Auf den Spuren der Adler Alpingeschichten: Brandenberger Alpen (Rofan)

Aktualisiert am 14.11.2017MichaelMichael
Buchackeralm, Adlerweg Etappe 4

Die Reise auf den Spuren der Alpinpioniere geht vom Kaisergebirge weiter in die Brandenberger Alpen – auch als Rofangebirge bekannt. Dort geistern die Geschichten um die Entdeckung der Hundalm Eishöle, die Holzdrift auf der Brandenberger Ache oder die Besteigungen und Höchstleistungen der beiden Bergsteigerlegenden „Hias“ Rebitsch und Peter Habeler herum, mehr dazu im Folgenden!

Die Erforschung der Hundalm-Höhle (Adlerweg-Etappe 04: Kufstein – Gasthof Schlossblick)
Man stelle sich vor: der dunkle Schlund einer schachtartigen Höhle, deren Ausmaße und Beschaffenheit man nicht kennt. Aber die Neugierde ist größer als die Furcht, und so stiegen die zwei wackeren Burschen Oskar Hossé und Leo Weirather im Jahr 1921 mittels Drahtseilleitern als erste Menschen in die bislang unerforschte Tiefe der Hundalm-Höhle hinab. Was sie dort entdeckten, muss ihnen wie ein Wunder vorgekommen sein: bis zu sieben Meter dickes Höhleneis, gestaltet zu überwältigend bizarren Eisformationen. Bei späteren wissenschaftlichen Untersuchungen wurde das Alter mancher Tropfsteine auf bis zu 350.000 Jahre datiert. 1956 wurde die Hundalm-Höhle zum Naturdenkmal erklärt. Der Landesverein für Höhlenkunde in Tirol mit Sitz in Wörgl baute die Höhle zu einer für Besucher zugänglichen Attraktion aus, 1967 wurde sie als „erste Schauhöhle Tirols“ eröffnet.

Kaiser- und Tiefenbachklamm (Adlerweg Etappe 05: Gasthof Schlossblick – Pinegg)
Nicht nur Menschen schreiben Alpingeschichte, sondern auch Bäche und Flüsse. So haben die Brandenberger Ache und ihre Zuflüsse und Wasserfälle eine der faszinierendsten Schluchtenlandschaften Österreichs geschaffen. Wenn die Tourenplanung Zeit übrig lässt, lohnt sich ein Abstecher dorthin. Zehn Kilometer von Brandenberg entfernt gräbt sich die Kaiserklamm in den Fels ein. Sie wurde nach Kaiser Franz Josef I. benannt und beginnt nördlich des Gasthauses Kaiserhaus. Einst wurde hier das Holz ins Tal getriftet. Die damals zu diesem Zweck aus dem Fels geklopften Steige sind auch heute noch begehbar – gut gesichert! Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind trotzdem erforderlich, um einen schönen Spaziergang durch die Klamm zu genießen. Kajak-oder Raftingtouren sowie Wildwasserschwimmen sind ebenfalls möglich. Auch die Tiefenbachklamm zwischen Kramsach und Brandenberg ist ein einmaliges Naturerlebnis. In einer gemütlichen Gehstunde erkundet man den Triftsteig und wandert zu einer Einkehr in die Jausenstation Tiefenbachklamm oder zur Jausenstation Stegerstall. An starken Regentagen sind die Klammen aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Peter Habeler und das Rofangebirge (Adlerweg Etappe 06: Pinegg – Steinberg am Rofan)
Peter Habeler und das Rofangebirge. Der 1946 geborene Tiroler Extrembergsteiger Peter Habeler wurde u.a. bekannt durch spektakuläre Erstbegehungen in den Rocky Mountains, er war der erste europäische Bezwinger der Big Walls im Yosemite-Nationalpark und durchstieg in Rekordzeit die Eiger-Nordwand. Habeler stand auf den Gipfeln des Cho Oyu, Nanga Parbat, Kangchendzönga und Hidden Peak. Am Mount Everest wagte er mit Reinhold Messner die erste legendäre Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff. Zudem erklomm er viele weitere Berge auf der ganzen Welt im höchsten Schwierigkeitsgrad. Seine ersten bedeutenden Klettererfahrungen machte Peter Habeler aber im Rofangebirge. Er absolvierte eine Lehre in der Glasfachschule Kramsach und da der Nachhauseweg ins Zillertal ziemlich weit war, nutzte er das Wochenende meistens für Kletterausflüge im Rofan. Oft war er dabei mit seinem großen Vorbild Hias Rebitsch unterwegs, dem berühmten Bergsteiger und Freikletter-Pionier aus Brixlegg.

