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Sich laufend des Lebens erfreuen: Lauftipps vom Profi

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Vor zwei Monaten hat sie mich wieder ereilt und seither nicht mehr losgelassen – die Lauf-Lust! Damit es von Anfang an wieder wie am Schnürchen bei mir „läuft“, habe ich mir ein paar Tipps vom Profi geholt. Alexander Pittl ist Chef der Laufwerkstatt und hat sowohl für Anfänger als auch für Profis, aber auch für Wiedereinsteiger wie mich gute Ratschläge parat. Ich teile sie gern mit euch! Außerdem finden im Tiroler Sommer megacoole Laufevents statt – eine Übersicht gibt’s am Ende des Beitrags.

Fabienne

Fabienne ist Tirol Werberin aus Leidenschaft. War früher ständig... Zum Autor

Für alle Lauf-Novizen – welche Tipps gibst du Laufanfängern?

Das oberste Credo lautet: Langsam! Langsam! Langsam! Das bedeutet: langsam beginnen, langsam laufen, langsam steigern. Vergesst die Stoppuhr und schaut, wie viele Minuten ihr laufen könnt. Zwischendurch sind auch Gehpausen erlaubt bzw. sogar erwünscht, um den richtigen Pulsbereich zu behalten bzw. wieder zu treffen. Außerdem empfehle ich, durch die Nase zu atmen und nicht durch den Mund.

Und was tun, wenn sich der Schweinhund an das Bein klammert und einen am Laufen hindert – wie wird man ihn wieder los?

Ich spreche immer vom inneren Glücksschwein und das klingt doch schon besser, oder? Ich glaube, es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es ein Geschenk und etwas Tolles ist, laufen zu können. Deshalb sollte Laufen meiner Meinung nach primär zur Förderung der Gesundheit und zum Ausgleich betrieben werden. Ich mache immer wieder die Beobachtung, dass Übermotivierte oder Überehrgeizige jedes Training zum Wettkampf erklären und da geht der Spaß zwangsläufig irgendwann verloren. Mein Motto lautet: Übertriebene Leistung raus – Natur rein!

Kannst du unseren Lesern die richtige Lauftechnik „theoretisch“ erklären?

Wichtig ist zuallererst, dass man läuft. Danach kann man in vielen Bereichen Verbesserungen durchführen. Die richtige Lauftechnik kann man aber nur praktisch „erlernen“, wie wir es in unseren Wellnesslaufseminaren machen. Das theoretisch zu erklären ist schwierig, weil Fehler im Laufstil immer individuelle Ursachen haben. Und das muss man während des Laufens analysieren und korrigieren, indem die für jeden unterschiedlichen, persönlich richtigen Übungen erarbeitet werden.

Wie schaut’s mit Essen und Trinken aus? Besser vor, während oder nach dem Laufen?

Essen zu kurz vor dem Laufen belastet. Deshalb sollte man idealerweise zwei bis drei Stunden vor dem Laufen die letzte Mahlzeit einnehmen. Aber das kann aus meiner Erfahrung individuell sehr unterschiedlich sein, manche brauchen vor dem Training noch eine kleine Stärkung. Und es kommt natürlich auch darauf an, ob ein langsamer Dauerlauf gemacht wird oder ein hartes Intervalltraining. Während des Laufens zu Essen ist jedenfalls nur bei längeren Trainingseinheiten oder Wettkämpfen wie einem Marathon sinnvoll. Nach dem Lauf sollten die Speicher aber auf jeden Fall wieder mit einer Mahlzeit aufgefüllt werden. Trinken dagegen kann man immer und es ist für den Körper extrem wichtig. Fakt ist, dass die meisten Läufer viel zu wenig trinken. Bei Läufen ab einer Dauer von 50-60 Minuten sollte man auf jeden Fall ein isotonisches Getränk mitnehmen oder eine Strecke mit Trinkgelegenheit – zum Beispiel in Form eines Brunnes – wählen.

Die isst man besser erst nach dem Training ...

Die isst man besser erst nach dem Training …

Wie oft sollte man pro Woche idealerweise laufen? Und wie lange?

Das ist natürlich abhängig vom persönlichen, aktuellen Trainingszustand. Aber grundsätzlich sollte das Ziel schon sein, mindestens zwei bis drei Mal die Woche zu laufen und eine Gesamtlaufzeit von wöchentlich zwei Stunden zu erreichen. Bei kompletten Anfängern ist das natürlich entsprechend weniger – aber wenn man erst mal auf den Geschmack gekommen ist und die positiven Effekte des Laufens erfährt, steigern sich Häufigkeit und Dauer sowieso von selbst!

