MTB Region im Check: Serfaus-Fiss-Ladis

Aktualisiert am 21.11.2017DorisDoris

Wir teilen die Begeisterung fürs Mountainbiken mit unserem sechsjährigen Sohn. Auf der Suche nach einem passenden „Bike-Spielplatz“ sind wir nach Serfaus-Fiss-Ladis gefahren. Dort haben wir den familienfreundlichen Bikepark getestet – und einen zehn Kilometer langen Megatrail entdeckt.

Die eigene große Leidenschaft mit dem Nachwuchs teilen – ein Wunsch, den viele Eltern hegen. Wir haben Glück, denn unser sechsjähriger Spross sitzt genauso begeistert am Bike wie wir. Die Laufradzeit ist schon lange vorbei, mittlerweile hat er viel Spaß auf seinem 20-Zoll-Untersatz – und will mehr. Aber wo? Auf der Suche nach dem richtigen „Bike-Spielplatz“ für die ganze Familie führt kein Weg an der Ferienregion Serfaus-Fiss-Ladis vorbei. Umrahmt von den imposanten Dreitausendern der Samnaungruppe und der Ötztaler Alpen, liegt die Region mit ihren drei Dörfern auf einem sonnigen Hochplateau hoch über dem Tiroler Inntal. Die herrliche Lage und das vielfältige Urlaubsangebot sind einzigartig. Vom Wandern, Rafting und Canyoning bis hin zum Mountainbiken – diese auf Urlaub mit Kindern spezialisierte Region bietet alles, was auf den Bergen Spaß macht und Abenteuer verspricht. Mit der Eröffnung des Bikeparks Serfaus-Fiss-Ladis 2013 wurde das ohnehin schon sehr reichhaltige Mountainbike-Angebot auf ein neues Level gehoben. Hier wird vor allem Bike-Spaß für die ganze Familie versprochen. Ganz gespannt und neugierig packen wir Kind, Kegel und Mountainbikes ins Auto: Auf geht’s nach Serfaus-Fiss-Ladis!

Willkommen im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis. Jeder kennt das Bild.

Materialwahl

Ein Bikepark-Besuch wird automatisch mit Downhill verbunden. Man denkt an schwere Downhill-Hobel mit viel Federweg. Unbestritten steigt mit dem Grad an Dämpfung auch der Abfahrtsspaß linear an – speziell dann, wenn das Bergauf-Pedalieren wegfällt. Wir entscheiden uns dennoch für die Enduro-Bikes mit ordentlichen 160 mm Federweg. Die Trails im Bikepark, aber auch in der umliegenden Region, sind von leicht bis schwierig eingestuft. Die schwierigen Varianten im Park, wie etwa die Downhillstrecke, sind ohne Rennambitionen auch gut mit einem Enduro-Bike zu bewältigen. Da neben dem Besuch im Bikepark ein Lokalaugenschein des erneuerten Frommestrails auf dem Programm steht, bleiben wir bei unserer Entscheidung.

Anreise

Über die A12 Inntal-Autobahn und weiter über die Reschenstraße erreichen wir das Sonnenplateau mit den drei Dörfern Fiss, Ladis und Serfaus recht flott. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltet sich eine Anreise eher langwierig – vor allem, wenn man mit komplettem Bike-Equipment und Kindern anreisen möchte. Daher ist ein fahrbarer Untersatz nahezu obligatorisch. Unser erstes Ziel ist die Waldbahn in Fiss. Hier befindet sich der 2013 eröffnete Bikepark und auch den Frommestrail erreicht man von hier.

Unser erstes Ziel ist die Waldbahn. Mit der Rolltreppe geht es bequem zum Einstieg der Gondel.

Am westlichen Ende des Ortes befindet sich die Talstation der Umlaufbahn. Auf den ersten Blick ist klar: Hier sind wir richtig. Abgesehen von der sehr ansprechenden Beschilderung, lassen der Pumptrack und das Übungsgelände für Kinder direkt an der Talstation, der Ausblick in den Zielkessel mit Slopestyle-Area und Holzkickern die Vorfreude auf einen abwechslungsreichen Bike-Tag wachsen. Das Auto wird am großzügigen Parkplatz abgestellt. Hier treffen wir auch René. Als leidenschaftlicher Biker und Fotograf begleitet er uns mit seiner Kamera.

Die ansprechende Beschilderung zeigt, dass wir hier richtig sind.

