MTB Region im Check: Die Bike Republic Sölden im Ötztal

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Sölden im Ötztal hat die Bike Republic ausgerufen. Grund genug, sich das neue Mountainbike-Revier genauer anzusehen. Sölden bietet insgesamt 18 Trails, das Wegenetz ist derart ausgedehnt, dass man auf manchen Strecken keinen Menschen trifft. Abenteuer pur inmitten wildromantischer Bergwelt.

Steffen

Der passionierte Downhill-Biker Steffen Arora erobert die Berge am... Zum Autor

Meine großen Fragen vorab lauteten: Halbschale oder Vollvisier? All Mountain Bike oder Downhill Ross? Ich entschied mich jeweils für die zweite Variante. Und hinsichtlich Helm würde ich das auch allen anderen Sölden-Besuchern raten – vor allem angesichts der Geschwindigkeiten, die Flow Trails wie die Teäre Line  oder die herausfordernde Zaahe Line hergeben, sowie dem felsigen Gelände, durch das diese Trails führen.

So geht Flow Trail: Am Start der Teäre Line bei der Gaislachkogelbahn-Mittelstation.

So geht Flow Trail: Am Start der Teäre Line bei der Gaislachkogelbahn-Mittelstation.

Anfahrt

Als Referenzpunkt dient erneut Innsbruck. Von der Landeshauptstadt aus sind es mit dem Auto bis nach Sölden gut anderthalb Stunden Fahrtzeit. Mit Öffis ist die Anreise ebenso möglich. Die Bahnfahrt nach Ötztal Bahnhof dauert nur eine halbe Stunde und von dort aus geht es bequem per Bus weiter. Hier hat man im Ötztal mitgedacht, denn die Busse sind auf Radtransport ausgelegt. Das Bike einfach bequem auf den Anhänger verladen.

Unterkunft & Service

Wie nicht anders zu erwarten war, bietet Sölden in Sachen Unterkunft wirklich alles, was das Herz begehrt. Vom 5-Sterne Wellness-Tempel bis zur einfachen Pension mit Frühstück. Insgesamt 19 auf Biker spezialisierte Unterkunftgeber listet die Website bikerepublic.soelden.com/unterkunft derzeit auf. Camper finden hier sogar ihr kleines Paradies. Denn der örtliche Zeltplatz (www.camping-soelden.com) kann sogar mit eigenem Wellnessbereich aufwarten. Und Mountainbiker sind selbstredend sehr willkommen. Ganze fünf Bikeshops mit Verleih stehen im Ort zur Verfügung. Das Sortiment kann sich sehen lassen. Wer ohne eigenes Bike anreist, hat wahrlich die Qual der Wahl. Und sogar zwei Bikeschulen bieten ihre Dienste an. Bei diesem Angebot wähnt man sich wahrlich in der Bike Republic. Da gibt es gar nichts auszusetzen.

Trails

Die Bike Republic Sölden wirbt mit einem Angebot von insgesamt 18 Trails. Wer sich aber Bikepark-Feeling erwartet, wird enttäuscht. Oder eben auch nicht. Denn das Trailnetz ist derart ausgedehnt, dass man auf manchen Strecken keinen Menschen trifft. Abenteuer pur inmitten wildromantischer Bergwelt.

Teäre Line: So geht Flow Trail!

Ziiiieeh! Holzbrückendrop mit viel Auslauf.

Ziiiieeh! Holzbrückendrop mit viel Auslauf.

Die bekannteste und bislang einzig künstlich angelegte Strecke der Bike Republic ist die Teäre Line. Ganze 801 Höhenmeter werden hier auf flowige Art und Weise sowie 7,1 Kilometer Trail überwunden. Das ist ziemlich lange und obwohl die Teäre Line vom Charakter her durchaus für Anfänger geeignet ist, sollten Einsteiger Vorsicht walten lassen. Am besten Pausen einlegen. Immer wieder laden Aussichtspunkte oder eigens neben dem Trail errichtete Sitzgelegenheiten dazu ein. Und das ist auch nötig, denn selbst Vielfahrern brennen nach einer Abfahrt auf der Teäre Line die Unterarme. Der Trail ist derart gut gebaut, dass man ihn fast gar nicht langsam fahren kann. Doch Länge gepaart mit  Müdigkeit und Speed – das sind die Zutaten, aus denen Stürze gemacht sind. Das musste ich schmerzhaft  am eigenen Leib erleben. Daher meine mahnenden Worte.

