Ledermanufaktor Grga: Lieblingstaschen, handmade in Tirol

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Gregor Mair hat eine Handwerkskunst zum Beruf gemacht, die man in Tirol kaum noch entdeckt: In einer kleinen Werkstatt stellt er zeitlose Taschen aus Leder her.

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor... Zum Autor

Zum ersten Mal sind mir die Stücke von Gregor Mair auf einer Designmesse aufgefallen, dann habe ich sie in einem meiner Lieblingsgeschäfte in Innsbruck entdeckt: Schlichte, elegante Handtaschen, aus echtem Leder, jede Einzelne handgefertigt. Hergestellt werden sie in der einzigen Ledermanufaktur in Tirol. Wie aber kommt man auf die Idee, Handtaschen zu entwerfen?

Am Anfang war das Tabaktaschl

Ich bin zu Besuch in Gregor Mairs Werkstatt im Haus Vierundeinzig in der Hallerstraße 41 in Innsbruck. Cognacfarbenes, dunkelbraunes, schwarzes und rotes Leder liegt eingerollt im Regal, zwei große Nähmaschinen stehen im kleinen Raum, Ledergeruch liegt in der Luft, fertige Taschen und Musterexemplare sind ausgestellt. Gregor Mair überblickt sein kreatives Reich: „Eigentlich hat alles durch einen Zufall angefangen“, erzählt er. Der Tiroler hat ursprünglich Architektur studiert, aber bald gemerkt, „das ist es eigentlich nicht“, das Studium abgebrochen und als Lichtplaner gearbeitet. Da hat ihm trotz allem die Kreativität gefehlt, er bewarb sich um eine andere Stelle.

Ledermanufaktur Grga - Gregor Mair

Dann hatte er einen Radunfall: Oberschenkelbruch, sechs Monate Krankenstand. In dieser  Zeit begann er mit Leder zu arbeiten. „Gar nicht auf den Verdacht hin, dass daraus einmal etwas Berufliches entsteht.“ Er fertigt eine Geldtasche und eine Tabaktasche für sich. Diese Tabaktaschln haben im Freundeskreis rasch die Runde gemacht: 150 Stück hat er schließlich davon gemacht. Schließlich dachte er sich:„Wenn das so gut funktioniert, dann probier ich es.“

Das Motto: Durchbeissen

Bis zur eigenen Ledermanufaktor „grga“ im Jahr 2013 war es allerdings noch ein langer Weg: Wer Taschner werden will, muss einen Gewerbeschein machen, denn das Handwerk ist in Österreich geschützt. „Ich habe mich durchgebissen, eine Befähigungsprüfung gemacht und den Gewerbeschein bekommen.“ Gregor Mair hat einen eingeschränkten Gewerbeschein, darf beispielsweise keine Koffer herstellen. Mittlerweile, da ist sich der 45-Jährige sicher, würde er die Gesamtprüfung schaffen. „Da geht es viel um die Praxisjahre“, erzählt er. Das Problem an den Praxisjahren war aber: Eine Lehre zum Taschner kann man in Tirol nicht machen, denn es gibt keinen Lehrbetrieb mehr. Gregor Mair hat sich das Meiste selbst beigebracht, viele Tipps und Tricks hat ihm Helmut Schmarda, einer der letzten Taschner Tirols, gezeigt. „Ich lerne noch immer ständig dazu“, sagt Mair.

Hat sich das Durchbeissen gelohnt? Das „Ja“ kommt schnell. Natürlich sei die Gründung mit Risiken verbunden gewesen, mit finanziellen Investitionen bei der Anschaffung der Nähmaschinen, bei den Mietkosten und beim Lederkauf. Aber die Arbeit macht ihm Spaß, er ist gerne sein eigener Chef.

Ledermanufaktur Grga - Werkstatt

Der Herbst ist für den Lederdesigner eine besonders stressige Zeit, oft sitzt er bis spät in der Nacht in seiner kleinen Werkstatt, arbeitet an Aufträgen und fertigt Taschen für Messen. „Da geht es Schlag auf Schlag, das Weihnachtsgeschäft beginnt, Kunden kommen auch in die Werkstatt und suchen sich etwas aus.“ Gregor Mair verkauft seine Stücke auch online, ist aber zudem auf vielen Messen in und um Österreich vertreten. „Meinen eigenen Stand aufzubauen, den Kunden die Verbindung zwischen altem Handwerk und modernen Taschen zeigen, das mache ich besonders gern.“ Vielleicht zeigt er diese Kombination bald auch in der Innsbrucker Innenstadt: Seine kleine Ledermanufaktur im Zentrum, das wäre ein schöner, nächster Schritt, verrät er.

Zwei Mal im Jahr zum Lederkauf

Bis es soweit ist, werkelt Gregor Mair weiter in der Werkstatt in der Haller Straße: Das Leder dafür holt er sich meist aus Spanien: Dort gibt es eine kleine Gerberei, die schon seit mehr als 200 Jahren in der gleichen Ortschaft pflanzlich gerbt. Zwei Mal im Jahr fährt er dort hin und sucht sich Leder aus. Außerdem kauft er bei Händlern in Deutschland und fährt immer wieder nach Italien. Die Ledermesse in Mailand ist ein Fixpunkt  -dort findet er spezielles Leder wie etwa das Fischleder, das er mir als Clutch verarbeitet zeigt. Gregor Mair ist es wichtig, dass er seinen Kunden sagen kann, woher das verarbeitete Leder stammt: „Diese Kommunikation ist wichtig. Ich merke, dass für die Kunden das Besondere wieder stärker in den Fokus rückt und damit kann ich punkten.“ Handarbeit statt Massenproduktion.

Seinem Stil – schlicht, ohne Schnickschnack, nur Druckknöpfe – bleibt Gregor Mair immer treu. „Auch wenn es Kundenwünsche gibt, die anders aussehen, ich möchte meine Linie beibehalten. Es muss praktisch sein, ich muss alles nachziehen oder wechseln können. Aber ich kann auch Individualität bis zu einem gewissen Grad bieten – da noch ein Fach, da noch ein Einschub – und das hat schon seinen Vorteil. Damit habe ich schon Kunden bis nach Luxemburg und in die Schweiz begeistert.“

Ledermanufaktur Grga - Leder

Die Kuriertasche der Kaiser, neu aufgelegt

Inspiration für seine Designs holt er sich aus dem Alltag, aus Filmen oder der Vergangenheit: „Manchmal sehe ich im Museum jahrhundertealte Taschen, die ich dann nachbauen möchte. Und diese Tasche hier“, verrät er, „habe ich in der Fernsehserie ‚Der Kurier der Kaiserin’ gesehen.“

Das Besondere an Leder ist für den Innsbrucker auch, dass es sich mit der Nutzung verändert und immer schöner wird. „Wenn Leder eine Narbe oder einen Fehler hat, verwende ich es trotzdem gerne, das macht es ganz speziell.“

Ledermanufaktur Grga - Tasche

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