Unterkünfte & Service

Mit über 2.000 Sonnenstunden jährlich zählt die Ferienregion Serfaus-Fiss-Ladis nicht nur zu den sonnigsten Gegenden Tirols, sondern zu den besten Urlaubsdestinationen in den Alpen. Dies spiegelt sich auch in der vielfältigen Palette an Hotels, Pensionen und Unterkünften in allen Kategorien wider.

Auch als Biker hat man hier die Qual der Wahl. Eine Vielzahl an qualitätsgeprüften Rad- und Mountainbike-Unterkünften versprechen ein Rundum-Wohlfühlpaket. Neben Tipps zu Mountainbike- und Radtouren, Bike-Wash-Anlagen, Kartenmaterial, aktuellem Wetterbericht und einer besonders reichhaltigen Sportler-Ernährung bekommt man in den ausgewählten Betrieben auch Informationen über Bikeshops, Verleihstationen und Werkstätten.

Als Mountainbike-Region punktet Serfaus-Fiss-Ladis auch mit einer flächendeckenden Bikeshop-Infrastruktur. In allen drei Dörfern wird von den jeweiligen Betrieben täglich ein Bike-Verleih, geführte Touren und auch technischer Service angeboten.

Der Bikeshop direkt an der Talstation der Waldbahn bietet eine breite Palette an Bike-Equipment.

Bevor es für uns losgehen kann, müssen wir noch das Equipment für unseren Sohn ausleihen. Im sehr gut sortierten Bikeshop direkt an der Talstation der Waldbahn findet man alles, was man für einen perfekten Tag im Bikepark benötigt. Passend zum Gesamtkonzept der Region liegt der Fokus des Shops auf Biken mit Kindern. So stehen neben einer breiten Palette an Downhill- und Enduro-Bikes auch vollgefederte Mountainbikes für Kinder ab der Größe 20 Zoll zum Verleih bereit.

Im Bikeshop des Bikeparks stehen auch Downhill-Bikes für Kinder zum Verleih bereit.

Pauli ist ganz aufgeregt. Nicht nur, dass es sein erster Besuch in einem Bikepark ist, er fährt auch das erste Mal auf einem Downhill-Hobel. Mit dem klingenden Namen „Frechdax“ verspricht das kleine Hightech-Gerät Fahrspaß pur. Um den neugewonnenen Federweg voll ausnutzen zu können, werden Dämpfer und Federgabel vom Shop-Personal penibel auf sein Körpergewicht eingestellt.

Paulis erster Ritt am Downhill-Bike.

Auch die notwendige Schutzbekleidung wie Rückenprotektor, Knie- und Armschützer sowie Full-Face-Helme gibt es in kleinen Größen. Mama tauscht ihr 120 mm All-Mountain-Bike gegen ein gut ausgestattetes 160 mm Enduro-Bike und es kann losgehen.

Trails

Wenn man das erste Mal in einer Region als Biker zu Besuch ist, ist es immer wieder spannend zu sehen, ob das gehalten wird, was im Vorfeld in Werbeprospekten oder im Internet versprochen wird. Steckt im Wort „familienfreundlich“ auch tatsächlich  Familienfreundlichkeit drin?

Top ausgerüstet, beginnen wir das Abenteuer zuerst mit einer Gewöhnung an das Gerät. Dafür eignen sich der Pumptrack und das Übungsgelände direkt an der Talstation. Pauli zieht seine ersten Runden auf dem „Frechdax“ und hört nicht mehr auf zu grinsen. Nach gefühlten fünf Minuten ist die Gewöhnungsphase vorbei – „Papa, ich habe jetzt auch eine Feder. Ich will jetzt auf die großen Trails.“ Man soll motivierte Kinder nicht aufhalten. So besorgen wir die Tickets im Bikeshop und mit der Rolltreppe geht es bequem zum Einstieg der Gondel.

Die ersten Runden werden am Pumptrack direkt bei der Talstation gezogen.

Eine Bahn nur für Biker – fast zu schön, um wahr zu sein. In jede Gondel darf eingestiegen werden. Das sehr freundliche Personal hilft beim Einsortieren der Räder in die Gondel. In Begleitung des Bikepark-Managers Christian, der sich Zeit für uns genommen hat, geht es bergauf. Unter uns tut sich ein Trail-Netz auf und die Vorfreude steigt. Aber auch die Spannung, ob tatsächlich für alle was dabei ist.

