Leben, wo andere Urlaub machen. Michael Bielowski im Gespräch.

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Der Innsbrucker erklärt ganz persönlich, warum das Leben in Tirol für ihn so lebenswert ist.

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

Firmengründer einer Stickerei, Ex-Vizebürgermeister von Innsbruck, jetzt Olympiaworld-Chef und Präsident des Österreichischen Rodelverbandes: Dr. Michael Bielowski hat schon viel in seinem Leben in Tirol aufgebaut und bewegt. Ich wollte wissen, was der erfolgreiche Geschäftsmann mit seiner Heimat verbindet – abseits seiner beruflichen Funktionen.

Herr Dr. Bielowski, wie war es für Sie, in einem Land wie Tirol auf zu wachsen?
Ein großes Gefühl von Freiheit! Aufgewachsen bin ich in Innsbruck der späten Fünfziger Jahre. Täglich war ich mit meinen Freunden im Freien unterwegs, unser Spielplatz reichte bis zur Hungerburg. Ich bekam einen sehr engen Bezug zur Natur. Es gab so viele kreative Möglichkeiten für Spiele im Gelände! Diese Freiheit habe ich voll ausgekostet. Leider ist diese Freiheit für Kinder von heute nicht mehr selbstverständlich.“

Dann sind Sie auch viel gerodelt als Kind? Und haben somit den Grundstein gelegt, später Präsident des Österreichischen Rodelverbandes zu werden?
Dr. Michael Biewlowski lacht. „Ja, das Rodeln habe ich geliebt. Ich bin viel mit meinen Freunden rodeln gegangen, natürlich ohne Eltern. Wir sind mit der Igler Bahn hinaufgefahren und dann runter gerodelt. Das war ein Spaß! Ich habe diesen Sport aber nie wettkampfmäßig betrieben, sondern nur aus Freude. Zur Rodel-Weltmeisterschaft in den Neunziger Jahren bin ich durch reinen Zufall gekommen.“

Ende Jänner findet ja die Rodel-WM in Innsbruck statt. Die Vorbereitungen dazu laufen schon länger auf Hochtouren. Wie gehen Sie mit Stress um?
„Es klingt vielleicht seltsam, aber Stress in dem Sinn gibt es für mich nicht. Viel Arbeit motiviert mich, auch wenn es bedeutet, abends mal länger zu bleiben oder am Wochenende im Einsatz zu sein. Ich habe das große Glück, eine Tätigkeit auszuüben, die mir sehr viel Freude bereitet. Wenn man von Stress überhaupt reden kann, dann nur im positiven Sinn. Die Kraft dafür schöpfe ich in den Bergen. Die Tiroler Natur ist mein Lebenselixier.“

Welchen Berufswunsch hatten Sie ursprünglich?
„Nichts Bestimmtes. Ich bin von Natur aus ein offener und neugieriger Mensch. Neues zu probieren fand und finde ich nach wie vor sehr spannend. Somit war ich nie an nur einer einzigen Tätigkeit interessiert. Deshalb habe ich einiges ausprobiert in meinem Leben“.

Was war für Sie das Interessanteste, das Sie ausprobiert haben?
„Mein Aufenthalt als Helfer auf einer Missionsstation in Afrika nach der Matura war schon sehr spannend. Es war meine erste große Reise und im Jahre 1971 eine echte Besonderheit. Damals reiste man höchstens mal an die Adria. Es war eine tolle Erfahrung, eine enorme Erweiterung des eigenen Horizonts. Ich habe gelernt, andere Menschen und Lebensweisen zu respektieren.“

Sie sind beruflich viel unterwegs. Wie fühlen Sie sich als Tiroler, wenn Sie im Ausland sind?
„Mir kommt vor, je weiter man von Tirol weg ist, desto positiver ist es besetzt. Als ich beispielsweise vom Flughafen mit der Bahn nach London gefahren bin, traf ich auf ein paar Engländer, die gerade aus dem Skiurlaub in Tirol zurück gekommen waren. Sie haben so geschwärmt – interessanterweise davon, wie viele verschiedene köstliche Brotarten es in Tirol gibt. Für uns Selbstverständliches ist für andere oft etwas ganz Kostbares. Ich bin sehr stolz, ein Tiroler zu sein.“

