Almgeschichten: die Falbesoner Ochsenalm im Stubaital

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Es würde sich auch ein Tagesmarsch lohnen, zum Glück braucht es aber nur eineinhalb Stunden Aufstieg bis zur Falbesoner Ochsenalm. Dort wird man mit einem Angebot belohnt, das an Großmutters Speisekammer-Naschereien erinnert: hausgemachtes Brot, Butter, Graukas, Speck, Striezel, Buttermilch, Holundersaft…

Irene Prugger

Irene Prugger ist Schriftstellerin und freie Journalistin. Neben... Zum Autor

Maridl Schmid, Pächterin und Hüttenwirtin der Falbesoner Ochsenalm, ist so etwas wie eine Institution. Wenn sie in der Almküche zugange ist, begrüßt sie die Gäste nicht im schicken Dirndl, sondern trägt über ihrer einfachen Kleiderschürze eine weiße Halbschürze gebunden. Und das ist sie in der Almsaison jeden Tag. Bis auf heuer. Ausgerechnet im Jahr ihres 60. Geburtstages kann sie wegen einer Operation nur sporadisch auf der Alm sein.

Die Gäste brauchen dennoch nicht auf eine ausgezeichnete Verköstigung zu verzichten. Solange Maridl außer Gefecht ist, „schupfen“ Maridls sechs Kinder sowie Nichten und Neffen und sonstige Verwandte abwechselnd den Laden. Sogar für den hausgemachten original Stubaier Käsestriezel ist gesorgt, einer von Maridls Cousins hat diese Aufgabe übernommen. Und es gibt weiterhin auch hausgemachtes Brot!

Maridl Schmid hat die Falbesoner Ochsenalm von ihrer Mutter übernommen. Sie sieht ihre Almarbeit als Vermächtnis an ihre Eltern: dass sie ihr die Almarbeit nahe gebracht und ihr damit etwas sehr Wertvolles mitgegeben haben.

Maridl Schmid hat die Falbesoner Ochsenalm von ihrer Mutter übernommen. Sie ist die Seele des Almbetriebes.

Aus eigener Erzeugung: Die Falbesoner Ochsenalm ist eine der wenigen Almen in der Umgebung, wo Milch, Butter und Graukäse selber produziert werden.

Aus eigener Erzeugung: Die Falbesoner Ochsenalm ist eine der wenigen Almen in der Umgebung, wo Milch, Butter und Graukäse selber produziert werden.

Allein dieses Brot! Nun ja, nicht ganz allein – Graukäse gehört auch dazu und etwas Almbutter, die mit Hilfe eines Buttermodels mit schönen Verzierungen versehen wird. Für Almneulinge: Ein Buttermodel ist kein etwas zu üppig geratenes Fotomodell, sondern ein Behälter, der dazu dient, Butter in eine ansehnliche Form zu bringen.

Beliebte Stubaier Genusshütte

Die Falbesoner Ochsenalm ist noch eine der wenigen Almen in der Umgebung, wo Milch, Butter und Graukäse aus der eigenen Erzeugung stammen. Ansonsten ist die Herstellung von Butter und Käse Maridls Aufgabe, aber zum Glück konnte im letzten Moment der Senner Lois Siller, der lange Zeit auf der Mischbachalm war, als Ersatz gewonnen werden. Maridl ist froh um alle helfenden Hände, die ihr Bestes tun, um sie zu ersetzen. Dennoch: Sobald sie selber wieder auf den Beinen ist, will sie gleich wieder auf die Alm. „Dort droben geht es mir viel besser. Und wenn ich schwach bin, muss ich halt meine Helfer ein ‚bissl‘ herumdirigieren“, meint sie humorvoll. Und wünscht sich, dass sich die Gäste nachsichtig zeigen, sollte einmal etwas nicht ganz so wie am Schnürchen laufen.

Die ganze Familie hilft mit – nicht nur beim Putzen der Eierschwammerln.

Die ganze Familie hilft mit – nicht nur beim Putzen der Eierschwammerln.

Wie sollten sich die Gäste nicht nachsichtig zeigen in diesem Almparadies: Zur köstlichen Jause gibt es ein überwältigendes Panorama mit Wasserfall beim Blick hinauf zur Neuen Regensburger Hütte, als Hintergrundmusik das Rauschen des übermütigen Falbesoner Baches. Bleibt kein Wunsch mehr offen, oder doch? Am Nebentisch wird soeben Kaiserschmarren serviert, der sieht ebenfalls wunderbar aus und riecht so verführerisch, dass vermutlich sogar die Kühe auf den Weiden wünschten, keine reinen Grasfresser zu sein.