Die Waldbahn – im Sommer eine Bahn nur für Biker.

Bei der Bergstation auf 1.840 Meter Seehöhe angekommen, ist sofort klar, wo es langgeht. Eine große Übersichtstafel bildet alle Trails des Bikeparks samt Schwierigkeitsgrad ab. Dank des sehr guten Beschilderungskonzeptes ist es schier unmöglich, einen Trail-Einstieg nicht zu finden. Es bleibt nur die Frage: Mit welchem Trail soll’s losgehen? Auf der westlichen Seite der Bergstation stehen wir vor drei Tafeln. Eine in blau, eine in rot und eine in schwarz. Blau steht für „easy“ – leicht, rot für „medium“ – mittel und schwarz für „expert“ – schwer. So kann man sich sehr leicht orientieren und findet sich innerhalb des Trail-Netzes gut zurecht.

Dank des sehr guten Beschilderungskonzeptes kann man sich hier kaum verirren.

Die blauen „EASY“-Lines

Auf Anraten von Christian beginnen wir mit den blauen Strecken. In dieser Färbung findet man drei Stück auf der Karte: Den Milky Way, Vuelta – eher ein Abzweiger des Milky Ways – und die Morning Glory. Sie versprechen Spaß pur für Einsteiger und Familien mit Mountainbike-Erfahrung. Für unsere erste Abfahrt wählen wir den Milky Way aus. Er ist der längste der drei blauen Trails und führt von der Bergstation in vielen langgezogenen, flachen Kurven hinunter zur Talstation. Papa vorne, Pauli in der Mitte und Mama als Schlusslicht – in dieser Formation rollen wir uns ein. Bereits nach den ersten hundert Metern wird schnell klar, das wird ein Spaß für alle Beteiligten.

Mountainbiken mit Mama.

Die rund drei Kilometer lange, geschotterte Strecke stellt kaum Ansprüche an das Fahrkönnen. Kleine, eingebaute Sprünge und flache Anliegerkurven sorgen für Abwechslung und bieten ein ideales Übungsgelände. Pauli genießt seine erste Bikepark-Abfahrt sichtlich. Kurve um Kurve steht er sicherer am Bike und im unteren Teil werden bereits die ersten Sprünge in Angriff genommen. Problemlos erreichen wir das Ende des Trails kurz oberhalb der Talstation, wo alle Strecken enden. Wir befinden uns am Einstieg zur Slopestyle-Area.

Ohne große Vorwarnung biegt Pauli ab und steuert auf die Tablejumps zu. Mir stockt der Atem. Im nächsten Moment fährt er mit einer Selbstverständlichkeit über die Sprünge, wie es nur Kinder tun. Am Ende der Line dreht er sich um und hat einen fetten Grinser im Gesicht. Ich beginne wieder zu atmen und Papa ist stolz wie ein Pfau.

Da kommt Airtime-Feeling auf. Pauli springt die Tables in der Slopestyle-Area.

Bikepark-Manager Christian macht es ihm nach.

Fazit nach der ersten Fahrt: Der Bikepark hält, was er verspricht. Was wir bisher gesehen und erlebt haben, ist tatsächlich familientauglich.

Schnell einen Schluck aus der eigenen Wasserflasche, die an der Talstation in eigens dafür vorgesehenen Regalen deponiert werden kann, und es geht via Gondel wieder nach oben. Nach dem Motto „Zwei in Einem“ entscheiden wir uns nun für eine Abfahrt über den Milky-Way-Abzweiger Vuelta, um dann in die blaue Morning Glory abzubiegen. Mit einem Wechselspiel aus großen Anliegerkurven und kleinen Sprüngen bietet die rund 750 Meter lange Morning-Glory-Strecke Abwechslung sowohl für Pauli wie auch für uns. Hier treffen wir auch auf eingebaute Holzkonstruktionen. Unser Bikepark-Neuling macht seine ersten North-Shore-Erfahrungen. Der Trail mündet im mittleren Teil wieder in den Milky Way, über den wir dann wieder Richtung Talstation fahren. Wieder im Zielbereich angekommen, versucht sich Pauli dieses Mal an den Holzkickern. Vier Sprünge aus Holz in unterschiedlichen Höhen eignen sich perfekt, um seine Sprungtechnik zu verbessern.

Auf der Strecke „Morning Glory“ geht es schon ein wenig rasanter zu.

Die ersten North-Shore-Erfahrungen.

