacken, außerdem muss ich da zwangsweise an Hansi Hinterseer denken ;-)
Lieben Gruß!

Doris Wagner

Vielen Dank!!! Lebe seit 30 Jahren in Kanada und habe ALLE worte verstanden und ihre bedeutung gewusst. Total putzig! :)

Christina

Wie schön! An schianen Gruaß noch Kanada :-)

Esther

Super Auswahl Christina! Statt tschelwenggat sagt man bei uns tschenggwenggalatt. Vielleicht nimmst du auch die Worte gleim und fein auf. Fein wird in Deutschland ja komplett anders verwendet als bei uns. Und je gleimer desto feiner kann man auf Hütten oder beim Après Ski sicher gut gebrauchen.

Christina

Danke dir! Du hast recht, die beiden Wörter sind eigentlich unverzichtbar... :-)

tiroler

Was natürlich fehlt ist der "Letzte". Ausdruck für a kloanes Kind/ Baby. ;-)

Esther

Hallo Tiroler,

Frage: meinst du das Letzte oder das Letze? Also bei uns sagt man das Letze zu einem kleinen Kind, nicht das Letzte... Hast du dich verschrieben oder gibt's da echt zwei unterschiedliche Ausdrücke?

Christina

Jaaaa... stimmt! Die "Letze" und der "Letzte" gehören eindeutig zu den Top-Wörtern... :-)

Barbara

Eigentlich kenn i nur der "Letze" und die "Letze". Wo sog ma der "Letzte"?

Natalie

Komm' urspruenglich vom Achensee, leb' seit 15 Jahren in Oregon, USA; hun a Riesengaudi, viele baerige Ausdruecke wieda z' hearn und z'lesn; danke fia di lacha: -)

Christina

Gern geschehen :-)
Schiane Griaß noch Amerika!

Anja

Danke, i hu a fost olle Ausrück no gwisst. Leb seit 17 Jahr in Deitschlond in Nordrhein-Westfalen, muass oba jeds Johr in Urlaub noch Tirol. Danke fia'd schean Sochn. Jetzt tuats mi schon wieda hoamalen... :-(

Michael

Der Tiroler Dialekt beschäftigt auch Sprachwissenschaftler an der Uni Innsbruck, siehe hier: http://derstandard.at/2000022624844/Dialektforschung-Wiederkauen-auf-Tirolerisch

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