Im Ötztal steht das neueste Wunderwerk der Seilbahn-Architektur: die Giggijochbahn in Sölden. Architekt Johann Obermoser würde den Anreiz des Liftbaus darin beschreiben, eine Brücke zwischen gewachsener menschlicher Strukturen und der majestätischen Bergwelt zu schlagen. Ist gelungen.

Die Giggijochbahn in Sölden. Die sieben Säulen des Seilbahnbaus.

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Im Ötztal steht das neueste Wunderwerk der Seilbahn-Architektur: die Giggijochbahn in Sölden. Architekt Johann Obermoser würde den Anreiz des Liftbaus darin beschreiben, eine Brücke zwischen gewachsener menschlicher Strukturen und der majestätischen Bergwelt zu schlagen. Ist gelungen.

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Seitdem Daniel Craig alias James Bond mit der Gaislachkogelbahn in die eisigen Höhen der Ötztaler Alpen fuhr, ist die Welt im Sölden-Taumel. Grund genug, wieder eine neue Seilbahn zu bauen, dachten sich Skiliftbetrieber und die Tourismustreibende. 30 Millionen Euro später bricht die neue Giggijochbahn alle Rekorde: Mit 4.500 Personen besitzt sie die höchste Beförderungskapazität pro Stunde, knapp 2.000 mehr als die alte Bahn. Soweit so gut, aber die neue Zehner-Gondelbahn kann mehr als nur schnell fahren, sie sieht auch gut aus. Und nicht nur, weil die folienbespannte Stahlkonstruktion der neuen Bahn Anleihen an der Gaislachkogelbahn nimmt, in der schon James Bond zum Ice Q befördert wurde. Und alles zusammen auch vom selben Architekten geplant wurde.

Seilbahn können viele, Rekorde nicht. Foto: Bergbahnen Sölden

Seilbahn können viele, Rekorde nicht. Foto: Bergbahnen Sölden

Berg und Bahn: eine Symbiose.

Berge, Meere und Wüsten: Die Natur dient Architekten, Designern und Künstlern oft als Vorlage für ihre Entwürfe, Kreationen und Werke. Im Zuge des Bauens entstehen die spannendsten Symbiosen, neue Erkenntnisse werden gewonnen. Die Architektur verändert seine Umwelt. Umgekehrt ist es genauso. So fließen Muster und Formen, Härte und Harmonie der prächtigen Erhebungen und Senken abgewandelt und abstrahiert in die zwei neuen Seilbahnstationen der Giggijochbahn. Architekt Johann Obermoser sieht in den Seilbahnbauten „eine Verbindung zwischen der über Jahrhunderten gewachsenen dörflichen Struktur und dem unberührten Naturraum“. Eine Art Brückenschlag der Moderne mit der Natur. Wie schon bei der Gaislachkogelbahn und dem Ice Q versteht es Johann Obermoser auf subtile Art und Weise organische Linien mit avantgardistischen Ausdrücken zu kombinieren. „Der schlanke, turmartige und massive Gebäudekern nimmt das Thema der Seilbahntechnik auf und ist weithin als Landmark sichtbar, die erhöhte Einstiegsebene verschwindet hinter einem bildperforierten Band mit Bergpanorama Ötztaler Alpen. So erzeugen wir die Illusion der Leichtigkeit“, erklärt Obermoser sein Konzept. Dabei darf auch die Nachhaltigkeit nicht fehlen. Der teilweise schon inflationär genutzte Begriff findet bei der Talstation der Giggijochbahn einen ehrlichen Ausdruck, indem die Station so wenig Platz wie möglich verbraucht.

Giggijochbahn Sölden

Die Talstation der Giggijochbahn verbraucht wenig Platz, eng wird es dabei trotzdem nicht. Foto: Ernst Lorenzi

Die hervorspringende Einstiegsebene, die mit den Bergen des Ötztals plakatiert ist, erreicht man mit Ski, per Aufzug und über zwei Rolltreppen. Vielleicht ist das eine der Errungenschaft des 21. Jahrhunderts: Barrieren überwinden, Berge überwinden – schnell und einfach, ein bisschen wie ein McDonalds-Menü? Ohne jedoch Qualität einzubüßen. Natürlich erfüllt die Architektur dieser Seilbahnstationen auch eine weitere Funktion: Sie bildet eine schützende Hülle und definiert einen Weg in das Transportmittel, die Kabine. Sie bringt Skifahrer in knapp 9 Minuten auf das Giggijoch und überwindet dabei 920 Höhenmeter.

Giggijochbahn Sölden

Ein Stahlskelett für Durchblicker.

Hier am Giggijoch erkennt man das wahre Meisterwerk. Denn Seilbahnarchitektur ist eine Wissenschaft für sich. Wegen der extrem schwierigen Baubedingungen im Permafrostboden wurde mit einem computergesteuerten Hydrauliksystem eine Technik entwickelt, die Geländebewegungen unter dem Stationsfundament ausgleicht. Zu dieser aufwendigen Ingenieursleistung passt die ästhetische Architektur des Innsbrucker Architekturbüros für die Bergstation wie die Faust aufs Auge. Am Berg dominiert auf über 2.200 Metern ein leicht wirkendes Stahlskelett die schroffe Gipfellandschaft. Der Kubus ist von einer transparenten, reißfesten Kunststofffolie ummantelt. „Die folienbespannte Stahlkonstruktion lässt die Dimension der Bergstation mit der Landschaft verschwimmen. Auch hier dominiert für uns die Leichtigkeit, ohne das Giggijoch mit zusätzlichen Kubaturen zu stören“, erklärt Johann Obermoser. Durch die milchige Folie hindurch erkennt man das Innenleben und die Struktur der Seilbahn-Konstruktion. Inklusive Ausblicke auf die grandiose Bergwelt.

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