Die roten „Medium“-Lines

Nach zwei intensiven Abfahrten braucht Pauli eine Pause. Direkt neben dem Einstieg zur Gondel sind Liegestühle mit Blick in den Zielkessel aufgestellt. Immer die Slopestyle-Area im Blick, lässt es sich hier gut entspannen. Wir nutzen die Gelegenheit, denn Christian möchte uns natürlich noch eine Auswahl der restlichen Trails zeigen. Nach blau folgt rot und auch in dieser Färbung gibt es drei verschiedene Abfahrtsmöglichkeiten: Die Strada del Sole, die Strecke Supernatural und der Freeride Trail.

Bikepark-Manager Christian erzählt uns viele interessante Details über den Bikepark.

Bei der Bergstation fällt die Entscheidung auf die Strada del Sole. Dieser knapp drei Kilometer lange Trail wird mit Abstand am häufigsten befahren.

Im oberen Teil verläuft die Strecke parallel zum Milky Way bis zur imposanten Stahlbrücke. Als „Verteilerzentrum“ thront dieses große Bauwerk über der Forststraße. Hier kommen alle Trails von oben zusammen, um dann auf blau, rot oder schwarz wieder aufgeteilt zu werden. Ein ausgeklügeltes System, das bestens funktioniert.

Christian nimmt die Zufahrt zur North-Shore-Area.

Wir nehmen auf der Brücke die rote Abfahrt, die schon deutlich steiler ist als die blaue und fahren in den Trail Nr. 11 ein. Die durchwegs gebaute Strecke schlängelt sich durch größtenteils bewaldetes Gebiet talwärts. Mit mehr als 40 (!) Sprüngen bietet sie Freeride-Abfahrts-Vergnügen vom Feinsten. Die meisten Sprünge können jedoch umfahren werden und so kann ich mich, im Gegensatz zu den Jungs, an die deutlich schnellere Strecke gewöhnen. Einige imposante Wallrides und Holzüberfahrten sorgen für Abwechslung und adrenalingeladen erreichen wir den Zielkessel oberhalb der Talstation. Unter den interessierten Blicken von Pauli versuchen sich die Jungs diesmal an der mittleren Slopestyle-Line. Ich taste mich an den zweiten Holzkicker heran. Mit den Worten „Mama, das hat jetzt aber lustig ausgeschaut “ entlässt uns Pauli zu einer neuerlichen Auffahrt.

Bei der nächsten Abfahrt zweigen wir im oberen Teil auf die Line Supernatural ab. Schon nach den ersten Metern kommt bei uns das Flow-Gefühl auf. Ich versuche das Tempo hinter den Jungs zu halten und bin erstaunt, wie wenig sie pedalieren müssen. Wer es versteht, diesen Trail richtig zu fahren, der nimmt die Geschwindigkeit aus den Anliegern mit. Sprünge und Bodenwellen werden gekonnt genutzt, um zu beschleunigen oder auch zu bremsen. So viel zur Theorie. Mein Fazit nach dieser Abfahrt: Super flowig, aber für mich ist da noch viel Luft nach oben.

Wallrides und Holzüberfahrten sorgen für Abwechslung.

Die Supernatural endet im oberen Teil, in der sogenannten „Puinz Zone“ an der Forststraße. Nach einer kurzen Verbindungsstrecke biegen wir wieder in die „Strada del Sole“ ein. Wir kommen immer mehr in das Flow-Gefühl hinein. Den Jungs nacheifernd, gelingt mir dieses Mal schon der eine oder andere Sprung und es kommt Airtime-Feeling auf. So könnte es ewig weitergehen.

Um die Zeit optimal zu nutzen, biegen wir im unteren Drittel der Strada del Sole in den roten Freeride Trail ein. Dieser wurde nach dem unter Gravity-Bikern bekannten „Freeride“-Magazin benannt. Das Besondere an dieser Strecke ist, dass beim Bau die Wünsche und Ideen der Leserinnen und Leser des Magazins mit eingeflossen sind. Und diese Wünsche waren wahrlich groß. Der flowige Trail ist gespickt von zahlreichen großen Holzkonstruktionen und Sprüngen, die jedoch umfahren werden können. Da nicht alle von uns die absoluten Airtime-Junkies sind, werden einige Jumps von den Jungs genossen und von mir umfahren.

