Almgeschichten: die Juifenalm im Lüsensertal

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Am Weg zur Juifenalm hört man schon von Weitem die Kühe muhen, die Hühner gackern und die Schweine grunzen! Denn auf der Alm oberhalb von Gries im Sellrain herrscht fröhliches Family-Life, bei den Tieren und bei den Menschen. Kein Wunder, der almerische „Hochsitz“ mit Umgebung ist ein Landschaftsjuwel. Und schmackhafte Kost nach dem Motto „Alles selbst gemacht“ gibt es auch.

Irene Prugger

Irene Prugger ist Schriftstellerin und freie Journalistin. Neben... Zum Autor

Edelweiß werden normalerweise auf hochgelegenen Almwiesen und in Felsnischen gepflückt, aber auf der Juifenalm im Sellrain/Lüsensertal kann man sie mit dem Buttermesser schneiden. Die selbstgemachte Butter wird hier nämlich mit dem Modelabdruck der beliebten Alpenblume verziert. Überhaupt kommt hier alles liebevoll angerichtet auf die Tische: zum Beispiel Graukäse, Almmozzarella und köstliche Knödelvariationen wie Spinatknödel, Kasknödel, Speckknödel, Rohnenknödel und Pfifferlingknödel. Ebenfalls alles selbstgemacht, versteht sich!

Die Juifenalm, gepachtet von Familie Stern, befindet sich auf 2.022 Meter Seehöhe.

Die Juifenalm, gepachtet von Familie Stern, befindet sich auf 2.022 Meter Seehöhe.

Seit 2015 sind Sylvia und Gotthard Stern die Pächter der Juifenalm. Sie sitzen hier auf 2.022 Meter Seehöhe sozusagen unter ihrem eigenen Sternhimmel. Sitzen? Ja, aber nur, wenn es sich zwischendurch einmal ausgeht! Es herrscht hier sommers wie winters viel Betrieb, weshalb das ganze Almteam und an den hochfrequentierten Wochenenden auch die Stern-Kinder und Enkelin Tamia zusammenhelfen.

Auch ein Huhn gibt zu tun: Almkind Tamia kümmert sich am liebsten um die Tiere.

Auch ein Huhn gibt zu tun: Almkind Tamia kümmert sich am liebsten um die Tiere.

Eine bunte Schar von großen und kleinen Tieren

Die Juifenalm ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, was ja kein Wunder ist bei diesem charmanten Almpersonal: Neben der netten und tüchtigen Gastgeberfamilie freuen sich auch Rinder, Pferde, Ziegen, Hasen, Schweine und Hühner auf Besuch. Und vor allem Almhund Dojan, der alles unter Kontrolle hat und offenbar beim Servieren mithelfen möchte – oder vielleicht doch eher beim Schnabulieren?

Auch der aufgeweckte Almhund Dojan liegt zwischendurch einmal flach.

Auch der aufgeweckte Almhund Dojan liegt zwischendurch einmal flach.

Nein, Dojan weiß ganz genau, dass der Käse für die Gäste da ist. Viele kommen eigens hierher, weil er ganz besonders gut schmeckt: Die Milch von den neun Melkkühen wird in der eigenen kleinen Sennerei zu Butter, Graukäse und Mozzarella verarbeitet. Almmozarella ist noch nicht so bekannt, aber eine besonders beliebte Spezialität auf der Juifenalm. Was ist das Geheimnis bei der Herstellung? „Do konn i iatz wirklich nit g´scheit sein“, meint Pächter Gotthard  Stern lachend. „I woaß nur, dass er guat schmeckt!“

Almmozzarella mit frischen Tomaten

Für Butter und Käse ist Sennerin Daniela Mocker-Ahrer aus Innsbruck verantwortlich und ihre Produktions-Geheimnisse sollen hier nicht ausgeplaudert werden. Jedenfalls wird der Mozzarella auch auf der Juifenalm zu Kugeln geformt und mit frischen Tomaten serviert. Das Gemüse bezieht das Juifenalm-Team von Bauern und Händlern aus der Region, denn es gehört zum Konzept einer gut geführten Tiroler Alm, dass man Wert auf besondere Qualität, die Unterstützung der heimischen Bauern und auf kurze Anfahrtswege legt.

Bei der tüchtigen Sennerin Daniela aus Innsbruck ist heute wieder alles in Butter.

Bei der tüchtigen Sennerin Daniela aus Innsbruck ist heute wieder alles in Butter.

Neben ihrem Käse kümmert sich Daniela auch um die 30 Pferde auf den Rossweiden. Isländer, Haflinger und Noriker finden hier Bürstengras und zusätzliche Leckereien. Für die Rinder ist Hirte Marcel Haider aus Gries im Sellrain zuständig. Er hat dabei viel zu tun, immerhin sind es 110 an der Zahl, dazu gesellen sich die neun Milchkühe. Die zwölf Ziegen muss man auch immer im Auge behalten, weil sie sich ansonsten auf weite Wanderschaft begeben und in ihrer störrischen Art oft nur schwer zum Umkehren zu bewegen sind.

Die Agrargemeinschaft achtet auf gute Pächter

Mit Vieh bestoßen wird die Juifenalm von der Agrargemeinschaft Juifen, der die Alm auch gehört. Sie achtet darauf, dass Pächter hier wirtschaften, die sich durch Gastfreundschaft und vorzügliches Kochen auszeichnen und die sich darauf verstehen, die Rodelbahn bestens instand zu halten, denn die Juifenalm ist eine „Ganzjahresalm“ mit Sommer- und Wintersaison.

Also ist es wichtig, dass sich auch die Pächterfamilie hier wohl fühlt und bei Familie Stern, die viele Gäste noch von der Schlickeralm kennen, ist das ganz gewiss der Fall. „Wir können gar nicht sagen, ob es uns im Sommer oder im Winter hier heroben besser gefällt“, sagen Gotthard und Sylvia. „Es haben beide Saisonen ihre anstrengenden und ihre wunderschönen Seiten.“

Herrliche Aussicht oberhalb der Baumgrenze

Auf der Juifenalm befindet man sich oberhalb der Baumgrenze, das bedeutet herrliche Ausblicke auf die umliegende Bergwelt, insbesondere auf die Stubaier Alpen mit Zischgeles, Lampsenspitze, Grießkogel und Freihut. Die Skitourengeher unter den Ausflüglern lässt das schon wieder voller Vorfreude an den Winter denken, wenn sie dann hier einkehren und es an schönen Tagen auf den Außenplätzen oft so voll ist, dass viele Gäste auf ihren Rodeln sitzen und die Essensteller auf ihren Knien abstellen, bevor sie die fünf Kilometer lange, kurvige Rodelbahn über 640 Höhenmeter hinuntersausen.

Knödel, Almmozzarella und Graukäse sind die Spezialitäten auf der Juifenalm.

Knödel, Almmozzarella und Graukäse sind die Spezialitäten auf der Juifenalm.

Alle Fotos: Jörg Koopmann

Aber jetzt ist ja Sommer und man sitzt nicht auf Rodeln, sondern auf von Sonnenschirmen abgeschatteten Bänken oder liegt in den bequemen Liegestühlen vor der Hütte, genießt einen erfrischenden Almdrink und freut sich über wunderbare Sonnenstunden und eine erholsame Almzeit. Und zwischendurch schaut Dojan vorbei, ob alles in Ordnung ist.

Das Juifenalm ist vom gebührenpflichtigen Parkplatz in Juifenau südlich von Gries im Sellrain in rund 2 Stunden Gehzeit erreichbar. Eine genaue Tourenbeschreibung findet ihr hier: www.tirol.at

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