Da, wo sie nichts haben – Tipps für ein Skitourenwochenende im Osttiroler Villgratental

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Hier steht die Zeit still. Zumindest für ein Wochenende. Auf der Suche nach schönen Skitouren bin ich zu Ostern 2016 ins Villgratental nach Osttirol gefahren – und fündig geworden. Mein Erfahrungsbericht inklusive persönlicher Tipps für ein gelungenes Skitourenwochenende im Bergsteigerdorf Innervillgraten.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Mein Atem gleicht einer Dampflok, schnell und regelmäßig. Die Sonne wärmt mir den Rücken, während ich die Ski abwechselnd nach vorne schiebe. Wie ein Langläufer im Zeitlupentempo, denn schließlich geht es hier bergauf und meine Tourenski wiegen doch mehr als die eines Langläufers. Der Weg hinauf zum Gaishörndl ist bereits „gespurt“, wie Skitourengeher sagen. Noch so eine Parallele zum Langlaufen, nur dass hier anstatt einer Pistenraupe der erste Tourengeher des Tages die Spur im frisch gefallenen Schnee anlegt.

Genug Platz für alle am Weg zum Pfanntörl: So viel ist im Villgratental an einem starken Skitourenwochenende los.

„Wir haben nichts.“ Aber vieles für Skitourengeher…

Unsere Erwartungen am Weg ins Villgratental waren gedämpft, schließlich hatte es bisher in diesem Winter recht wenig geschneit. Eingefleischte Skitourengeher wissen aber, dass die Skitourensaison im März erst so richtig startet. Vor allem in einem Bergsteigerdorf wie Innervillgraten, das recht hoch liegt, nämlich exakt 1.402 Meter über dem Meeresspiegel.
„Kommen Sie zu uns, wir haben nichts.“ – mit diesem Slogan wirbt das Tal. Tatsächlich: Einen Skilift sucht man in Innervillgraten vergeblich, obwohl die schneebedeckten Berghänge perfekt zum Skifahren geeignet sind. Skitourengeher freut das, denn allein rund um Innervillgraten gibt’s 15 verschiedene Skitourenmöglichkeiten, wie ich beim Nachschlagen in meinem Skitourenführer festgestellt habe. Wer ein paar Minuten mit dem Auto fährt, entdeckt bei Außervillgraten und im Lesachtal nochmal zahlreiche weitere Skitouren. Da bräuchte es schon mehr als nur ein Wochenende. Bei Außervillgraten und Sillian liegt auch das kleine, aber feine Skizentrum Sillian Hochpustertal – falls man doch mal einen Abstecher auf die Skipisten machen möchte.

Unterdessen folgen wir weiter der Spur in Richtung Gaishörndl. Links von uns liegt eine kleine Almhütte, mitten im Wald. Viele der Hütten hier sind hunderte Jahre alt. Auch die Kamelisenalm in 1.973 Metern Höhe, welche wir am nächsten Tag bei einer weiteren Skitour am Weg zum so genannten „Roten Kinkele“ passieren. In einigen der Hütten auf der Kamelisenalm mieten sich sommers Feriengäste ein – romantischer geht’s wohl kaum.

 

Erster Tag, Skitour zum Gaishörndl: Die Ruschletalm versteckt sich am Waldrand.

 

Mindestens so wichtig wie der Weg zum Gipfel: Die schöne Abfahrt ins Villgratental.

 

Zweiter Tag, Skitour zum „Roten Kinkele“: Die Kamelisenalm ist ein echter Hingucker.

Auf Schmugglerpfaden zum Gipfel

Meine Gedanken schweifen ab. Der Rhythmus beim Bergaufgehen hat etwas Meditatives. Wir passieren ein vom Wetter zerfurchtes Holzkreuz. Ist das bereits der Gipfel? Nein, aber das namenlose Kreuz scheint auch auf unserer Karte auf, also befinden wir uns am richtigen Weg – hinauf zur österreichisch-italienischen Grenze. Hier verläuft ein Pfad, auf dem die Villgrater Bauern bis in die 1960er-Jahre Lebensmittel, Tabak und Rinder hinüber nach Italien schmuggelten, ins angrenzende Gsiesertal. Dort verkauften sie ihre Waren um gutes Geld oder tauschten sie gegen Schuhe, Schürzen und andere Produkte aus Italien ein. Heute erinnert kaum mehr etwas an diese Zeit der Armut. Der Schmugglerpfad ist heute Teil des Herz-Ass-Wanderwegs, einer Weitwanderroute rund um die Villgrater Berge.

Ein namensloses Kreuz weist den Weg zum Gaishörndl.

Am Gipfel des Gaishörndls genießen wir den buchstäblich grenzenlosen Blick auf 2.615 Metern Höhe. Vor uns die italienischen Dolomiten, hinter uns die Villgrater Berge mit ihren schönen Skihängen. Einig wenig Tee, eine kleine Jause, Ski anschnallen und ab geht’s. Weil der Schnee so gut zu fahren ist, entschließen wir uns nach einigen hundert Abfahrtsmetern, nochmals aufzusteigen, diesmal zum Pfanntörl. Hier liegt ein Tourenziel direkt neben dem anderen. Wer braucht da schon einen Lift, wenn es auch zu Fuß geht?