Wieder bei der Talstation angekommen, sehen wir, wie Pauli in Begleitung von Papa zu einer neuerlichen Fahrt aufbricht. Ich genieße meine noch immer anhaltende Freiheit und beschließe, eine letzte Fahrt mit den Jungs vor der Mittagspause zu machen. Mit der schwarzen Downhillstrecke wollen wir unser Farbenspiel beenden.

Die schwarzen „Experts“-Lines

In der Gondel merken wir, dass die vier Fahrten nicht ganz spurlos an uns vorübergegangen sind. Eine Pause würde auch uns guttun. Wir sind uns nicht sicher, ob es eine gute Entscheidung war, die schwierigste Abfahrt für den Schluss aufzuheben. Kurz bevor wir die Bergstation erreichen, fällt unser Blick nach links auf die North-Shore-Area. Die gilt es ja auch noch auszuprobieren. Drei kurze Lines mit unterschiedlich breiten Holzkonstruktionen lassen Kanada-Feeling aufkommen.

Da kommt Kanada-Feeling auf. Man kann sich an unterschiedlich breiten Holzkonstruktionen versuchen.

Christian wählt die Variante mit Luftstand.

Nach zweimaligem Kanada-Aufenthalt an der original North-Shore-Küste fahre ich ganz selbstbewusst auf die schmalen, circa einen bis eineinhalb Meter über den Boden schwebenden Holzplanken zu. Und tatsächlich habe ich es nicht ganz verlernt. Anfangs noch etwas wackelig, aber zusehends ruhiger balanciere ich mein Bike über die schmalen Planken. Nur der Drop zum Schluss will mir nicht gelingen. Egal, man braucht immer ein Projekt für die Zukunft.

Direkt von der North-Shore-Line kommen wir wieder auf die „Verteiler-Brücke“. Hier könnte man über die schwarze Abfahrt sehr steil in den Hill Bill reinstechen. Aus Zeitgründen müssen wir auf diesen rassigen und technisch anspruchsvollen Trail leider verzichten. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Wir entscheiden uns für die Downhillstrecke und so nehmen wir die blaue Abfahrt. Diese bringt uns zu einer Kreuzung, bei der wir in den Trail abzweigen.

Nach einer feinen Querfahrt über die Wiese sticht die Strecke in den Wald hinein. Hier geht es gleich voll zur Sache. Über anspruchsvolle Wurzelpassagen und hohe Stufen wuchten wir unsere Bikes nach unten. Ohne Rennambitionen ist diese naturbelassene Strecke dennoch gut mit dem Enduro-Bike zu bewältigen. Doch immer wieder würde mehr Federweg so manch einen Sprung oder eine Stufe erleichtern. Die rund 1,5 Kilometer lange Strecke verläuft im steilen, bewaldeten Gelände und beschert uns so manche Herausforderungen. Ruppige Steinfelder, hohe Geländekanten oder rasante Sprünge gilt es zu überwinden. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke macht sich Müdigkeit bemerkbar und einige Stufen sind dann doch höher als eingeschätzt. Ohne Power in den Armen komme ich endlich im Zielraum an. Sofort bin ich in Erklärungsnot. Woher denn die großen braunen Flecken an der Hose, den Schützern und den Handschuhen kämen. Da muss ich wohl oder übel zugeben, dass ich mit einem Schlammloch auf Tuchfühlung gegangen bin.

Auf der Downhillstrecke geht es gleich richtig zur Sache.

Nach diesem heißen Ritt ist die Luft erst mal draußen und eine Mittagspause obligatorisch. Direkt an der Talstation lädt der Imbiss zum Verweilen ein. Die Sonne brennt vom Himmel. Wir genießen den wohltuenden Schatten unter den großen Schirmen und verfolgen Paulis Runden auf dem Pumptrack.

Nach insgesamt fünf Abfahrten sind seine Kraftreserven aufgebraucht, doch ganz still sitzen geht auch noch nicht. Immer den Kleinen im Blick, bestellen wir abwechselnd unser Essen beim Self-Service-Imbiss. Kostengünstig ist zwar was anderes, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Bei einem deftigen Mittagessen lassen wir den Vormittag Revue passieren. Interessiert lauschen wir den Erzählungen von Christian und erfahren auch einiges über die zukünftigen Pläne in Sachen Streckenbau und Events. Es tut sich immer was, hier in Fiss. Stillstand gibt es nicht. So ist geplant, in der Zielarena einen Zauberteppich (Kinderlift) für Mountainbikes zu integrieren. Dieser bietet die Möglichkeit, den Slopestyle-Parcours und das Übungsgelände zu nutzen, ohne die Kinder das Bike bergauf schieben müssen.

