Vom Leben im Tal: das Stubaital

Aktualisiert am 16.07.2020IreneIrene

Wo hohe Berge sind, da sind auch tiefe Täler. Das Antlitz des Landes ist von markanten Furchen durchzogen. In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen. Dieses Mal an der Reihe: das Stubaital.

Der Dialekt der Bewohner von Fulpmes im Stubaital ist für andere Tiroler mit einer Liebe zu exotischen Sprachvarianten ein nie versiegender Quell der Freude. Dieses chronikale Ereignis, zum Beispiel, würde so nicht in der Lokalzeitung stehen, es zeigt aber anschaulich, worum es geht: „A Fulpmerer Rennradlfahrer isch in Berg auigetretn und oigebrettert. Und unten hat er vergessn zu bremsn.“ (zu Deutsch: Ein Fulpmer Radrennfahrer ist den Berg hinaufgefahren und hinuntergesaust. Und unten hat er vergessen, zu bremsen.) Das bestechend Schöne daran ist nicht etwa der inhaltliche Aspekt eines schlimmen Freizeitunfalls, sondern dass darin sehr, sehr viele „r“ enthalten sind. Und einen echten Fulpmer erkennt man daran, dass er seine „r“ rollt, wie es sonst nur die US-Amerikaner tun. Wenn sie ihre Muttersprache sprechen, wohlgemerkt.

Neustift im Stubaitail

Das Stubaital, meistens einfach Stubai genannt, zweigt bei Schönberg vom Wipptal ab und bietet nicht nur eine ausgesprochen schöne Landschaft und spektakuläre Sommer- und Wintersportmöglichkeiten, sondern auch eine weltweit erfolgreiche metallverarbeitende Industrie, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen.

Stubaier Gletscher

Zur Dachmarke „Stubai Werkzeuge“, einer Genossenschaft, gehören heute mehr als 20 Betriebe im ganzen Tal, die ihre Produkte von der Maurerkelle über Seitenschneider bis zu Zulieferteilen für den Bergbau in rund 60 Länder exportieren. Gefertigt werden die Teile von hochqualifizierten Facharbeitern ausschließlich in Tirol, insgesamt arbeiten rund 500 Menschen für Stubai.

Skilehrer und Bergführer werden freilich auch gebraucht: Der Blick auf den vergletscherten Talschluss lockt schon von Schönberg aus. Und auf der Serles, dem 2.717 Meter hohen „Hochaltar Tirols“, muss man auch einmal gewesen sein. Einheimischentipp: am besten bei Sonnenaufgang.

Sonnenaufgangstour Serles

Sonnenaufgangstour auf die Serles: Spätestens wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zaghaft auf den umliegenden Berggipfeln blicken lassen, ist klar, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Vom Leben im Tal: So viel Leben auf so wenig Raum
Irene

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am BlogTirol scharfsinnig und mit dem ihr typischen Augenzwinkern über Tirol, die Tiroler und deren kuriose Eigenheiten.

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1 Kommentar

egal

Fast alles richtig ; -) aber wir sind keine FulpmerER sondern Fulpmer :-)

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