Ein Berg. Ein Name. Dieser hier heißt Marokka-Gipfel.

Nomen est Omen? Die Tiroler Gipfel und ihre zum Teil ziemlich merkwürdigen Namen.

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Lust auf ein Rendezvous mit dem „Wilden Mannle“? Oder eher mit dem „Bösen Weibele“? Bevor falsche Gedanken aufkommen: es handelt sich hierbei um die Namen von Tiroler Berggipfeln. Ebenso wie bei der „Fleischbank“, dem „Gschrappkogel“ oder dem „Zischgeles“. Ich habe bei meiner Recherche einiges an Kuriosem, Lustigem und Seltsamem gefunden und möchte euch das Resultat nicht vorenthalten. Und ganz zum Schluss verrate ich euch sogar ein paar Berge, deren nicht ganz jugendfreie Namen es wirklich auf den Gipfel treiben.

Fabienne

Fabienne ist Tirol Werberin aus Leidenschaft. War früher ständig... Zum Autor

Es gibt Berge, die heißen so, wie man es auch von einem Berg erwartet: Großvenediger. Seekarspitze. Hohe Salve. Es gibt aber auch solche – und davon in Tirol sogar recht viele – deren Namen einem ein Lächeln auf die Lippen, einen Knoten in die Zunge oder gar die Schamesröte ins Gesicht treiben. Hier mein persönliches Best-of der ausgefallensten Namen von Tiroler Berggipfeln. Und zum Schluss des Beitrags verrate ich euch auch noch, wie die Berge überhaupt zu ihren Namen kamen.

Eiskarlspitze und Spritzkarspitze. Beides ziemlich schroffe Genossen. Foto: Haneburger

Die Lustigen

Hier wäre ich gern ein Onomatologe (das ist jemand, der sich von Berufs wegen mit der Herkunft von Namen beschäftigt), denn als Laie frage ich mich: wie bitte kommt jemand darauf, einen Berg „Gargglerin“ oder „Hohe Achsel“ zu taufen? Weitere Paradebeispiele in dieser Kategorie:

Plumsjoch. Unnütz. Finsterwitzkopf. Fundusfeiler. Innerer Knorrkopf. Mullwitzkogel. Torhelm. Kopfkraxn. Kuchenspitze. Verpeilspitze. Großer Löffler. Hochfrottspitze. Mädelegabel. Großer Krottenkopf. Bettelwurf.

Die Zungenbrecher

Achtung, diese Kategorie eignet sich nur für jene, die mit dem Tirolerischen schon etwas vertraut sind – ansonsten besteht zum Teil akute Verknotungsgefahr in der Zunge:

Bschießer. Zischgeles. Pflerscher Pinggl. Tschirgant. Gigalitz. Patteriol. Muntanitz. Eiblschrofen. Furtschaglspitze. Ochsenälpeleskopf. Zsigmondyspitze. Spritzkarspitze. Hinterreintalschrofen. Falschunggspitze.

So schaut also ein Pinggl aus. Der Pflerscher Pinggl. Foto: Svíčková CC BY-SA 3.0

Die Tierischen

Henne. Habicht. Hahnenkamm. Im Tiroler Gebirge geht es wahrlich animalisch zu, wie auch die folgenden Gipfelnamen beweisen:

Gänsekragen. Oberer Saukopf. Wurmsitzkogel. Biberkopf. Fuchskarspitze. Gamsspitzl. Schafgrübler. Kuhscheibe.

Die Menschelnden

Trieb sich am Bösen Weibele tatsächlich eine ebensolche Frau herum? Und wer oder was brachte den Namensgeber des „Wilden Pfaff“ dazu, einen Berg wie einen stürmischen Pfarrer zu benennen? Ich hätte diese Zeitgenossen jedenfalls gerne kennengelernt, welche für die Namen dieser Gipfel Pate standen.

Böses Weibele. Wildes Mannele. Christaturm. Daniel. Wilder Pfaff. Hinterer Maurerkeeskopf. Karlspitzen. Pfaffenschneide. Rainerhorn. Ralfkopf. Ohrenspitzen.

Der Große Galtenberg. Foto: ÖAV Sektion Vorder-Ötztal/Schrott.

Die Imposanten

Es gibt viele Gipfel mit dem Zusatz „Großer“ oder „Hoher“ im Namen, aber einige darunter klingen für mich ganz besonders beeindruckend.

Großer Galtenberg. Großer Geiger. Hoher Zahn. Hochglück. Babylonischer Turm. Hohes Licht. Großer Beil.

Die Zweideutigen

Minderjährige Leser aufgepasst – jetzt geht es ans Eingemachte. Was ist solchen Namen noch hinzuzufügen?!

Fotzenkarstange. Dreiecker. Kitzmörder. Großer Möseler. Säuling. Sexegertenspitze. Stripsenkopf. Blaser. Viggarspitze.

Scheibler, Kuchenspitze und Küchlspitze, Foto: Cubemaster02 CC BY-SA 4.0

Wie die Berge zu ihrem Namen kamen

Über 600 Dreitausender gibt es in Tirol, wie viele Gipfel es insgesamt sind, das lässt sich leider nicht ganz genau sagen … Um die 4.000 sollen es unbestätigten Angaben zufolge sein … Der Ursprung ihrer Namen ist so unterschiedlich wie die Berge selbst: einige haben einen geographischen oder geologischen Bezug wie „Östliche Karwendelspitze“, „Stanser Joch“ oder die „Kalkkögel“, manche beziehen sich auf den Stand der Sonne zu einem bestimmten Zeitpunkt – Berge wie der „Zwölferkopf“ oder der „Mittagskogel“ dienten den Menschen früher als sogenannte Zeitzeigeberge. Andere wie die „Ahornspitze“ oder die „Falkengruppe“ wiederum geben einen Hinweis auf die dortige Flora und Fauna.

Manchmal waren echte Experten am Werk

Viele Gipfel verdanken ihren Namen auch Einheimischen und den Dingen, die diese damals mit dem Berg verbunden haben. Vor ihrer Besteigung und Erforschung im Zuge des aufkommenden Alpinismus im 19. Jahrhunderts galten die meisten Gipfel als mysteriöse Orte, an denen sich vielleicht sogar Geister herumtrieben … Und es gab auch viele Berge, die zu Beginn der Kartographie noch keinen Namen hatten, weshalb Forscher und andere „Spezialisten“ wie Jäger, Bauern oder jemand anderer aus dem Dorf einen erfinden mussten – mit – wie ihr gesehen habt – zum Teil mehr als skurrilem Ergebnis.

Wandern

1 Kommentar

  • Ernst Zotz
    In Namlos Bez. Reutte gibt es sogar den Bergrücken "Namloser Arsch"