Unser Fazit nach dem intensiven Vormittag: Wo familientauglich draufsteht, ist auch familientauglich drin. Im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis kommen nicht nur Profis voll auf ihre Kosten, sondern auch Anfänger und Familien.

Downhiller trifft Prinzessin.

Pauli ist mittlerweile auf Papa‘s Schoß eingeschlafen. Was er jetzt wohl träumt? Es war sicherlich nicht unser letzter Besuch, aber heute ist für ihn Schluss. Ganz nach dem Motto Halbe-Halbe darf Mama noch bleiben. Papa fährt mit dem Spross nach Hause.

Nächste Station: Frommestrail

Freudestrahlend verkündet uns Christian, dass unser nächstes Ziel auf 2.490 Meter am Schönjöchl liegt. Dort befindet sich nämlich der Start des Frommestrails. Nach dem Geballer auf den Bikepark-Trails freuen wir uns auf Wurzeln, Steine und wunderbares Panorama.

Der Fullface-Helm wird gegen eine Halbschale getauscht. Da die Schönjochbahn während unseres Besuches noch nicht geöffnet hat, nimmt uns der Betriebsleiter im Auto mit hinauf. Die Bikes kommen auf die Ladefläche. Wir genießen den uns gewährten Shuttle-Service. Obwohl: Das mit dem Genießen ist so eine Sache. Die lange und kurvenreiche Auffahrt bis zum Fisser Joch über die anspruchsvolle Forststraße macht sich in der Magengegend bemerkbar. Glücklich, das Ziel erreicht zu haben, kraxeln wir aus dem Auto.

Wir befinden uns bei der Bergstation der Schönjochbahn auf 2.436 Metern Höhe. Der Ausblick auf die umliegende Bergwelt sowie hinab ins Oberinntal ist gigantisch. Nach einem kurzen Anstieg von rund 60 Höhenmetern auf einer Schotterstraße haben wir den Start des Trails beim Schönjöchl in 2.490 Metern Höhe erreicht.

Vor der Abfahrt genießen wir die Aussicht am Schönjoch.

Sofort ist klar, wo es langgeht.

Der Frommestrail

Als Aushängeschild der Mountainbike-Arena Serfaus-Fiss-Ladis in Sachen Singletrail-Abfahrten bietet der Frommestrail über 1.000 Höhenmeter Abfahrtsvergnügen auf höchstem Niveau. Die naturbelassene, anspruchsvolle, aber großteils flowige Strecke schlängelt  sich satte zehn Kilometer durch alpines Gelände und wurzeldurchzogene Fichtenwälder. Auch auf dieser Höhe weist uns eine sehr gute Beschilderung den Weg. Wir stehen vor dem imposanten Schönjochkreuz und genießen den atemberaubenden Rundum-Blick. Nachdem uns Christian eine kurze Vorschau auf das gibt, was uns jetzt erwartet, rollen wir los.

Beim Schönjochkreuz befindet sich der Start des Frommestrails.

Der Frommestrail wird auf der Singletrail-Skala – je nach Abschnitt – mit S1 bist S3 bewertet. Für maximalen und sicheren Bikespaß ist eine gute Fahrtechnik Voraussetzung. Immer die Ötztaler Alpen im Blick, folgen wir der Markierung über moosbedeckte, hochalpine Wiesen bergab bis zum Speicherteich. Einige kurze Stiche bergauf sorgen für Abwechslung und bringen uns gleich ins Schwitzen. Vorbei an den Seen erreichen wir über die Frommesabfahrt das Gipfelkreuz des Mateskopfes auf 2.248 Meter.

Flowig geht es über moosbedeckte Almwiesen.

Zwischenstation Mateskopf auf 2.248 Meter.

Von hier schlängelt sich der Trail flowig über die alpinen Wiesen talwärts, bis er in den wurzeldurchzogenen Fichtenwald mündet. Ein Wechselspiel aus teils anspruchsvollen Wurzelpassagen und flowiger Waldabfahrt prägt die Strecke bis zum Trail-Ende knapp oberhalb von Fiss. Wow, was für ein Erlebnis. Wir sind total begeistert von der rund zehn Kilometer langen Abfahrt. Der Trail wurde gekonnt in das Gelände integriert.

Hochalpiner Trail-Slalom.

Flow auf höchsten Niveau.

