Vom Leben im Tal: das Zillertal

Aktualisiert am 20.07.2020IreneIrene

Wo hohe Berge sind, da sind auch tiefe Täler. Das Antlitz des Landes ist von markanten Furchen durchzogen. In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen. Dieses Mal an der Reihe: Das Zillertal.

Wer hat, der tut. Und gewisse Unterschiede zwischen Gleichen und noch Gleicheren lassen sich nicht nur nicht verbergen, sondern werden bei Bedarf sogar stolz betont. So kommt es, dass die Türme der – wie überall in Tirol zahlreich vorhandenen – katholischen Gotteshäuser westlich des Flusses Ziller vorwiegend in Ziegelrot gedeckt sind, während östlich das Grünspanige von Kupfer dominiert. Für das kleine Land Tirol sind nämlich gleich zwei Bistümer zuständig und mitten im Zillertal verläuft die Grenze: Alle Gemeinden östlich des Flusses gehören seit jeher zur reichen Erzdiözese Salzburg, die mit Kupfer prunken konnte, während für das Seelenheil aller westlich davon beheimateten Tiroler Katholiken der Bischof der ärmeren Diözese Innsbruck zuständig ist. Diese musste traditionell billigere Dachziegel verbauen.

Westlich des Zillers, wie hier in Prankrazberg sind die Kirchtürme zumeist mit roten Ziegeln bedeckt.

Dass das Zillertal heute insgesamt eine ärmliche Gegend wäre, kann man allerdings beim schlechtesten Willen nicht behaupten. In dem weiten, ziemlich flachen Tal, das bei Jenbach in südlicher Richtung vom Inntal abzweigt, lebt ein Menschenschlag, der sich darauf versteht, jeweils das Beste aus einer Situation zu machen. Es lässt sich herrlich Skifahren, Bergsteigen und Wandern im Zillertal, es ist ein guter Platz zum Leben und zum Urlaub machen.

Die Wedelhütte bei Kaltenbach ist ein tolles Ziel einer kulinarischen Wanderung.

Der Erfindungsreichtum der Zillertaler hat aber auch eine historische Dimension. Noch im 19. Jahrhundert sahen sich viele der Bauern gezwungen, in den Wintermonaten mit Lederwaren und ähnlichem durch Europa zu ziehen, um das damals schier lebensbedrohlich karge Familieneinkommen aufzubessern. Irgendwann stellten sie fest, dass sich ihr Exotentum in den urbanen Zentren und an den Fürstenhöfen noch besser verkaufen ließ, wenn sie es mit alpenländischer Musik garnierten. Das einst buchstäblich weltberühmte Zillertaler Nationalsängertum war geboren und sorgte unter anderem für den unsterblichen Rum des Liedes „Stille Nacht“. Bis heute gilt im volkstümlichen Schlager alles, was das Prädikat „Zillertal“ trägt, als Garant für kreuzfidele alpenländische Musikalität.

Originalstich der Ur-Rainer Sänger

Stille Nacht, Heilige Nacht: Am Weihnachtstag 1839 sang die Zillertaler Sängergemeinschaft Rainer das wohl bekannteste aller Weihnachtslieder vor der Trinity Church in New York. Foto: Heimatmuseum Fügen

 

In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich diesen Sommer verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen.

Vom Leben im Tal: So viel Leben auf so wenig Raum
Irene

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am BlogTirol scharfsinnig und mit dem ihr typischen Augenzwinkern über Tirol, die Tiroler und deren kuriose Eigenheiten.

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1 Kommentar

Cenzia Paulussen

Des Zillachtol, isch mei Huamat,hu 35 Jahre in Deutschland, glebt oba des ischt kann Vergleich

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