Was ist Heimat für Sie?
„Wenn ich ganz oben am Berg stehe und nach unten schau. Dann spüre ich Liebe, mir wird ganz warum ums Herz. Dann weiß ich wieder, ich bin genau dort, wo ich hingehöre. Genau hier will ich leben, in diesem Land.“

Was macht Tirol für Sie so besonders?
„Es ist die Vielfalt an lauter Einzigarten, die es hier gibt, Wasser, Natur, Berge. Innerhalb einer halben Stunde ist man im Hochgebirge – wo gibt es das sonst noch? Wir leben dort, wo andere Urlaub machen. Die Infrastruktur ist ausgezeichnet, die Ärztedichte enorm. Ich habe einen Freund in Deutschland, der fährt auch schon mal 75 km, um einen Facharzt zu finden. So einen Mangel gibt es bei uns einfach nicht. Wir haben eine außergewöhnliche Lebensqualität in Tirol.“

Was gefällt Ihnen an der Tiroler Mentalität?
„Die Tiroler packen gern mit an. Es sind aktive und hilfsbereite Menschen.

Was gefällt Ihnen weniger?
„Das Jammern auf hohem Niveau. Nur ein Beispiel: Eine etwas längere Wartezeit an der Ampel ist gleich ein Mega-Stau. Auch das Pendeln ist immer wieder Thema, obwohl die erforderliche Zeit im Vergleich mit anderen Ländern meist kaum der Rede wert wäre. Ich kenne Leute im Ausland, die täglich 3 bis 4 Stunden Arbeitsweg haben“. Dr. Bielowski schmunzelt. „Aber so sind wir halt.“

Sind die Tiroler gastfreundlich?
„Ja sehr, auf eine ehrliche Art. Sie sind authentisch. Und das ist sympathisch.“

Gibt es eine Tiroler Lieblingsspeise?
„Ich mag eigentlich alles. Aber so ein Gselchtes mit Kraut, das ist schon ein besonderer Genuss für mich. Und ich liebe Polenta, eine fast vergessene Speise. Als Kind habe ich das oft bekommen, in allen möglichen Variationen. Sehr lecker.“

Verraten Sie uns Ihren ganz persönlichen Tiroler Kraftplatz?
„Aber gerne. Das ist die Seegrube über Innsbruck. Ich liebe es, dort oben zu sitzen und meinen Blick über das Inntal streifen zu lassen. Ich genieße diese Weite, die trotz der Berge spürbar ist. Tirol ist ganz und gar nicht eng, wie viele glauben – im Gegenteil, Tirol ist ein großer Platz von Freiheit. Einfach mal rauf gehen, eine Stunde nach unten schauen, dann relativiert sich vieles.“ Dr. Bielowski ergänzt: „Mein anderes Hobby ist Segeln. Für manche ist das ein krasser Gegensatz zum Berggehen. Ist es aber nicht, diese Weite ist am Berg genauso spürbar wie auf dem Meer. Ich begebe mich hier und dort in Einklang mit der Natur, ich schwinge mit. Das ist schön.“

Können Sie sich vorstellen, woanders als in Tirol zu leben?
„Nein. Ganz klar, nein!“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
„Dass mit der Natur respektvoll umgegangen wird. Und natürlich Frieden. Wir leben in der längsten Periode ohne Krieg. Das wünsche ich mir. Dass es weiterhin so bleibt.“

 

 

Wer mehr über die Rodel-WM wissen möchte, findet alle Infos dazu hier:
Rodel WM 2017

Und wer zwei Rodelprofis beim Trainieren zu sehen möchte, kann das hier:
Sport Tirol
Schmunzeln erlaubt ;-)

 

Titelbild: Jan Hetfleisch
Bilder im Text: Jan Hetfleisch, Österreichischer Rodelverband/Kristen Images, Tirol Werbung/Verena Kathrein

Leben in Tirol, Rodeln

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