Wir genießen das herrliche Panorama.

Über einen Forstweg geht es sanft bergab zurück zum Ausgangspunkt nach Fiss. Leider ist uns Zeit und Kraft ausgegangen, um dieses Spektakel nochmals zu wiederholen. Aber wie schon gesagt, wir kommen wieder.

Preise

Die Ferienregion Serfaus-Fiss-Ladis ist sicher nicht als das günstigste Gebiet bekannt. Qualität hat ihren Preis. Ein Tagesticket im Bikepark kostet für Erwachsene 36 Euro. Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren bezahlen 28 Euro und Kinder zwischen 7 und 14 Jahren 18,50 Euro. Ist man in Besitz einer Super-Sommer-Card, also einer Gäste-Karte, gibt es Prozente. Für das vielfältige Angebot sind das durchaus moderate Preise.

Neben den Tages- und Halbtagestarifen gibt es eine Vielzahl an Staffelungen, die sich vor allem für längere Aufenthalte auszahlen. Für Dauergäste empfiehlt sich auf alle Fälle der Kauf einer Saisonkarte um € 264,00 für Erwachsene. Diese Kosten amortisieren sich nach nur acht Bikepark-Besuchen. Darüber hinaus ist der Park auch Mitglied der Gravity Card, einem Ticket, das europaweit in 16 Bikeparks gilt. Wer zum Einstieg des Frommestrails mit der Schönjochbahn will, muss zusätzlich zum normalen Ticketpreis zusätzlich 10 Euro für den Biketransport bezahlen. Interessanterweise bezahlt man diesen Zusatz nur bei der Bergfahrt, im Falle einer Talfahrt mit Bike ist hier der Biketransport kostenlos. Informationen und Details zu Beförderungs- und Verleihpreisen findet man unter www.bikepark-sfl.at

Events

Dank des Bikeparks Serfaus-Fiss-Ladis ist viel los. Den ganzen Sommer über werden Kurse, Camps und Events angeboten. Das jährliche Highlight ist sicherlich das MTB Festival Serfaus-Fiss-Ladis, das immer in der ersten Augustwoche stattfindet. In Sachen Events bietet der Bikepark eine breite Palette an unterschiedlichen Formaten. Vom wöchentlichen Techniktraining über Women Camps bis hin zum einzigartigen MTB-Festival Serfaus-Fiss-Ladis.

Alljährlich in der ersten Augustwoche steht der talentierte Nachwuchs zwischen 11 und 18 Jahren im Mittelpunkt. Im Rahmen der Kona Rookie Games, welche als Teil des Festivals stattfinden, erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, in den Disziplinen Downhill und Pumptrack erste Rennerfahrungen zu sammeln. Den krönenden Abschluss bilden die iXS International Rookies Championships. In einem spannenden Downhill-Rennen werden die Jugend-Weltmeister gekürt.

Als Vorbereitung darauf bietet das Rookie Camp sechs Tage lang den perfekten Lehrplan. Unter dem Motto „Lernen von den Pros“ haben die Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren die Möglichkeit, sich von den Profis alles Notwendige abzuschauen. Einen detaillierten Überblick aller Bike-Events findet ihr auf der Website des Bikeparks.

Fazit

Die Ferienregion Serfaus-Fiss-Ladis hat uns als bikende Familie völlig überzeugt. Neben der guten Lage auf einem Sonnenplateau hoch über dem Inntal besticht sie vor allem mit gutem Service, einer flächendeckenden Infrastruktur, einem vielfältigen Angebot und mit freundlichen Menschen. Durch die Streckenvielfalt im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis gestaltet sich ein Bike-Aufenthalt sehr abwechslungsreich und es ist für alle Biker-Typen etwas Passendes dabei.

Hier haben alle Spaß. (Fotos: René Sendlhofer-Schag / www.bikefex.at)

Wer fernab des Bikeparks sein Glück sucht, wird hier auch fündig. Durch eine Vielzahl an Mountainbike-Touren in der Umgebung ist die Ferienregion nicht nur attraktiv für Tagesausflügler, sondern bietet ausreichend Programm für einen schönen Mountainbike-Familien-Urlaub. Für uns ist klar: Wir kommen wieder.

MTB Region im Check
Doris

Aufgrund der Leidenschaft zum Mountainbike nach Innsbruck gezogen, hat Doris ihre schönsten Bergerlebnisse meistens auf zwei Rädern.

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