Hütten in Nahaufnahme: Die Falkenhütte im Karwendel

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Wer „Falkenhütte“ sagt, muss auch „Familie Kostenzer“ sagen. In der Hinterriss laden seit mehr als 70 Jahren die Kostenzers Bergsportler zu einer urigen Rast im Karwendel.

Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Seine Beziehung zur Falkenhütte fasst Pächter Fritz Kostenzer in einem Satz zusammen: „Die Hütte ist mein Heimathaus.“ Tatsächlich ist das Schicksal der Familie Kostenzer mittlerweile in der dritten Generation eng mit jenem der Falkenhütte in der Hinterriss mitten im Naturpark Karwendel verwoben.

Die Familie von Fritz Kostenzer führt die Falkenhütte mittlerweile in der dritten Generation. „Die Hütte ist mein Heimathaus.“

Fritz Kostenzer ist seit 41 Jahren Pächter. Seine Eltern Peter und Mathilde, genannt Tilly, Kostenzer hatten das Haus 1946 übernommen. „Der Vater war Käser in der Engalm, die Mutter Bedienung beim früheren Pächter der Falkenhütte“, erzählt Fritz, der 1957 als viertes von fünf Kindern, als einziger Bub unter vier Schwestern, geboren wurde. „Bei uns war es wie bei den Bergbauern. Wir waren im Sommer immer hier heroben. Das war schön für uns, aber andererseits mussten wir dadurch auch sehr früh mitarbeiten. Das war halt eine andere Zeit und wir haben nichts anderes gekannt.“

Als Fritz’ Mutter mit nur 44 Jahren starb, war er erst 16, seine kleine Schwester acht Jahre alt; Vater Peter und die fünf Kinder machten allein weiter. Dass Fritz dann mit nicht einmal 20 Jahren zum hauptverantwortlichen Hüttenpächter wurde, war aus mehreren Gründen nicht vorbestimmt: „Eigentlich sollte eines der älteren Madln die Hütte übernehmen. Aber meine Schwestern haben geheiratet und sind weggezogen. Und ich? Mit 18, 19 hat man natürlich allerhand Flausen im Kopf. Das war sicher nicht ,Holladrio, jetzt übernehm‘ ich die Hütte!’“

Irgendwann allerdings, sagt Fritz, habe er erkannt, „dass das doch das ist, was ich gern mache und auch gut kann“. Warum er gut ist in seinem Beruf? „Vielleicht kann ich es so sagen: Im Großen und Ganzen sind die Gäste bei uns zufrieden. Und wir haben viele Stammgäste.“ Bergsteiger und Wanderer, fügt Fritz hinzu, seien aber sowieso „die feinsten Gäste, die sich ein Gastwirt wünschen kann. Das ist keine Schmeichelei, sondern eine Tatsache.“

Die berühmt-berüchtigten Laliderer Wände waren lange Zeit bei Kletterern sehr beliebt, heute kommen viele Mountainbiker – und neuerdings immer mehr E-Biker.

Die berühmt-berüchtigten Laliderer Wände waren lange Zeit bei Kletterern sehr beliebt, heute kommen viele Mountainbiker – und neuerdings immer mehr E-Biker.

Die Kletterer, die früher in Scharen die berühmt-berüchtigten Laliderer Wände erklommen haben, bleiben seit Jahren eher aus: „Der Kalkstein des Karwendels ist brüchig, es gab viele Unfälle.“ Dafür nutzen heute viele Mountainbiker – und neuerdings immer mehr E-Biker – die paradiesische Gegend für ihre Ausflüge. „Interessanterweise gibt es hier in unserer Gegend praktisch keine Probleme zwischen Wanderern und Radfahrern“, hat Fritz beobachtet. „Die vertragen sich wirklich gut.“ Auf die Bedürfnisse der Sportler abgestimmt präsentiert sich auch die Speisekarte der Falkenhütte: Da gibt’s natürlich Speckknödel und Kaspressknödel, die auf keiner Berghütte fehlen dürfen, und speziell für den erhöhten Bedarf an Kohlenhydraten, den Bergradler mitbringen, stehen mehrere Pasta-Gerichte zur Auswahl. Fritz’ Credo: „Wir brauchen keine übertrieben große Karte. Ich lege Wert auf eine gute Küche zu humanen Preisen. Da lass’ ich mich auch von niemandem beeinflussen.“

Fritz' wichtigste Stützen im Hüttenbetrieb: seine Frau Ursula, die sich um die Hüttenbuchungen kümmert, Sohn Alexander, der die Küche schmeißt und Sohn Peter, der für den Service und Einkauf zuständig ist.

Fritz‘ wichtigste Stützen im Hüttenbetrieb: seine Frau Ursula, die sich um die Hüttenbuchungen kümmert, Sohn Alexander (unten), der die Küche schmeißt und Sohn Peter (ganz unten), der für den Service und Einkauf zuständig ist.

