Roller-Scheller-Paare bei der Tarrenzer Fasnacht

Wenn Roller und Scheller „einführen“: die Fasnacht in Tarrenz

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Heiter und fröhlich geht es bald wieder zu im Tiroler Oberland. Am 29. Jänner feiert die Gemeinde Tarrenz ihre große Fasnacht – ein Brauch, der Lebensfreude zum Ausdruck bringt und die dörfliche Gemeinschaft zusammen schweißt.

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Alle vier Jahre wird in Tarrenz alles auf den Kopf gestellt. Plötzlich dreht sich das Leben im Gurgltal nur um das eine – die Fasnacht! Dieser volkstümliche Brauch hat eine lange Tradition, denn so wie in vielen anderen Orten des Oberinntals, hat auch in Tarrenz das so genannte Schemenlaufen stattgefunden. Damals hat man es als eine Kulthandlung betrachtet, die mit den Jahreszeiten, der Fruchtbarkeit und den heidnischen Totenglauben in Verbindung gebracht wurde. Dabei sind die Ursprünge dieser Tradition doch eher in der Lebensfreude der Menschen zu suchen. Gerade die Tiroler beherrschen es ziemlich gut, sich hin und wieder mal so richtig in Szene zu setzen. Über 200 Jahre wurde die Fasnacht bzw. das Schemenlaufen in den meisten Ortschaften Tirols verboten und erst mit Ende des 20. Jahrhunderts nach und nach wieder ins Leben gebracht. Tarrenz feiert nun seit 30 Jahren das große Fest und mit mittlerweile 440 Mitgliedern ist auch der Fasnachtsverein stark vertreten.

Tarrenzer Fasnachtsumzug

„Vor allem die Begeisterung der Jugend lässt die Aufzüge und Umzüge so richtig aufleben“, betont Markus Wörle, Obmann des Tarrenzer Fasnachtsvereins. Die Vorbereitungen sind zeitaufwendig und die Organisation eine Herausforderung. Doch wenn der Festtag bevorsteht und es wieder heißt „in die Fasnacht zu gehen“, ist das ganze Dorf beteiligt und kann es kaum erwarten, der Fantasie freien Lauf zu lassen, den Alltag mit Humor zu betrachten und gemeinsam zu feiern. „Die Fasnacht schweißt die Dorfgemeinschaft zusammen“, das ist Markus Wörle besonders wichtig.

Vorbereitungen auf Hochtouren

Ein Jahr im Voraus fangen die Fasnachtler mit den Vorbereitungen an. Sieben große Wagen gestalten den Aufzug und Umzug der Fasnacht und werden jedes Mal neu gebaut. Der Wagenbau hat in Tarrenz Tradition und erfolgt stets im Geheimen. Erst am Vorabend der Feier werden die Wagen ausgeführt und für die Dorfbewohner sichtbar. Sie werden nach bestimmten Themen gebaut, die eine starke Verbindung zum Dorf haben. Circa 4.000 mühevolle und fantasiereiche Arbeitsstunden braucht es für den Bau eines Fasnachtswagens. Vor allem während des Umzugs, wenn die Zuschauer „eingeführt“, also auf den Wagen und zu dessen Bar geführt werden, spielen sie eine zentrale Rolle. Denn wie der Obmann selbst gesteht: „Ohne a Schnapsl geht’s bei der Fasnacht gar nit.“ Während des Aufzugs, welcher am Vormittag stattfindet und mit dem Mittagsläuten enden muss, fahren auch sieben kleinere „Aufzugswagele“ mit. Diese sind ebenfalls nach Themen gestaltet und stellen kleine Anekdoten vor, bei denen alles, was gerade im Dorf passiert auf die Schaufel genommen wird. Erst nach dem Mittagsläuten geht es mit dem Umzug weiter.