Stimmt es, dass Intervalltraining effizienter ist als gleichmäßiges Dahintraben?

Das kann man nicht so generell beantworten, denn Intervalltraining setzt eine entsprechende Grundlagenausdauer voraus. Und die erläuft man sich vorwiegend im aeroben Bereich – sprich beim gemäßigten Laufen innerhalb einer bestimmten Herzfrequenz. Klassisches Intervalltraining ist also nur was für sehr ambitionierte Läufer, die die entsprechende Basis haben, ansonsten riskiert man schnell eine Übersäuerung der Muskulatur. Deshalb empfehle ich lieber das Spiel mit verschiedenen Tempi. Am besten, man nützt einfach die Geländegegebenheiten und passt die Geschwindigkeit entsprechend an – bergauf langsam, bergab schneller – das geht hier in Tirol aufgrund der Topografie sowieso fast wie von alleine und macht wirklich riesig Spaß.

Ist es für Anfänger besser, allein oder in der Gruppe zu laufen?

Um die Geschwindigkeit einzuhalten (Anfänger sollen wie schon gesagt sehr, sehr langsam beginnen) und individuell Gehpausen einlegen zu können, finde ich es besser, die ersten Einheiten als Anfänger alleine zu absolvieren. Ich habe schon oft erlebt, dass Anfänger von ihren Laufpartnern überfordert werden und dadurch gleich wieder die Freude verlieren. Andererseits stellt natürlich ein zumindest wöchentliches „Laufdate“ mit Gleichgesinnten eine super Motivation dar, „dran“ zu bleiben – ein der persönlichen Laufkondition entsprechendes Niveau natürlich vorausgesetzt! Optimal ist, wenn wie bei unseren regelmäßigen Laufwerkstatt-Lauftreffs ein Trainer dabei ist. Der schaut auf die Gruppe und gibt gleichzeitig jedem persönlich Tipps.

Was hältst du von Lauf-Apps?

An sich finde ich sie super. Sie motivieren. Das einzige Problem ist, dass sie entsprechend unserem Zeitgeist sehr technisch aufgebaut sind. Die wichtigsten Parameter sind: Wieviel Kilometer bin ich gelaufen? Wie schnell? Wo liegt meine Durchschnittszeit usw. Das Lauferlebnis in der Natur tritt in den Hintergrund und die technischen Daten in den Vordergrund. Solche Apps sollen einen Nutzen liefern und nicht den Läufer zum Sklaven seines Geräts machen, denn das steigert eher den Druck als das Vergnügen.

Alleine, zu zweit oder in der Gruppe laufen? Geschmacksfrage! © Laufwerkstatt.

Alleine, zu zweit oder in der Gruppe laufen? Geschmacksfrage! © Laufwerkstatt.

Ich habe mal eine Lauf-App ausprobiert - ganz nett, aber für mich kein Muss.

Ich habe mal eine Lauf-App ausprobiert – ganz nett, aber für mich kein Muss.

Seit wann läufst du? Wie bist du zum Laufen gekommen?

Zum Laufen bin ich während meines Studiums gekommen. Zuerst einfach als Ausgleich, doch schon bald hat mich das Marathonfieber erfasst. Ich bin in Berlin, Frankfurt und Wien gelaufen. Danach habe ich angefangen, das Naturerlebnislaufen oder das Trailrunning, wie man das heute nennt, vor allem im Ultrabereich, also Distanzen jenseits des Marathons, zu entdecken. Die Stoppuhr wanderte in den Hintergrund und das Naturerlebnis und der Spaß in den Vordergrund.

Was ist deine liebste Laufstrecke/dein liebstes Laufterrain in Tirol?

Ich liebe eigentlich alle Strecken abseits von Asphaltwegen. Besonders toll finde ich die Umgebung von Innsbruck mit dem alpin urbanen Flair und das Pitztal, das definitiv eine der besten Berglandschaften für das Trailrunning bietet!

Laufevents erfreuen sich ständig wachsender Beliebtheit – wie kannst du dir das erklären?

Laufevents haben einen hohen Spaßfaktor, man trifft viele Gleichgesinnte aus den verschiedensten Ländern – da fühlt man sich als Teil einer großen Familie. Gerade bei Trailrunnig-Events ist das stark zu erkennen und die liegen derzeit ja voll im Trend. Und wer mag, kann sich bei einem organisierten Lauf natürlich auch mit anderen messen.

Noch eine Empfehlung zum Abschluss?

Weg von der Straße, ab auf den Trail in die Natur!

Im Tiroler Bergsommer gibt es viiiieeeeele Laufevents – eine Übersicht gibt’s auf der tirol.at oder am Laufkalender.

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