Ein Tag im Leben eines Skilehrers – Die Fotoreportage

------

Mehr als 7.000 Schneesportlehrer sind im Winter auf Tirols Pisten unterwegs und betreuen in einer Saison rund 700.000 Gäste. Wir haben Skilehrer Sebastian und seine Kollegen der „Roten Teufel Kitzbühel“ einen Tag lang begleitet.

Maximilian Gerl

Maximilian Gerl lebt in München – und nimmt sich jedes Jahr aufs... Zum Autor

Für Skilehrer Sebastian „Basti“ Kahn beginnt jeder Tag hier: in der Umkleide der „Roten Teufel Kitzbühel“. Gegen neun Uhr morgens ist er meistens da, holt seine Skischuhe aus dem Spind, zieht sich die rote Skilehrerjacke an – und erfährt, für welchen Kurs er an diesem Tag eingetragen ist.

Die „Roten Teufel“ sind die älteste Skischule Kitzbühels, gegründet 1925. Der legendäre Skirennfahrer Toni Sailer führte dreißig Jahre lang die Geschäfte. Heute gehört die Schule Ernst Hinterseer. Er war früher ebenfalls Skirennfahrer, genau wie sein Bruder, der Musiker Hansi Hinterseer.

Basti auf dem Weg zum Treffpunkt. Alle Gruppenkurse der „Roten Teufel“ starten im Zieleinlauf des Hahnenkammrennens, der „Streif“. Dazu muss Basti ein paar Meter zu Fuß durch Kitzbühel.

An der „Streif“ wartet schon Kollegin Jacky. Sie teilt die erwachsenen Schüler je nach Niveau in die Gruppenkurse ein. Dazu müssen diese ein paar Meter auf dem Zielhang vorfahren. Als Sammelpunkte dienen Fahnen, auf ihnen steht zum Beispiel „Anfänger“ oder „Fortgeschrittene“.

Jacky erzählt, sie sei über zwei Ecken mit Toni Sailer verwandt. Im Winter arbeitet sie als Skilehrerin, im Sommer in einem Fahrradgeschäft in Kössen, „das geht sich gut aus“. Ihre Kurse hält sie meistens auf Englisch: 60 Prozent ihrer Schüler sind Engländer und Iren.

Basti in der Seilbahn auf dem Weg zum Gipfel. Er ist 29 Jahre alt und kommt aus Wörgl. Früher unterrichtete er am Arlberg. Seit ein paar Jahren ist er für die „Roten Teufel“ unterwegs. „Guter Name“, sagt Basti über die Schule, viele seiner Kollegen seien Tiroler – das sei inzwischen nicht mehr an allen Schulen so.

Vor jedem Kurs macht Basti ein paar Gymnastik- und Gleichgewichtsübungen mit seinen Schülern. Das wärmt nicht nur auf: Basti kann sich so an das Niveau seiner Schüler herantasten. Die große Herausforderung sei, niemanden zu überfordern, sagt er: „Eine schlechte Abfahrt macht für manchen Gast den ganzen Urlaub kaputt.“

Auch Jacky ist inzwischen mit einem Kurs auf der Piste unterwegs. Sie macht mit ihren Schülern eine Balanceübung, dazu müssen sie ihre Stöcke heben. Der Schwung kommt beim Skifahren aus den Beinen, der Oberkörper bleibt stabil.

Ein Skikurs geht die meiste Zeit so: Lehrer voraus, Schüler hinterher. Damit Basti weiß, was hinter seinem Rücken passiert, schaut er während der Schwünge oft über die Schulter zurück. Nach ein paar Minuten hält er an und erklärt, was ihm am Stil seines Schülers aufgefallen ist – und wie man ihn verbessern kann.

Nach zwei, drei Stunden geht es für die Mittagspause auf eine Hütte. Zeit zum Ratschen. Basti ist eigentlich Profi-Paraglider und entsprechend viel unterwegs: An zwölf verschiedenen Orten auf der ganzen Welt finden während des Sommers Wettbewerbe statt. Der Zweitberuf Skilehrer kommt ihm da für den Winter gelegen. „Es macht ein bisschen den Kopf frei“, sagt er.

Auf der Hütte trifft Basti meistens Kollegen. Etwa den gebürtigen Kitzbüheler Freddy, der seit fast 30 Jahren für die „Roten Teufel“ arbeitet. „Es hat sich viel verändert“, sagt Freddy. Internationalität sei wichtiger, Skilehrer müssten mehrsprachig sein. Außerdem müsse heute alles schneller gehen, weil viele Gäste wenig Zeit mitbrächten. „Früher bist du mit den Leuten abends weggegangen, das gibt’s heut nicht mehr.“ Von Stress lässt sich Freddy nicht anstecken: „Mir ist das wurscht.“

Nach der Pause geht es wieder auf die Piste. Auch dort trifft Basti immer wieder auf Kollegen, zum Beispiel auf Snowboardlehrer Philip. Der gibt gerade einem Teenager aus England Einzelunterricht – und zeigt ihm, wie er am besten mit Brett am Fuß den Hang hinaufkommt.

Philip ist 27 Jahre alt und kommt aus Polen. Dort fährt er im Sommer Taxi und träumt von den Bergen. Den Winter über verbringt er dann in Kitzbühel und gibt Unterricht. Seit ein paar Jahren lebt er dieses Doppelleben. Auch kommende Saison will er wieder da sein: „Bin schon gebucht!“

Manchmal stürzt ein Schüler, das gehört auch dazu, meistens ist es nichts Schlimmes. Basti arbeitet jeden Tag vier, fünf Stunden – das aber eine ganze Wintersaison lang. Freizeit ist selten. „Wenn du Geld verdienen willst, machst du das halt“, sagt Basti.

Wenn Basti nicht arbeitet, arbeitet er unter anderem auf Parcours an seiner Technik. Derzeit macht er eine Weiterbildung zum Diplom-Skilehrer. Die Tiroler Skilehrerausbildung gilt als beste der Welt, entsprechend zeitaufwendig sei das, sagt Basti. „Schon beim Aufnahmeverfahren wird ausgesiebt, da kommen nur die ganz Guten weiter.“

Spätestens wenn die Lifte schließen, ist für Basti Feierabend. In der Skischule räumt er seine Sachen ein. Manchmal geht er danach noch ein Bier trinken. Mit Après Ski habe er es weniger, sagt er, aber „es gibt da schon noch Kollegen, die machen das“. Außerdem habe er eine Freundin. „Ich bin jetzt brav.“

Ski & Snowboard

Keine Kommentare