Langsam geht es über die Waldgrenze hinaus

Sicherheitsmanagement auf Skitour: 6 Inputs

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6 „normale“ Skibergsteigerinnen, 6 verschiedene Eindrücke.

Martina, Nicole, Denise, Katarzyna, Christian und Alessandra haben gemeinsam mit Bergführer Walter eine Skitour gemacht und dabei locker und spielerisch modernes Sicherheitsmanagement am Berg in der Praxis geübt.

Nach der Tour hat jedeR hat seine persönlichen Gedanken in ein paar Zeilen niedergeschrieben.

Christian

Christian Klingler erkundet Tirol bis in die hintersten Winkel und... Zum Autor

Martina

Mit den Skiern im freien Gelände unterwegs zu sein, bedeutet immer auch eine gewisse Herausforderung. Und trotzdem gibt es wohl kaum eine faszinierendere und schönere Art, die Berge kennen zu lernen. Gerade im Frühjahr: der sulzige Schnee, die Fernsicht zu schier endlos entfernten Tiroler Berggipfeln, die angenehmen Temperaturen durch die wärmende Märzensonne und der erfrischende Radler danach – gewiss, eine Aktivität mit Suchtpotenzial.

Umso wichtiger jedoch, immer wieder auf die Gefahren und Stärke der Natur hingewiesen zu werden. Aufzupassen. Respektvoll zu sein. Nicht oft genug kann man Hangneigungen, Schneeverhältnisse und weitere Gefahrenquellen einschätzen. All das in der Praxis bei Traumwetter und im Kreise einer netten Gruppe zu lernen und zu üben, macht doppelt Spaß.

Die für mich prägendste Erkenntnis des Tages:
„Ein Berg ist kein Frosch, er hüpft nicht weg!“ – Lieber also zweimal zu oft umdrehen als einmal zu oft einen Gipfel zu erzwingen.

Christian

Gefühlte hundertmal hab ich so etwas schon gemacht, in Theorie und Praxis. Und immer wieder lerne ich etwas Neues. Das liegt vor allem an unserem Guide Walter, der es versteht, auch trockene Inhalte locker zu vermitteln. Seine witzigsten Bemerkungen hab ich mir notiert.

Wetter und Verhältnisse können wir nicht ändern, aber das Ziel können wir beeinflussen.
Was ist 40° steil? Faustregel: felsdurchsetztes Gelände. Faustregel: Ab 30° muss man Spitzkehren machen
Die Steighilfe verhindert Druck am Ski – besser ohne.
Immer positiv dem Fell gegenüber sein: Du hältst mich!
Die elementare Lawinenmethode (Munter) funktioniert nicht bei Nassschnee.
Puffer einbauen: Lawinensichere Geländeformen nutzen, vom Hang und vom Bachgraben weg bleiben.

Nicole

In Innsbruck hängen die Wolken noch tief, als wir in Richtung Sellraintal losstarten. Aber bereits auf dem Weg nach Praxmar wird es immer heller, bis uns schließlich beim Alpengasthof Praxmar angekommen strahlender Sonnenschein empfängt. Nach einer kurzen theoretischen Einführung geht es zur Praxis. Ski auffellen, Skier anschnallen, Pieps-Check und los geht’s im Gänsemarsch. Immer wieder machen wir kurz Halt, damit uns unser Guide Walter theoretisches Wissen möglichst praxisnah erklären kann. Spitzkehren, die optimale Routenwahl, Einschätzung der umliegenden Hänge, usw.

Nach ca. 2 Stunden Aufstieg in Richtung Zischgeles herrschen bereits frühlingshafte Temperaturen und wir entschließen uns, die Abfahrt ins Tal anzutreten. Im Tal gibt noch ein bisschen Theorie zum Thema Lawinenausrüstung und wir versuchen, mittels LVS-Gerät den vergrabenen Pieps zu finden – was uns im Januar aufgrund der Schneelage vermutlich schwerer gefallen wäre :-)
…und als Belohnung (als ob dieser Tag nicht ohnehin schon lohnend genug gewesen wäre ;)) gibt es dann noch eine richtig gute Stärkung im Alpengasthof Praxmar. Das wird wohl nicht mein letzter Lawinenkurs gewesen sein ;)

Denise

Lawinenkurs und Skitour Ende März bei prophezeiten 20 Grad? Ich ging mit gemischten Erwartungen in diesen Tag und wurde mit einer tollen Tour im Tiroler Sellrain und vielen hilfreichen Informationen belohnt. Ein rundum herrlicher Tag!

Skitouren im freien Gelände ist ein ganz besonderes Gefühl, schon fast ehrfürchtig blicke ich auf die verschneiten Gipfel rund um uns. Beim Üben mit dem Pieps merkt man schnell, dass so etwas nicht oft genug geübt werden kann um es zu verinnerlichen!

Was ich mir besonders zu Herzen nehmen will von diesem Tag:

Elementare Lawinenmethode funktioniert nicht bei Nassschnee
Puffer einbauen – Gelände nutzen & vom Hang weg bleiben.
Gruppendynamisches Handeln

Alessandra

Wenn es um die Analyse der Lawinengefahr geht, gilt „Wetter und Verhältnisse können wir nicht ändern“. Für unsere Skitour hatten wir Glück. Das sonnige, schon fast sommerliche Wetter verwandelte unser Lawinen-Seminar in eine herrliche Frühlingstour. Die Situation der Schneeverhältnisse wurde während unserer Tour step by step gemeinsam eruiert und von Walter bestens erklärt. Unter uns, den sieben Geißlein, war eine wissbegieriger als die andere, wodurch sehr informative Diskussionen zum Thema Lawine und Gefahrenzonen entstanden sind.

Ein weiteres Prinzip: „das Ziel können wir beeinflussen“ haben wir wortwörtlich genommen und uns nach 600 Höhenmetern für Übungen mit der Lawinenausrüstung im Tal entschieden. Die Sonde zu werfen soll geübt sein! LVS-Geräte wurden im Schnee versteckt und mit größtem Einsatz ausgegraben.

Gruppendynamisches Handeln ist ein Stichwort, das in Gefahrensituationen lebensrettend sein kann. Unsere Gruppendynamik hat sich an diesem Tag so geäußert, dass ein tolles Miteinander unter Kollegen und Freunden stattgefunden hat und die sieben Geißlein, angeführt von ihrem Wolf, ihr Snow-How wirklich verbessern konnten. Danke für den lehrreichen und traumhaften Tag mit einprägsamen Momenten in der Natur!

Unser Skimo-Team

Unser Skimo-Team nach der Tour

(Die Inputs von Kasia und Alessandra werden wir noch nachreichen.)

Fact Box

Ausgangspunkt: Praxmar im Sellrain, Innsbruck Tourismus
Ziel: Zischgeles 3.004 m
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Regiobus Sellraintal Linie 4166
Bergführer: Walter Würtl, Alpinwissenschafter, Autor, Sachverständiger
Dauer: Aufstieg vom Berggasthof Praxmar auf den Gipfel des Zischgeles 1230 hm, ca. 4 h.
Unsere Tour: ca 900 hm, 3 h
Text: Martina N. und Christian K.
Fotos: selbst fotografiert von den Teilnehmern
Interaktive Karte: Skitour Zischgeles

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