Wölfl’s Hofladen in Ranggen.

Alles frisch vom Hof

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Ein Geschäft, in dem man 24 Stunden, sieben Tage die Woche frische, regionale Produkte kaufen kann? Sucht man in der Stadt vergeblich. Also dann: Ab aufs Land!

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor... Zum Autor

Das Beste nach einer durchfeierten Nacht? Eierspeise. Das weiß man auch in Tirol. „Die schwere Tür zu unserem 24h-Selbstbedienungsladen hören wir auch mitten in der Nacht, zu den unmöglichsten Zeiten. Das sind die Jugendlichen, die vom Ausgehen nach Hause kommen und sich noch Eier mitnehmen“, schmunzelt Wolfgang Gratl. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela, seinen drei Töchtern und den Großeltern führt er im kleinen Ort Ranggen nahe Innsbruck nicht nur einen Bauernhof, sondern auch einen charmanten Hofladen und einen Selbstbedienungsladen. Rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche kann man dort einkaufen; etwas, das es in der Stadt – zumindest in Innsbruck – höchstens an der Tankstelle gibt, überlege ich.

„Schon früher sind die Leute immer mit Milchkanndln zu meinem Vater gekommen, um die frische Milch zu holen“, erzählt Wolfgang Gratl. Der Hofladen im Erdgeschoss des Wohnhauses der Gratls ist deshalb eigentlich eine Weiterentwicklung aus den Bedürfnissen der Stammkundschaft – und seit 2007 das Königreich von Michaela Gratl.

Die ganze Familie packt mit an

Die gelernte Verkäuferin hat das Sortiment im Hofladen stetig erweitert – natürlich mit der Hilfe der ganzen Familie. „Die Oma backt frisches Brot, der Großvater ist gelernter Metzger und für das frische Fleisch und besten Speck und Würste zuständig.“ Aktuell ist gerade Erdbeerzeit: „Da kochen wir auch Marmelade ein. Und Sirup mache ich auch.“ Der Hofladen ist immer freitags geöffnet, unterstützt wird Michaela im Geschäft von ihrer Schwägerin. Family business, überall.

In dem Hofladen arbeitet die ganze Familie mit.

In dem Hofladen kommen die Fähigkeiten von jedem Familienmitglied zum Einsatz.

Während die Gratls in ihrer Küche sitzen und erzählen, klingelt immer wieder Michaelas Handy: „Sie organisiert die Bestellungen für die Erdbeeren“, erklärt ihr Mann. Neben den vorbestellten Lieferungen kann man sich die süßen Früchte jederzeit im Selbstbedienungsladen holen – wenn man schnell genug ist, denn die Erdbeeren sind beliebt. Das Konzept vom Selbstbedienungsladen ist einfach – und fasziniert mich: „Wir bieten dort bestimmte Produkte zu einem Fixpreis an – Eier, Milch, Joghurt, Obst, Kartoffeln und mehr. Die Kunden holen sich einfach, was sie brauchen. Es gibt eine Kassa an der Wand, dort wirft man das Geld hinein. Das Ganze basiert auf dem Vertrauensprinzip“, erzählt Wolfgang Gratl. Funktioniert das? „Ja, absolut.“ „Viele Kunden haben sich schon einen Vorrat an Münzen zu Hause angelegt, damit sie das Geld für unseren Selbstbedienungsshop passend haben.“

Die frischen Erdbeeren sind bei den Kunden besonders beliebt.

„Für uns ist das auch eine Bestätigung“

Seit 2013 läuft der 24h-Shop und die Kunden sind begeistert: „Immer wieder finden wir nicht nur Geld, sondern auch kleine Botschaften in der Kassa: Dass sie unser Geschäft toll finden, dass die Produkte gut waren. Das freut uns ganz besonders“, sagt Michaela. „Das stärkt unser Selbstbewusstsein als Bauern, es gibt uns Antrieb. Einfach ist die Landwirtschaft nicht immer“, bestätigt Wolfgang.

Der Selbstbedienungsshop ist praktische Ergänzung zum Hofladen und dringend notwendige alternative Direktvermarktungsstrategie in einem: Immer wieder haben Kunden früher auch um 12 Uhr Mittags noch schnell für einen Liter Milch an der Haustür geklingelt. „Da sagt man natürlich nicht nein – aber im Vergleich dazu ist der Selbstbedienungsshop viel praktischer. Außerdem mussten wir uns als Bauern etwas überlegen, wie wir unsere Produkte am besten verkaufen.“ Ähnliche Konzepte hat Wolfgang Gratl etwa in der Steiermark entdeckt und sich dann gedacht: Wenns da funktioniert, warum nicht auch in Ranggen?

Mittlerweile gibt es in ganz Tirol rund 1.000 professionelle Direktvermarkter. Davon, schätzt Michael Hölzl von der Landwirtschaftskammer Tirol, sind rund drei Viertel Landwirte, die Hofläden betreiben und ihre frischen Produkte direkt verkaufen.

Regional ist wichtig: „Mich wundert’s immer, dass so viele Junge bei uns einkaufen“

Die Kundschaft ist auf jeden Fall da: Und das, obwohl es im Ort noch einen weiteren Hofladen gibt, dieser bietet allerdings ein etwas anderes Sortiment – mehr Gemüse – an. Biologisch und regional einzukaufen, sei auf jeden Fall ein großes Thema: „Das ist den Menschen wichtig. Ich bin auch immer erstaunt, wie bunt gemischt unsere Kundschaft ist und auch, wie viele junge Menschen, wie viele junge Familien bei uns einkaufen.“

Was verkauft sich denn am besten? „Joghurt wahrscheinlich“, sagt Michaela. Das macht sie auch selbst. Und Erdbeeren, in der Erdbeersaison natürlich. Das Brot von der Oma, das sei auch beliebt. Und außerdem die Marmeladen und die Geschenkkörbe, die sie auf Anfrage fertigt.

Wir machen uns auf, ich möchte noch den Hofladen und den Selbstbedienungsladen sehen: Dort kann ich natürlich nicht widerstehen. Am Heimweg duftet mein Auto nach Erdbeeren. Aber wie hat mir Wolfgang Gratl erzählt? „An den Erdbeeren, da kommt keiner vorbei. Wenn die an der Kassa stehen, da greifen sogar die Mannsbilder zu.“

1 Kommentar

  • Mareike
    Tolle Sache! Auf www.mein-bauernhof.de kann man übrigens nach Hofläden in der Nähe suchen :) Viele Grüße