Der Lanser See – einer der schönsten Badeseen Tirols wird hip.

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Am Lanser See kommt man als Innsbrucker bzw. Einwohner des sogenannten Mittelgebirges nicht vorbei. Der kleine, von dichten Laubbäumen umgebene Badesee am Fuße des Lanser- und Viller Kopfs verspricht Kindheitserinnerungen mit Pommes rot weiß rot, Kokos-Sonnenmilch-Idylle, Beachvolleyball- und Muskelspiele. Kurzum alles, was einen Badesee ausmacht. Nun kann er aber noch mehr als das. Mit dem jungen Geschäftsführer und Architekten Daniel Rhomberg kann er hip, kann er glam und kann er ein Zeichen setzen.

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Ein bisschen Marlon Brando, als dieser noch jung und dünn war. Ein bisschen Großstadt-Flair, das sich in hippen, schwarz-weißen Kleidung manifestiert. Aber vor allem eine Riesenportion Freundlichkeit – im strömenden Regen treffe ich Daniel Rhomberg. Meine erste Frage war natürlich ein simples Wieso? Wieso entscheidet sich ein 27-jähriger Architekt dafür, aus Wien wieder in die sogenannte „Provinz“ zu ziehen, um die Geschäftsführung eines Sees zu übernehmen? „Ich wurde diesen Jänner mit meinem Studium an der Angewandten Universität in Wien fertig, im März war ich wieder hier in Lans“, erzählt Daniel. „Der See ist schon lange im Besitz meiner Familie, ich wusste nach all den Jahrzehnten, in denen hier nichts Bauliches passiert ist, musste irgendwer damit anfangen, den Gästen unseres Alpenbades was zurückzugeben“, erklärt er seine Intentionen.

Daniel Rhomberg an seinem neuen Arbeitsplatz. Gebaut in Eigenregie - Daniel putzt, designt, baut und rechnet. „Schaut uns auf die Hände, dann wisst ihr, was wir tun“, so der Geschäftsführer. Werden wir machen... Foto: Daniel Rhomberg

Daniel Rhomberg an seinem neuen Arbeitsplatz. Gebaut in Eigenregie – Daniel putzt, designt, baut und rechnet. „Schaut uns auf die Hände, dann wisst ihr, was wir tun“, so der Geschäftsführer vom Lanser See. Werden wir machen … Foto: Daniel Rhomberg

Vom Gletschereis zum Badesee.

Für Daniel ist der Lanser See der Ort, „der meine Kindheit gespeichert hat. Ich bin hier geboren und aufgewachsen“. Die Geschichte geht jedoch sehr viel weiter und muss auch erzählt werden, um die Gegenwart zu verstehen. Am Anfang war ein abgebrochenes Stück Gletscher Zunge vor knapp 10.000 Jahren. Das Eis schmolz, im Mittelalter entstanden die ersten Sagen von Seegeistern. Nach dem zweiten Weltkrieg sonnte sich am Lanser See die Elite der französische Besatzungsmacht. Ende der 1960iger- und in den frühen 1970iger-Jahren trafen sich an den Schilf-verwucherten Ufern des kleinen Sees die Elterngeneration der heutigen Innsbrucker für ein Hippie-reskes Stelldichein. Da war der See noch für jeden kostenlos zugänglich – ganz im Sinne der aufkeimenden Liberalität und ein bisschen Flower-, pardon, Seegras-Power. Davon ist heutzutage nur ein abgegrenzter FKK-Strand übrig.

Idylle, Sonnenmilch und Politikum: der Lanser See erzählt viele Geschichten.

Idylle, Sonnenmilch und Politikum: Der Lanser See erzählt viele Geschichten. Foto: Daniel Rhomberg

Die 1980iger brachten die Wende und fast 30 Jahre Grabenkampf zwischen den Rhombergs, der Gemeinde Lans und der Stadt Innsbruck – und natürlich den Besuchern des Lanser Sees. Zäune wurden gebaut, die mutig Jahr für Jahr durchlöchert und eingerissen wurden. Ein buddhistisch angehauchtes, gefühltes 10-Sterne-Resort sollte gebaut werden und wurde von verschiedensten Interessengemeinschaften verhindert. Mit dem Argument, dass der Lanser See allen gehöre – vor allem aber den Innsbruckern, die jeglichen Wetterkapriolen im Sommer trotzend mutig ihre 6 Euro Eintritt zahlen um auf den verwitterten Holzstegen unter dem semi-blauen Himmel zu liegen. Das wird sich in Zukunft ändern. Denn der See soll wieder „menschlich“ werden – so der motivierte Geschäftsführer.

Edles Design trifft auf Altbewährtes.

Daniel führt mich durch die renovierten Sanitäranlagen. Es fällt auf, dass nichts dem Zufall überlassen wurde. Mehr als das: Die goldenen Retro-Duschköpfe, die Glasfliesen, die den Charme des modernistischen 1960iger-Jahre-Baus unterstreichen und die eckigen Waschbecken könnten auch die WC-Anlagen eines Hipster-Lokals sein. Altbewährtes, das heute eigentlich schon wieder als besonders hip gilt – wie die orangen Spinte oder die WC-Schilder aus den 1960iger Jahren – beließ Daniel im Original. Besonders ins Auge stechen die gold-strahlenden Lichtquellen – eigens designte Lampen vom Wiener Künstler Patrick Rampelotto.

„Die Lampen wird man in Zukunft auch in einem Pop-Up-Store am See kaufen können. So viele unserer Badegäste haben schon danach gefragt. Das war gar nicht so geplant, aber das wünsche ich mir auch für das Alpenbad: Schritt für Schritt in eine neue Richtung gehen und sich überraschen lassen, was passiert“, erzählt der junge Architekt. Vielleicht wollte er mir deswegen nicht verraten, was sein neues Bar/Bistro-Konzept ist. Nur so viel: An dem kleinen Restaurant am Eingang des Alpenbads Lanser See werkelt Daniel eifrig rum. Es wird sicherlich am Puls der Zeit sein. Oder zumindest so aussehen.

Fazit.

Daniel Rhomberg möchte dem See seine Seele zurückgeben, ihn wieder zu dem machen, was er eigentlich immer schon war: ein besonderer Ort der Erinnerungen für alle Einheimischen und Gäste. „Jeder hat seine eigene Geschichte zum Lanser See, das soll auch für zukünftige Generationen so bleiben. Als Geschäftsführer möchte ich dem Alpenbad die ‚menschliche‛ Komponente zurückgeben, dem Betrieb sein negatives Image nehmen und neue Möglichkeiten finden, das Potential des Alpenbads für seine Besucher voll auszuschöpfen“, erzählt er mir recht bestimmt. Nun, ich glaube ihm. Außerdem, so Daniel, sei der Lanser See ein natürlicher Verstärker, die Wasserfläche trägt die Schallwellen besonders gut. Musik am See? Theater auf einer Seebühne? Mit Daniel Rhomberg als neuer Geschäftsführer des Alpenbads Lanser See wird sicherlich viel möglich sein.

Aktuelle Infos rund um das Alpenbad Lanser See: www.lansersee.at

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