Die vielfältigen Geschenke der Natur

Die Hütte der Falbesoner Ochsenalm ist eine beliebte Anlaufstelle auf dem Weg zur etwas höher gelegenen Neuen Regensburger Hütte und gehört zu den Stubaier Genussbetrieben. Diese zeichnen sich durch köstliche heimische Küche mit regionalen Zutaten aus. Für Maridl und ihre Familie ist es eine Selbstverständlichkeit, auf jene Lebensmittel zurückzugreifen, die es im heimatlichen Umfeld gibt und die man auf der Alm selber herstellen kann.

Die Falbesoner Ochsenalm gehört zu den Stubaier Genussbetrieben. Sie zeichnen sich durch köstliche heimische Küche mit vorwiegend regionalen Zutaten aus.

Die Falbesoner Ochsenalm gehört zu den Stubaier Genussbetrieben. Sie zeichnen sich durch köstliche heimische Küche mit vorwiegend regionalen Zutaten aus.

„Was die Natur einem an Einsatz abfordert, gibt sie durch vielfältige Geschenke wieder zurück. Man braucht sich ja nur auf der Alm umzuschauen“, meint Maridl. „Auf den Bergwiesen wachsen wertvolle Kräuter und im Wald ringsum gedeihen Pilze und Eierschwammerln, aus denen man ein gutes Gulasch kochen kann.“

Zu den Geschenken der Natur gehören neben den Zutaten für Speisen auch Ingredienzien für heilsame Tinkturen. Als Mutter von sechs Kindern musste Maridl stets vernünftig haushalten und bei manchem Wehwehchen ein gutes Gegenmittel kennen. Während der Jagdsaison nimmt sie als passionierte Jägerin deshalb oft Murmeltiere ins Visier. Deren Fett verarbeitet sie zu Murmelschmalz, das gut für die Gelenke und ein probates Mittel gegen Halsweh ist.

Auch die pflanzlichen Zutaten für ihre Heilwässerchen und Salben findet sie vorwiegend im Almgebiet. Am Fuß der Felshänge wachsen ausgedehnte Johanniskrautplantagen zwischen den Steinen. Die gelben Felder schauen nicht nur hübsch aus, sondern sind auch sehr nützlich. Maridl setzt damit Johanniskrautöl an, ebenso gewinnt sie aus Wildem Thymian, Arnika und Meisterwurz feine Elixiere. Man kann damit die müden Glieder einreiben, wenn sie nach der Arbeit schmerzen. Oder wenn man krank ist.

Die Alm – eine Herzensangelegenheit

Die Falbesoner Ochsenalm ist eine Genossenschaftsalm und gehörte zu einem Teil Maridls Eltern. Als die Mutter starb, ging Maridl mit dem Vater auf die Alm. Die Alm war für sie eine Herzensangelegenheit, wobei das Herz schon früher drängte, aber die Zeit war erst dafür reif, als die Kinder größer waren.

Alle Fotos: Jörg Koopmann

Alle Fotos: Jörg Koopmann

2005 pachtete Maridl die Alm dann selber und bewirtschaftete sie mit ihrem Onkel. Schon damals halfen die Kinder im Sommer oft mit, während Maridls Mann lieber im Tal die Arbeit erledigte, weil er nicht so ein „Almnarrischer“ ist. Heute sieht Maridl ihre Almarbeit als Vermächtnis: „Meine Eltern haben mir die Almarbeit nahe gebracht und mir damit etwas sehr Wertvolles mitgegeben. Sie haben mir gezeigt, wo mein Weg hinführt!“

Die Gäste der Falbesoner Ochsenalm hoffen, dass Maridl bald wieder ganz gesund wird und sie noch viele Sommer auf der Alm sein kann. Denn wenn man an einem so schönen Ort immer die gleichen herzlichen Menschen antrifft, vermittelt das ein Gefühl von nach Hause kommen.

Die Falbesoner Ochsenalm ist vom Ortsteil Falbeson in Neustift im Stubaital in rund 1,5 Stunden Gehzeit erreichbar. Eine genaue Tourenbeschreibung findet ihr hier: www.tirol.at

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