Einige besondere Edelbrände – Schnaps aus Tirol

Aktualisiert am 14.11.2017EckardEckard
Krautingerverkostung des Krautinger des Jahres, (c) Wildschönau Tourismus

Im Herbst laufen die Vorbereitungen für das Schnapsbrennen auf Hochtouren. Die Früchte und Rüben werden für das Brennen vorbereitet und dann kann es im Winter losgehen. Schnaps ist laut Christoph Kössler, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Tiroler Brenner, übrigens ein „Unwort“ das es man vermeiden sollte. Viel besser passt für die feinen Destillate „Edelbrand“. Und noch eine strenge Regel gibt es zu beachten: Wenn man in Tirol als Besucher ein „Schnapserl“ angeboten bekommt, gilt es als unhöflich, dieses Symbol der Gastfreundschaft abzulehnen. Also dann Prost!

Hier eine Aufzählung von einigen bekannten Tiroler Spezialitäten:

1. Meisterwurz
Meisterwurz-Schnaps wird bereits seit Jahrhunderten in Tirol gebrannt, sein Geschmack ist frisch-würzig. Die Meisterwurz ist eine krautartige Pflanze, die überwiegend auf Gebirgswiesen wächst. Gebrannt wird der Schnaps vor allem im Zillertal. Aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle gilt die Meisterwurz seit jeher als Heilpflanze. In manchen Teilen Tirols ist es immer noch Brauch, die Wohnstube zu Weihnachten mit Meisterwurz auszuräuchern, um böse Geister zu vertreiben.

Ein echter Meisterwurz von der Brennerei Giggus aus Stanz bei Landeck

Ein echter Meisterwurz von der Brennerei Giggus aus Stanz bei Landeck

2. Krautinger
Der berühmte Krautinger wird ausschließlich in der Wildschönau gebrannt – dieses Monopol hat bereits Kaiserin Maria Theresia den Talbewohnern verliehen. Ursprünglich bekamen 51 Wildschönauer Brennereien die Erlaubnis, den rustikalen Rübenschnaps herzustellen, inzwischen wird er noch in etwa 15 Betrieben produziert. Selbstgezogene Rübensamen und Buchenholz sorgen dafür, dass der Krautinger auch heute noch so schmeckt wie damals: intensiv und eigenwillig. Die Wildschönauer nennen „ihren“ Schnaps nicht umsonst „Medizin und Lebenselixier in einem“.

Die Wildschönauer Rüben werden zum Krautinger gebrandt.

Die Wildschönauer Rüben werden zum Krautinger gebrandt.

3. Enzian
Die Enzianblüte ist ein traditionelles Symbol für die Tiroler Bergwelt. Enzianschnaps ist aromatisch-bitter und soll außerdem bei Magenproblemen helfen. Die Enzianpflanze gedeiht in bis zu 2.500 Metern Höhe und wächst äußerst langsam – erst nach zehn Jahren blüht sie das erste Mal. Aus diesem Grund stehen alle wild wachsenden Enziane in Tirol unter Naturschutz. Die für die Schnapsherstellung verwendeten Enzianwurzeln werden gezielt angebaut und geerntet. Im Geschäft wird man diese kostbare Spezialität kaum bekommen – zu wertvoll und selten ist dieser Schnaps. Galtür ist beispielsweise ein Dorf, in dem einigen Familien das Recht zum Brennen eingeräumt wurde und wenn man Glück hat, kommt man in den Genuss eines Stamperls.

Eine Enzianspezialität von Peter Schiechtl vom Imsterberg.

Eine Enzianspezialität von Peter Schiechtl vom Imsterberg.

4. Pregler
Der Pregler darf ausschließlich im Bezirk Lienz in der Region Osttirol hergestellt werden. Er wird aus alten Osttiroler Apfelsorten und Mostbirnen produziert, in Ausnahmefällen dürfen auch Zwetschgen vergoren werden – diese Regel wurde von der österreichischen Lebensmittelkodex-Kommission festgelegt. Der Geschmack des Edelbrands ist klar und fruchtig. Übrigens: „Pregeln“ ist ein heute noch gebräuchliches Osttiroler Dialektwort für das Schnapsbrennen.

Ein Osttiroler Pregler von der Naturbrennerei Kuenz aus Dölsach

Ein Osttiroler Pregler von der Naturbrennerei Kuenz aus Dölsach

Tiroler Edelbrandstraße

In ausgewählten Tiroler Schnapsbrennereien wird Besuchern jeder Schritt der Edelbrandherstellung – vom Obstanbau über den traditionellen Brennprozess bis hin zur richtigen Verkostung – anschaulich vermittelt. Man erlebt die Entstehung dieser Tiroler Köstlichkeit vor Ort mit und versteht die Wissenschaft und Liebe, die in den edlen Tropfen steckt. Hier finden Sie Informationen zu ausgezeichneten Brennern sowie zur Schnapsroute: http://www.tirol.at/reisefuehrer/kultur-leben/kulinarik/schnapsroute

Mario Huber und Melanie Haider brennen im Lechtal auf höchstem Niveau

Mario Huber und Melanie Haider brennen im Lechtal auf höchstem Niveau

Der Schnaps wird bis zum Abfüllen meist in Glasballonflaschen aufbewahrt.

Der Schnaps wird bis zum Abfüllen meist in Glasballonflaschen aufbewahrt.

Eckard

Eckard Speckbacher ist viel unterwegs: in großen Städten, fernen Ländern und natürlich in Tirol. Er ist auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen: Geheimplätze, Restauranttipps und Hotels mit Charme werden von ihm entdeckt.

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2 Kommentare

hub vankan

Klasse

Fritz Weckerle

Herzlichen Dank an Waltraud Schellhorn aus der Wildschönau für Ihren guten Krautinger.

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