Fritz ist gelernter Koch, 35 Saisonen lang hat er auch im Winter, wenn die Falkenhütte geschlossen ist, diesen Beruf als Saisonarbeiter ausgeübt. In der Falkenhütte hat mittlerweile Fritz’ jüngerer Sohn Alexander (22) als Küchenchef das Sagen. Immer zur Stelle und von zentraler Bedeutung für den Betrieb ist Ursula Kostenzer. Fritz gibt freimütig zu: „Meine Frau ist am meisten belastet. Sie wickelt die Anmeldungen und Reservierungen ab, ist auch in der Küche… Das Um und Auf ist, dass ich in Ursula eine Frau gefunden habe, die da mitzieht.“

Auch Peter, der 30-jährige Sohn, arbeitet mit. Der gelernte Hotelkaufmann kümmert sich um den Service und den Einkauf. Chef Fritz packt „überall zu, wo ich gebraucht werde. Dadurch hab ich nicht nur eine schöne Abwechslung, sondern derpack das Ganze auch noch ganz gut“. Das, sagt Fritz, „ist unser großes Plus, dass wir schon vier eigene Leute sind und darüber hinaus Mitarbeiter haben, die lange bei uns sind und zum Betrieb und zur Familie stehen. Das ist ein großes Glück, das ich sehr zu schätzen weiß.“

Die Falkenhütte gehört der Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins und stammt aus dem Jahr 1848. Als Peter, der erste Kostenzer auf der Falkenhütte, nach dem Zweiten Weltkrieg das Haus übernahm, mussten Lebensmittel und alles, was sonst benötigt wurde, noch mit Pferdefuhrwerken angeliefert werden. Heute kommt zweimal wöchentlich der Lkw. 1946 wurde die Hütte notdürftig mit Gaslampen beleuchtet, im Zuge einer Modernisierung wurde irgendwann ein kleines Stromaggregat gebaut. Und demnächst wird die Falkenhütte sogar via Stromleitung mit Energie versorgt werden.

Denn es stehen große Veränderungen an: Nach der heurigen Saison wird die Hütte, die wegen ihres urigen Bilderbuchcharakters seit 2015 unter Denkmalschutz steht, für zwei Jahre geschlossen und einer Generalsanierung unterzogen. Ein neuer Zubau im traditionellen Stil soll die mit Lärchenschindeln verkleidete alte Hütte ergänzen, nicht konterkarieren. Neue Toilettenanlagen, eine neue Küche, neue Waschräume, eine Fenstersanierung etc. stehen an. „Und es wird eine neue Stube dazukommen“, erzählt Fritz. „Bisher hatten wir nämlich auf 140 Schlafplätze nur 100 Sitzplätze.“ Die alte Stube aus dem Jahr 1922 bleibt nicht nur erhalten, sondern wird sogar noch besser: Was im Laufe der Jahrzehnte an nicht ganz sachgemäßen Änderungen vorgenommen wurde, wird wieder auf den Originalstand gebracht.

Seit 2015 steht die Falkenhütte unter Denkmalschutz, nach der heurigen Saison wird die Hütte für zwei Jahre geschlossen und einer Generalsanierung unterzogen.

Seit 2015 steht die Falkenhütte unter Denkmalschutz, nach der heurigen Saison wird die Hütte für zwei Jahre geschlossen und einer Generalsanierung unterzogen.

Offiziell zuständig wird Fritz nicht mehr sein, wenn die Falkenhütte in etwa zwei Jahren neu eröffnet wird. Er geht 2018 in Pension. Ob die Söhne Peter und Alexander die Familientradition weiterführen werden, muss noch mit der AV-Sektion verhandelt werden. Die Vorstellung, nicht mehr verantwortlich zu sein, schreckt Fritz nicht. „Es wird schon weiterhin die eine oder andere Aufgabe für mich geben“, ist er sich sicher und fügt lachend hinzu: „Ich stell mir das schön vor: Die Frau und ich im Liegestuhl  und die Buabn derrennen sich.“ Und dann ist da noch ein Gutschein für einen Aufenthalt in einem noblen bayerischen Wellnesshotel, den Fritz und Ursula irgendwann nächstes Jahr einlösen werden: „Der Sektionsvorstand ist angereist und hat uns damit sehr geehrt“, erzählt Fritz. „Das hat uns gutgetan. Eine Selbstverständlichkeit ist das nämlich nicht.“

Alle Fotos: Tirol Werbung/Jens Schwarz

Die Falkenhütte ist von der Eng (Mautstraße) über den Hüttenweg und das Hohljoch  in rund 2,5 Stunden Gehzeit, vom Rißtal (Mautstraße) durch das Laliderer Tal und über den Lalidersalm-Niederleger in rund 3,5 Stunden Gehzeit oder von Hinterriß durch das Johannestal und über die Ladizalm in etwa 4 Stunden Gehzeit erreichbar. Mehr Infos zur Hütte: www.tirol.at

Von der Stüdlhütte am Fuße des Großglockers über die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen bis hin zur Pfeishütte im Karwendel: In der achtteiligen Serie „Hütten in Nahaufnahme“ erzählen wir diesen Sommer die Geschichten von Tiroler Alpenvereinshütten und den Menschen, die sie bewirtschaften.

1 Kommentar

  • anna booge
    Ich freue mich ueber jeden Beitrag un d wuensche ich koennted be allem dabei sein danke