Eini in die Doggln!

Aktualisiert am 11.12.2017AsiaAsia

Regionales Handwerk und hochwertige Naturmaterialien zeichnen den traditionellen Zillertaler Doggl aus. Seit rund 50 Jahren wird er im Familienunternehmen „Hartl Doggln“ in einer speziellen Machart produziert. Ein Blick hinter die Kulissen.

Vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn die Temperaturen immer tiefer sinken, genießen wir die Zeit daheim und haben es gern gemütlich und warm. Kalte Füße gehören dabei ganz sicher nicht ins Programm. Wer das Problem kennt und es ein für alle Mal lösen möchte, könnte bei Günter und Marion Hartl im Zillertal fündig werden. Seit Jahrzehnten werden in dem Familienunternehmen die traditionellen Hausschuhe – oder auch Doggln wie sie im Zillertal heißen – aus Filz, Merinowolle und Lodenstoff hergestellt. Und wer jetzt an das verstaubte Image von Hauspatschen denkt, der sollte unbedingt in ein paar dieser Doggln hineinschlüpfen! Ich verspreche es, eure Meinung wird sich schnell und mit Sicherheit ändern! Die Doggln aus dem Zillertal sind keine gewöhnlichen Hausschuhe. Sie werden in mühevoller Handarbeit gefertigt, bestehen zu 100 Prozent aus feinsten Naturmaterialien, die vorwiegend regional bezogen werden und haben mittlerweile – zumindest in Tirol – einen Kultstatus erreicht. Was sie außerdem besonders macht, sind die personalisierten Stickereien, die jeder für sich oder für die Person, die er bescheren mag, aussuchen kann. Ob es die Initialen sind, der Tiroler Adler oder das Motiv des Skifahrers, ist jedem selbst zur Wahl überlassen.

Woher kommt der Doggl?

Früher wurde der Doggl von den Bäuerinnen im Zillertal aus alten, zerschlissenen Lodenkleidern gemacht und diente als einfaches Fußgewand, das zur Lodenkleidung getragen wurde oder als Hauspatschen diente. Die Stoffe hat man mit einem Roggenkleister, einer Mischung aus Mehl und Wasser, verklebt. Diese Klebetechnik hat bis heute ihre Gültigkeit bewahrt und wird auch bei Hartl angewendet. Bereits in der vierten Generation setzt die Schusterfamilie ihre spezielle Herstellungstechnik der Doggln fort. Eine Machart, die es so nirgends gibt und damit den echten Doggl ausmacht.

Zillertaler Doggeln Günther Hartl

Vier Wollschichten werden beim Doggl-Machen immer wieder miteinander verklebt.

Wie entsteht ein Doggl?

Für einen Doggl werden zunächst einmal vier Wollschichten – Walk und Lodenstoff – immer wieder miteinander verklebt. Diese Wollschichten werden per Hand mit Nadel und Zwirn mit der Innensohle aus dreifach gelegter Merinowolle vernäht und abschließend mit hochwertigem Loden als äußerste Schicht überzogen (auch nochmal verklebt). Die Filzsohle aus gepresster Merinowolle wird geklebt, gepresst und geschliffen. Für den klassischen Halbschuh-Doggl wird zum Schluss die Lasche ausgeschnitten und mit einer Borte verziert. Insgesamt braucht es rund 6 bis 8 Stunden für die Herstellung eines Paars, wobei sie in der Rohphase drei Tage rasten müssen, damit der Roggenkleister vollständig trocknet. Die Doggln haben eine Lebensdauer von einem bis 20 Jahren. Sie bestehen ausschließlich aus Naturstoffen, die zum einen geruchsneutralisierend sind und zum anderen die Eigenschaft besitzen, sich selbst zu reinigen. Es gibt den Doggl in drei Formen – den traditionellen knöchelhohen Urdoggl, den beliebtesten Halbschuh und den hinten offenen Hauspatschen. Egal für welche Form man sich entscheidet, der Doggl trägt sich am feinsten barfuß und passt sich mit der Zeit dem eigenen Fuß an. Mit einer zusätzlichen Gummisohle drauf kann man ihn problemlos draußen verwenden. Wählt man dabei die Variante aus dem Zillertaler Loden, so ist er auch wetter- und wasserfest.

Zillertaler Doggeln Günther Hartl

Im Shop in Stumm im Zillertal gibt es die Doggln in allen Farben und Formen.

Nicht nur Handarbeit und hochwertige Qualität aus dem Zillertal zeichnen den Doggl aus. Als reines Naturprodukt ist er außerdem besonders nachhaltig – einmal abgetragen, kann man ihn bedenkenlos auf den Kompost werfen. Schließlich werden heutzutage die Gärten mit Schafwolle gedüngt. Die personalisierten Stickereien und eine Auswahl knalliger, modischer Farben, die es zusätzlich zu den klassischen Lodenstoffen im Sortiment gibt, lassen keinen Raum mehr für ein altmodisches Image des Hausschuhs.

Mehr zu den Zillertaler Doggln: www.tirol.at

Asia

Asia hat in einigen europäischen Städten gelebt bis ihre alpinen Hobbys und die Liebe zu den Bergen sie schließlich nach Tirol brachten. Seitdem verbringt sie nicht nur viel Zeit am Berg, sondern begibt sich auch gern auf eine Entdeckungsreise in die Tiroler Kulturwelt – lernt das traditionelle Handwerk kennen, die heimische Architektur und die junge Designszene.

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