Bald verabschiedet auch Obergurgl den Winter …

Auf Wiedersehen, Winter!

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Noch einmal Spuren auf der Piste hinterlassen … das blau-weiße Farbenspiel von Schnee und Himmel genießen … Kaiserschmarrn auf der Hütte schnabulieren … bevor wir „Pfiati“ und „Auf Wiedersehen“ Winter sagen …

Fabienne

Fabienne ist Tirol Werberin aus Leidenschaft. War früher ständig... Zum Autor

Auch wenn jeder Skitag auf seine Art und Weise besonders ist – der erste und der letzte einer Saison prägen sich immer ganz besonders in mein Gedächtnis. Der Erste – weil voller Vorfreude und im Wissen, dass die ganze Saison vor mir liegt. Der Letzte – weil schon in Frühlingsstimmung, aber doch mit ein wenig Wehmut darüber, dass die Ski nun ein halbes Jahr im Keller ihr Dasein fristen werden …

Obergurgl, 1907 m.

Am liebsten verbringen meine Familie und ich den Winterauftakt und –Ausklang in Obergurgl – das kleine Dorf am Ende des Ötztales liegt auf knapp 2000 m Seehöhe und bietet fast immer beste Skibedingungen.

Meistens logieren wir im Hotel Edelweiss & Gurgl – einem der großen Traditionshäuser in Obergurgl. (Die Vorfahren von Hausherr Lukas Scheiber zählten übrigens zu jenen kühnen Tourismuspionieren, die den „Fremdenverkehr“, wie er damals noch hieß, in Tirol durch große Visionen und Investitionen überhaupt erst möglich machten. Denn es gehörte im 19. Jahrhundert schon eine große Portion Mut dazu, daran zu glauben, dass irgendwann einmal Zig-Tausende Menschen den Weg ins hinterste Ötztal finden würden, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Aber diese Geschichte ist eine andere, vielleicht erzähle ich sie euch zu einem späteren Zeitpunkt …)

Jetzt geht es um unseren besonderen, letzten Skitag in der Wintersaison 2016.

Mein Chalet auf Zeit

Diesmal quartieren wir uns in der Dependance des Edelweiss & Gurgl ein – den sogenannten Gletscherblick Appartements, nur einen Steinwurf vom Stammhaus entfernt. Diese Appartements präsentieren sich im modernen aber gleichsam behaglichen alpinen Chalet-Stil – mit allem erdenklichen Komfort, ausgestattet mit hochwertigen Materialien wie Stein, Holz, Loden … Das Gute daran: als Gast des Appartements kann man sich entweder selbst verpflegen, oder die Halbpension des Hotels genießen. (Wir entscheiden uns für Zweiteres) Und auch der Wellness-Bereich des Hotels inklusive Hallenbad steht den Appartement-Gästen gegen eine kleine Gebühr zur Verfügung. Die Lage der Gletscherblick-Appartements ist jedenfalls ähnlich perfekt wie jene des Hotels – das Auto bleibt in der Garage, und sämtliche Stöcke, Ski, Schuhe, Helme, Rucksäcke, …(bei einer vierköpfigen Familie ist das schon eine ziemliche Materialschlacht), brauchen nur ein paar Schritte weit getragen zu werden, schon sitzt man in der Gondel hinauf auf die Hohe Mut.

Skidoo-Taxi

Der Schnee ist trotz frühlingshafter Temperaturen und der Sonne, die ihre Strahlen vom blauen Himmel schickt, überraschenderweise noch gut bis sehr gut – unten im Tal ist er nach Mittags schon etwas weicher, aber oben sind die Pistenbedingungen noch nahezu perfekt! Und ich bin erstaunt, wie viele Gäste sich noch im Skigebiet tummeln … Wir schaffen es leider nicht bis nach Hochgurgl, da macht uns unser Kleiner einen Strich durch die Rechnung – seine Beine sind müde und er hat Durst. Als ich ihm die Trinkflasche aus dem Rucksack reiche, rückt er endlich ganz mit der ganzen Wahrheit heraus – er will nicht nur etwas zu Trinken, er will Pause auf einer Hütte machen.

Nun gut, es soll nichts Schlimmeres geben als sich bei Sonnenschein auf eine Terrasse zu setzen … Normalerweise kehren wir in der Hohen Mut Alm ein, aber bei der Bergstation der Steinmannbahn sehe ich, wie ein Skidoo fünf Skifahrer abholt und hinter eine Bergkuppe entführt. Dies macht mich neugierig und die Kinder noch viel mehr und deshalb schauen wir, was es damit auf sich hat. Ein Plakat gibt Aufschluss: es ist der kostenlose Transfer zur neu eröffneten Schönwieshütte. Wir entscheiden, heute ausnahmsweise auf einen Besuch in der Hohen Mut Alm zu verzichten und uns diese neue Location anzusehen.

Ich wähle die Handynummer, die auf dem Plakat angegeben ist, und schon meldet sich eine freundliche Stimme – unser Skidoo-Taxi ist in fünf Minuten da.

Rustikal? Fehlanzeige!

Der Kleine nimmt am Sozius Platz, seine Ski werden in einem Korb verstaut – wir Großen und unser Ältester wagen das Abenteuer – wir halten uns an einem Seil am Skidoo fest und los geht’s –  bergauf, bergab, geradeaus und in Kurven durch die Winterlandschaft, bis sich schließlich der Blick auf die Schönwieshütte auftut. Wer eine urige, kleine Hütte erwartet, irrt. Stattdessen steht ein alpin-modernes Gebäude vor uns – kein alpenbarocker Schnickschnack, stattdessen gerade Linien und eine puristische, mit Schindeln verkleidete Fassade. Wie ein Adlerhorst thront sie da in den Ötztaler Alpen.

Wir wählen einen Tisch auf der großzügigen Terrasse und probieren uns durch die Speisekarte – Tiroler Gröstl mit Spiegelei, Knödelvariation mit Salat, Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Alles hausgemacht und mmmhhhh – lecker!

Knödel 

In mir kommt der Gedanke hoch, dass das junge Paar, welches die Hütte gepachtet hat – Luzia und Martin Grüner – auch eine Portion Mut (ähnlich den frühen Tourismuspionieren) besitzen muss. Denn es gäbe für junge Leute bestimmt einfachere Wege, ihr Geld zu verdienen, als irgendwo, mitten im Nirgendwo, eine Hütte zu betreiben. Aber wenn ich mir die Skifahrer und Tourengeher anschaue, die doch ihren Weg zu diesem versteckten Kleinod finden, und die Kraft dieses Ortes inmitten der Berge auf mich wirken lasse, kann ich die Entscheidung der beiden auch wieder verstehen.

Hallo Frühling, Pfiati Winter!

Das war’s für uns mit der Skisaison 2016 – wir schieben uns den Weg entlang von der Schönwieshütte zurück auf die Piste. Und dann geht’s retour nach Innsbruck – vom Winter in den Frühling!

Fotos, der Reihe nach:

Aufmacherbild, 1 und 2: © Ötztal Tourismus
3: © Hotel Edelweiß & Gurgl
4 und 5: © Gletscherblick Appartements

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