Doch genug gejammert. Die Teäre Line besticht durch perfekte Anliegerkurven und sehr gut gebaute kleinere bis mittlere Jumps. Nur der Felsendrop im oberen Drittel ist der mit Abstand unlogischste Sprung, den ich je gefahren bin. Um ihn zu nehmen, muss man eine fast 180-Grad-Kehre fahren, um dann auf einer Anfahrtslänge, die einem Radstand entspricht, wieder genug Speed aufzunehmen. Dafür kriegt der Wallride eine klare Eins. Perfekt gebaut, um sich als Einsteiger an solche Hindernisse heranzutasten. Ein anderer kleiner Kritikpunkt ist die Umfahrung zum Holzbrückendrop. Denn die Chicken Line mündet ausgerechnet im nicht einsehbaren Landungsbereich wieder in den Trail. Das kann zu üblen Kollisionen führen. Hier sollte die Trailcrew nachbessern. Abgesehen davon kann man der Teäre Line nur Lob aussprechen. So geht Flow Trail!

Eine glatte Eins gibt's für den Wallride.

Eine glatte Eins gibt’s für den Wallride.

Zaahe Line

In Bau befindet sich derzeit die Zaahe Line. Der obere Teil ist bereits befahrbar und macht Lust auf mehr. Große Tables, noch größere Anlieger und sehr lustige Sprünge im unteren Teil. Hier kann man auch tolle Poser-Fotos machen. Denn der Sprung beim Felsen sieht viel spektakulärer aus, als er ist. Einfach drüberrollen genügt als Anlauf und die Landung ist praktisch kindersicher.

Gut gebaute Jumps wie dieser hier auf der "Zaahe Line" katapultieren Sölden in die oberste Trail-Liga.

Gut gebaute Jumps wie dieser katapultieren Sölden in die oberste Trail-Liga.

17 Naturtrails

Neben diesen beiden angelegten Trails, bietet die Bike Republic satte 17 Naturtrails. Wir konnten leider nicht alle testen, aber zum Beispiel der Nene Trail und der Kaiser Trail, sind sehr zu empfehlen. Wer die Trails in Richtung Hochsölden nutzen will, sollte aber auf jeden Fall ein Uphill-taugliches Bike wählen. Überhaupt ist der Downhiller auf den Naturstrecken etwas überdimensioniert. Mehr Lenkwinkel und Wendigkeit verschaffen hier mehr Fahrspaß. Zu beachten ist, dass die Trails nicht alle am selben Punkt enden und bisweilen kleinere Fahrten zurück zum Parkplatz oder der Seilbahn eingerechnet werden sollten.

Achterbahnfeeiling auf Holz-Obstacles.

Achterbahnfeeling auf Holz-Obstacles.

Preis

Trotz des mannigfaltigen Angebots sind die Preise für die Bergfahrt per Bahn erstaunlich moderat. Mit 34 Euro schlägt die Tageskarte zu Buche. Ab 12 Uhr ist die Halbtageskarte zum Preis von 25 Euro erhältlich (Stand: Sommer 2017). Die zentralen Aufstiegshilfen, um die Bike Republic zu erkunden, sind die Gaislachkogel Gondelbahnen I und II. Die Bikes werden in den Gondeln transportiert.

Events

Die Bike Republic bietet über die Saison verteilt zwar bislang nur eine handvoll, dafür wirklich ausgewählte Events und Programme an. Vom Guiding mit den erfahrenen Profis Karen Eller und Holger Meyer, über die legendäre Singletrail Schnitzeljagd, bis hin zu dezidierten Girls Camps von SAAC. Einen Überblick findet ihr hier: bikerepublic.soelden.com/bikerepublic

Fazit

In Sölden entsteht etwas Großes, das sich bereits jetzt sehen lassen kann. Die angelegten Trails sind professionell gebaut und bieten Fahrspaß pur. Wenngleich Liebhaber technischen Fahrens die Teäre Line wohl nach zwei, drei Abfahrten zur Genüge getestet haben. Doch dafür hält Sölden mit der großen Auswahl an Naturtrails die passende Abwechslung bereit. Was noch ein wenig fehlt, ist der gefühlte Spirit eines Bike-Ortes. Weil der Ortskern recht langgezogen ist und im Sommer nicht alle Lokale und Betriebe geöffnet sind, wirkt der Ort relativ ruhig. Es fehlt noch an einem richtigen Treffpunkt für Biker, doch der wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen…

Hier noch ein Promo-Video, das Lust auf die Teäre Line macht:

 

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