Aufzug zweier prachtvoller Wägen der Tarrenzer Fasnacht

Aufzug zweier prachtvoller Wägen der Tarrenzer Fasnacht

Mitmachen können bei der Fasnacht nur Männer aus dem Dorf. Der Tradition folgend, dürfen Frauen nur bei den Vorbereitungen und während des Umzugs als organisatorische Unterstützung und als Zuschauerinnen dabei sein. Doch gerade im Vorfeld spielen sie eine wichtige Rolle – sie nähen die Kostüme, kleiden die Teilnehmer ein, schminken die Hexen, Ritter, Musikanten und Labarasänger. Als Dank werden sie während des Umzugs ehrenvoll „eingeführt“. Wesentlich für die Fasnacht sind auch die „Larven“, also Gesichtsmasken für die einzelnen Gruppendarsteller. Diese werden nach traditionellem Vorbild von einheimischen Larvenschnitzern geschnitzt und anschließend gefasst. Am Vorabend der Fasnacht findet eine feierliche Messe statt, welche von der Labera-Gruppe veranstaltet wird. Das eigens für die Fasnacht gebraute Bier von der Brauerei Starkenberg wird am 11. November verkostet und leitet die feierliche Zeit offiziell ein. „Ab da gibts in Tarrenz nur noch die Fasnacht“, bekennt der Vereinsobman.

Zusammenspiel der einzelnen Gruppen

Insgesamt nehmen zehn Gruppen an der Tarrenzer Fasnacht teil und gestalten den Aufzug, den Umzug sowie das abschließende Auskehren am Faschingsdienstag. Jede Gruppe übernimmt eine Rolle und nur durch ihr Zusammenspiel wird die Fasnacht lebendig. Eine der zentralen Figuren des Umzugs sind die Roller und Scheller. Sie sind ein Widerspruch zwischen fein und herb, Jugend und Reife. Gemeinsam bilden sie ein Maskenpaar und ihre Tanzschritte während des „Gangl“ müssen genauestens aufeinander abgestimmt sein, sowie die Glöckchen und Schellen im richtigen Takt zueinander gebracht werden. Dieser Tanz muss im Vorfeld fleißig geübt werden, was meist still und heimlich erfolgt. Es ist besonders ehrenhaft von den Roller und Schellern eingeführt zu werden.

Immer wieder bilden sie einen großen „Kroas“, um diesen frei zu halten, braucht es eine weitere Gruppe – die Knüppler und Sackner. Sie sind so genannte Ordnungsmasken und machen den Weg frei. Ein wesentlicher Bestandteil der Tarrenzer Fasnacht sind die Starkenberger Ritter mit ihrem besonders eindrucksvollen Wagen. Eine recht gängige Fasnachtsfigur, die auch hier nicht fehlen darf, ist die Hexe. Tänzelnd bewegt sie sich durch den Umzug und wird von der Hexenmusik begleitet. Die Waldmandln sind eine stille Gruppe, die auf die Vorstellung zurück geht, dass in Wäldern wilde Sippen, Frauen, Männer und deren Nachwuchs leben.

Wie in anderen Orten Tirols gehören auch in Tarrenz Zigeuner mit ihren Bären dazu. Eine kleine Gruppe bilden die Originale mit persönlichen Larven von Männern der Gemeinde, die durch ihre Eigenheiten Interesse erweckt haben und die Verewigung als Maske als humorvolle Wertschätzung ansehen. Die Geigenmalergruppe lässt einen früher stark verbreiteten Brauch temporär wieder beleben und die Labera-Gruppe ist eine Sängergruppe, die keine Maske, dafür Frack und Zylinder trägt und einen Spottvortrag vorbereitet, in dem Missgeschicke der Dorfeinwohner oder Ereignisse, die das Dorf betreffen, auf humorvolle und satirische Weise dargestellt werden. Die Ochsenmusik sorgt für tiefe musikalische Klänge auf Horninstrumenten. Zusätzlich sorgt die Musikkapelle Tarrenz für feierliche Stimmung. Alles in allem lebt die Fasnacht von ihrer Theatralik, von der Fantasie und der Verkehrung. Bald ist es wieder soweit!

Tarrenzer Fasnacht: 29. Jänner 2017 ab 10 Uhr

Brauchtum

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