Bergsteigerlegende Hias Rebitsch (Adlerweg Etappe 07: Steinberg am Rofan – Erfurter Hütte)
Der gebürtige Brixlegger Hias (Matthias) Rebitsch (1911- 1990) war ein Pionier des Freikletterns und gilt heute noch als Vorbild für viele Anhänger dieses Sports. Er absolvierte einige Erstbegehungen im Rofangebirge z.B. Direkte Rofanspitze NO Kante, Rofanspitze Ost-Riss, Rofanspitze Nordwand, SW-Kante der Rotspitze. Bekannt wurde er u.a. durch die Tour in der Eiger-Nordwand, wo er bei widrigsten Witterungsverhältnissen mit seinem Kletterpartner Ludwig Vörg 100 Stunden lang in einer Felsspalte ausharrte. Hias Rebitsch war ein „Sestogradist“ (Kletterer des VI. Grades) und besaß nach eigenen Worten einen sechsten Sinn, der ihm auch beim Klettern zugute kam. Er studierte Chemie, interessierte sich für Philosophie und hielt nichts von Leistungswettbewerben am Berg. Er ging nur zu seiner eigenen Erbauung bzw. „Gaudi“ auf Tour. Aber er kletterte auch deshalb extrem, um extreme Situationen durchleben zu können und dabei einiges über sich zu erfahren. Nicht nur mit seinem Klettervermögen, sondern auch mit seiner Einstellung zu diesem Sport war er seiner Zeit voraus. Eine seiner Lieblingsrouten war die Laliderer Nordwand im Karwendel.

Im Zuge des nächsten Blogs werden wir uns den Geschichten des sagenumwobenen Karwendelgebirges widmen und sehen, dass diese nicht weniger spektakulär wie die vom Kaisergebirge oder den Brandenberger Alpen sind.

Allgemeine Info zu den Brandenberger Alpen (Rofan)
In den Brandenberger Alpen bzw. im Rofan tragen viele Berge grünsamtene Sommermäntel: Dort, wo an den sanfter verlaufenden südlichen Hängen die Bergwiesen mit ihrer enormen Alpenblumenvielfalt und versteckten Edelweißnestern bis hinauf zum Grat reichen, während auf der Nordseite mächtige Felsformationen und Steilwände das Gelände prägen.

Die Kombination aus landschaftlicher Schönheit und bergsteigerischer Herausforderung war immer schon attraktiv für erstklassige Bergsteiger: Freikletterpionier Hias Rebitsch perfektionierte hier sein Können. Auch Hermann Buhl, bekannt geworden u.a. durch seinen Alleingang bei der Nanga Parbat Erstbesteigung 1953 erwarb sich hier Kletterroutine, ebenso wie Peter Habeler, der sich im Rofan fit machte für seine Expeditionen auf die höchsten und schwierigsten Berge der Welt. Dem gebürtigen Wörgler Heinz Mariacher gelangen zwischen 1975 und 1977 im Rofan einige spektakuläre Erstbegehungen, darunter das Katzendachl an der Rofanspitze-Nordwand, eine der ersten Siebenerrouten im Alpenraum. Mariacher machte sich u.a. durch die Erschließung schwierigster Marmolatarouten einen Namen.

 Die Rofanberge vor allem als Übungsfelsen für Höheres? So kann man das nicht sehen! Kletterbegeisterte aus aller Welt finden hier ihre Lieblingsrouten mit originellen Namen wie Schokoladentafel, Himmelsleiter, verbohrter Typ, Hokus Pokus oder schwarze Witwe. Und die Freunde des Wandersports freuen sich über schöne Nah- und Weitwanderwege.

Alle Adlerweg-Etappen in den Brandenberger Alpen gibt’s hier:Adlerweg-Etappen in den Brandenberger Alpen (Rofan)

Michael

Der begeisterte Kletterer Michael Walzer ist in seiner Freizeit immer auf der Suche nach den schwierigsten und schönsten Routen.

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