Mit Figln an den Füßen bergab – Ein Selbstversuch

Aktualisiert am 08.11.2017MichaelMichael

Firngleiter heißen in Tirol kurz und bündig Figl. Geh ma Figln, sagte ich zu Freunden. Und wusste nicht, worauf ich mich einließ.

Nach fünf Jahren in Tirol habe ich manchmal Angst vor mir. Früher, da bin ich gern in der Sonne gelegen, am See. Ein Buch lesend. Statt Seen sind es nun Berge und statt Büchern Wanderkarten. Im Keller fünf Paar Ski und ein Mountainbike. Bin ich zum Tiroler Bergmensch mutiert? Dabei kenne ich mindestens fünf in Tirol geborene und hier aufgewachsene Menschen, denen die Berge fremd sind. So fremd wie mir der Strand von Nizza.

So geht Figln. Das auf dem Foto bin nicht ich – leider. Aufgenommen in der Karrinne am 2. April.

Vor kurzem trieb mich mein Möchtegern-Tirolertum wieder hinauf – Samstags aufs Judentörl, Sonntags aufs Hafelekar. Mit Freunden, die auch alle echte Tiroler sind. Immerhin leben und arbeiten sie hier. Darunter ein gebürtiger Salzburger. Eine Schwedin. Eine Finnin. Eine Vorarlbergerin. Geh ma figln, sagte ich also lässig. Nach dutzenden Skitouren fühlte ich mich bereit dafür. Am Samstag schnürten wir die Wanderschuhe und schnallten Figl – made in Tirol – auf unsere Rucksäcke.

Wir starteten beim Gasthof Straßberg oberhalb von Telfs und wanderten südseitig bergauf. Wie Bergmenschen wissen, schmilzt auf Südhängen der Schnee im Frühling als erstes. Oben stapften wir dennoch eine halbe Stunde durch den Schnee bis zum 1.935 Meter hohen Judentörl. Egal, geschafft. Wir fummelten an der Schnürbindung unserer Figl, unter uns das schneegefüllte Kar. Abstoßen, losfahren – und stürzen. Immer wieder. Schwieriger Schnee, sagte mein Salzburger Freund, ein Figl-Routinier. Ich fühlte mich wie das erste Mal auf Skiern. Auf Figln war es tatsächlich das erste Mal für mich. Im flacheren, unteren Teilstück trugen uns die Figl mühelos – wir feuerten uns gegenseitig an und lachten.

Figln is fun! #lovetirol #figl #firngleiten #firn #skiing #frühling #alplhütte #judentörl

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Zweiter Versuch am Sonntag. Innsbruck, Hafelekar, 2.334 Meter Seehöhe. Hier war der Aufstieg bequemer, wir fuhren mit der Gondel hinauf. Neben uns in der Gondel standen andere Figler. Ich nenne sie mal so. Figler. Der typische Hafelekar-Figler trägt Skischuhe und Skihose. Ich schaute an mir hinunter. Wanderschuhe. Wanderhose. Ausstieg, fünf Fußminuten bis zur Karrinne. 70 % Gefälle. Traust du dich? – so steht’s auf der Innsbruck-Webseite. Lächerlich. Ich fuhr los. Fiel hin. Überschlug mich. Dreimal. Fünfmal. Kinder überholten mich, schwebten auf ihren Figln die Rinne lachend hinunter. Mit meinen Wanderschuhen hatte ich einfach keine Kontrolle über die Dinger. Eine Abfahrt reichte. Hafelekar, ich komme wieder – nächstes Mal mit Skischuhen.

Kids auf der Überholspur in der Karrinne.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

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