Bieten genug Platz für erste Spuren: Die Almhänge im Villgratental.

Mein Einkehrtipp: Badl Alm in Kalkstein

Gleich beim Ausgangspunkt, dem Parkplatz in Kalkstein auf gut 1.600 Metern Höhe, liegt eine sehr empfehlenswerte Einkehrmöglichkeit, die Badl Alm. Kalkstein ist auch bekannt als Filmkulisse („Zwölfeläuten“, „Heidi“, „Gewitter im Mai“) und für seine im neugotischen Stil erbaute Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Meine Tourentipps: Gaishörndl und Rotes Kinkele

Einer der beliebtesten Ausgangspunkte für viele Skitouren im Villgratental ist der Ortsteil Kalkstein. Er liegt nur wenige Autominuten taleinwärts von Innervillgraten. Eine praktische Alternative zum eigenen Auto bietet übrigens das Skitourentaxi Villgraten. Von Kalkstein aus startet auch die Tour aufs 2.615 Meter hohe Gaishörndl. Dabei erwarten euch knapp 1.000 Höhenmeter über perfektes Almgelände zurückzulegen. Alternativ könnt ihr auch das etwas niedrigere Pfanntörl (2.508 Meter) ansteuern.

Am zweiten Tag unseres Tourenwochenendes haben wir eine etwas längere Tour (1.270 Höhenmeter) auf das Rote Kinkele (2.763 m) unternommen. Von Innervillgraten kommend, biegt ihr mit dem Auto rechts ins Arntal ein und startet die Tour beim Parkplatz neben den „Lifter Höfen“. Bei guter Schneelage (und guter Kondition) könnte man diese Tour sogar direkt von Innervillgraten aus gehen. Zu den optischen Highlights der Tour zählt neben dem Bergpanorama sicherlich die unbewirschaftete Kamelisenalm. Von dort geht’s weiter Richtung Rotes Kinkele. Am Gipfelgrat wird es nochmal spannend, ansonsten, ansonsten verläuft die Tour ohne nennenswerte Schwierigkeiten über schönes Almgelände.

Wer geführte Skitouren bevorzugt, wird auf der Website Villgraten – das Tal der Tourengeher fündig.

Sieht schwieriger aus als er ist: Der Gipfelgrat zum roten Kinkele.

Mein Übernachtungstipp: Natur Residenz Villgraten

Wir haben das Wochenende in einer Ferienwohnung der Natur Residenz Villgraten verbracht. Naturholzmöbel, Betten und Bezüge mit Schafwolle aus der Region (Auflugstipp: Der Shop der Firma Villgrater Natur liegt in Innervillgraten), ein gutes Frühstück mit Zutaten aus der Umgebung, und sogar eine hauseigene Sauna – perfekt für ein schönes Skitourenwochenende. Das ist selbstverständlich nur eine von vielen schönen Unterkünften im Bergsteigerdorf Innervillgraten.

Mein Literaturtipp: „Skitouren und Schneeschuhtouren im Villgratental“

Sehr empfehlen kann ich den Tourenführer „Skitouren und Schneeschuhtouren im Villgratental“ (Hg. TVB Osttirol, Infobüro Villgratental). Er beschreibt 30 Skitouren rund um das Villgratental und die angrenzenden Gebiete. Erhältlich ist er im Tourismus-Infobüro oder in eurer Unterkunft. Ihr könnt ihn euch auch vorab per Post zuschicken lassen. Details dazu findet ihr auf der Website des Osttiroler Tourismusverbands.

Weitere Linktipps: Tiroler Lawinenwarndienst und Skitouren-Packliste

Bitte informiert euch beim Tiroler Lawinenwarndienst über die aktuelle Schneesituation, plant eure Touren verantwortungsvoll und nehmt immer die passende Ausrüstung mit. Nützliche Ausrüstungstipps findet ihr in Esthers Esther beschreibt in ihrem Blogbeitrag eine praktische Packliste für Skitouren. Auf www.tirol.at findet ihr weitere Tipps für Skitouren in Tirol.

Ende März 2016: Ausblick von der Kamelisenalm auf die Villgrater Berge. (Alle Fotos: Michael Gams)

3 Kommentare

  • Ingrid
    Ingrid
    Gerade für Skitouren-Einsteiger ist die Tour auf den "Pürglers Kunke" sehr zu empfehlen. Ausgangspunkt ist ebenfalls Kalkstein. Hier geht's zur Beschreibung: https://maps.osttirol.com/skitour#resourceDetail,2509871. Mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" kann auch die Initiative "Kraftwerke Villgraten" ausgezeichnet werden. 6 Betriebe - vom Gasthof bis zum Besenmacher - haben sich als gemeinsames Ziel gesetzt "die Schätze ihrer Heimat mit vereinter Kraft behutsam weiterzugeben. Alle an den Besonderheiten dieses Tales teilhaben zu lassen.": http://kraftwerkevillgraten.at/ .
    • Michael
      Michael
      Vielen Dank für Deine Tipps, Ingrid! Ich habe die Zeit im Villgratental sehr genossen und überlege schon, im Sommer mal wieder vorbeizukommen. Schließlich gibt's da auch tolle Möglichkeiten zum Wandern und auch Deine Mountainbike-Blogtipps muss ich mal ausprobieren.
  • SUYS Christian
    Danke für die bilder