Ein klassisches Bild von Innsbruck: Oben der Trail und unten die Stadt. Foto: MTB Downhill & Freeride Verein Innsbruck / Andreas Vigl

MTB Region im Check: Innsbruck

------

Innsbruck hat eine neue Mission: Die Stadt will in den nächsten Jahren zur international herausragenden Bike-Destination aufsteigen. Der Zuschlag zur Rennrad-WM 2018 brachte den Stein ins Rollen. Doch nicht nur die Rennrad-Fans dürfen sich freuen, denn auch im Mountainbike-Bereich bewegt sich seither einiges. Wir haben der Bike City Innsbruck auf den Zahn gefühlt.

Doris

Aufgrund der Leidenschaft zum Mountainbike nach Innsbruck gezogen,... Zum Autor

Das Ziel fest im Visier, wurde 2016 die Bike City Innsbruck gegründet. Sie steht für den Image-Wechsel, der überall in Innsbruck zu sehen und zu spüren ist. Die Idee ist einfach und gut: Unter dem Begriff „Bike City“ werden Innsbruck und seine Feriendörfer sowie angrenzende Gebiete zu einer Bike-Region zusammengefasst und vermarktet. Das Angebot ist groß und reicht vom Rennrad-Bereich über das Mountainbiken mit all seinen Facetten bis hin zum Radeln in der Stadt. Mit der Austragung eines Stopps des weltweit größten Mountainbike Gravity Events Crankworx im Bikepark Innsbruck auf der Muttereralm verzeichnete die Bike City Ende Juni ihren vorläufigen Höhepunkt. Und das soll erst der Anfang sein. Neugierig darauf, wie es um den Ist-Zustand in Bezug auf abfahrtsorientiertes Mountainbiken aussieht, machen René und ich uns auf den Weg.

Doris und René am Arzler Alm Trail. Foto: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Anreise

Innsbruck ist durch seine zentrale Lage in Mitteleuropa sehr leicht erreichbar. Egal aus welcher Himmelsrichtung man kommt, dank der idealen Anbindung an die wichtigsten Verkehrsrouten ist die Anreise mit dem Auto sehr komfortabel. Auch eine Anreise nach Innsbruck mit öffentlichen Verkehrsmittel ist problemlos machbar, denn der Bahnhof mit lückenloser Anbindung zu den Stadt-Öffis ist sehr zentral gelegen. Und das Beste: Dank des sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes sind die Singletrails in rund um Innsbruck auch ohne Auto gut erreichbar.

Trails: Für jeden was dabei

Die Bike City Innsbruck vereint derzeit vier Trail-Gebiete: Innsbruck mit der Nordkette, Mutters und Götzens mit dem Bikepark Innsbruck, Steinach am Brenner mit dem Bikepark Tirol und Neustift im Stubaital mit den Trails bei der Elferbahn. Wir beschlossen, diesen Bike-Zirkel von innen nach außen abzuarbeiten. So starteten wir mit den Singletrails in unmittelbarer Stadtnähe. Die einzigartige Nordkette ist aufgrund ihrer Lage und ihres hochalpinen Charakters seit jeher bei Mountainbikern sehr beliebt. Dank des Mountainbike-Modells Tirols ist sie auch über die Forststraßen durchgängig erschlossen. Etwas anders sieht die Situation im Bereich der Singletrail-Abfahrten aus. Der gewaltige Gebirgszug mit endlosen Möglichkeiten ist derzeit lediglich auf drei Trails legal befahrbar: Der legendäre und äußerst schwierige Nordkette Singletrail, der brandneue Arzler Alm Trail und der kurze Hungerburg Trail.

Der Arzler Alm Trail: Ein Singletrail für alle Mountainbiker

Ausgestattet mit Enduro- bzw. Allmountain-Bikes mit einem Federweg von 140 bis 160 mm treffen wir uns bei der Innsbrucker Nordkettenbahn-Station Löwenhaus. Da unsere Beine noch frisch und voller Energie sind, entscheiden wir uns, die rund 500 Höhenmeter bis zum Trailstart des Arzler Alm Trails zu pedalieren. Bequemer ist die zehnminütige Auffahrt mit der Hungerburgbahn oder mit dem IVB-Bus (Linie J) bis zum Stadtteil Hungerburg. Ab dem Parkplatz der Innsbrucker Nordkettenbahnen folgt man der beschilderten Mountainbike-Route Richtung Arzler Alm und erreicht nach rund 20 Minuten den gut markierten Trail-Einstieg. Mit einem schweren Downhill-Bike wird man sich jedoch die letzten 200 Höhenmeter bergauf plagen.

Die Arzler Alm: wunderschön gelegen mit herrlichem Ausblick auf die Stadt. Fotos: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Wir beginnen unser Trail-Abenteuer mit einer zünftigen Einkehr in der namensgebenden Arzler Alm, die 300 Meter westlich vom Trail-Einstieg liegt. Die leicht erreichbare Hütte mit wunderbarem Ausblick auf die Stadt erfreut sich großer Beliebtheit, vor allem auch bei Bikern. Nach einem köstlichen Stück Kuchen nach Großmutters Rezept rollen wir gestärkt zum Trail-Einstieg retour. Nun heißt es: Bremsen lösen und hinein ins Vergnügen. Langgezogene Kurven, ständiger Neigungswechsel und ein ruhiger Untergrund lassen gleich zu Beginn das Flow-Gefühl aufkommen. Einige Sprünge, die jedoch umfahren werden können, sorgen im ersten Abschnitt für Abwechslung. Anfänger sollten nur aufpassen, dass sie die Sprünge nicht übersehen. Denn hier und dort mangelt es noch an einer ausreichenden Beschilderung mit Gefahrenhinweisen. Nach der Forststraßen-Kreuzung stechen wir in den zweiten Abschnitt rein. Dieser ist stellenweise steiler und technischer. Tolle Steilkurven, enge Kehren und flowige Passagen mit einer Vielzahl von Doubles zum Surfen wechseln sich ab. Experten können sich an der Jumpline versuchen, die auch leicht umfahren werden kann. In diesem Abschnitt  mündet auch der Hungerburg Trail in den Arzler Alm Trail.

Kurvenreich geht es durch einen märchenhaften Wald. Fotos: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Nach rund 400 Höhenmetern und knapp drei Kilometern reinstem Abfahrtsvergnügen werden wir auf der neuen Forststraße, die von Mühlau auf die Hungerburg führt, ausgespuckt. Was für ein Spaß. Wir sind total begeistert von der Strecke. Hier ist es gelungen, auf einer geringen Höhendifferenz maximal viel Trail rauszuholen. Wieder in der Stadt angekommen, waschen wir unsere Bikes an der neuen Bike-Wash-Anlage direkt bei der Station Löwenhaus. Gemütlich rollen wir am Inn entlang Richtung Congress. Nächstes Ziel: Hungerburg Trail.

Die neue stylische Bike-Wash Anlage bei der Station Löwenhaus Fotot: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Der Hungerburg Trail: In der Kürze liegt die Würze  

Bequem geht es mit der Hungerburgbahn hinauf. Oben ausgestiegen, genießen wir erstmal von der Hungerburg-Terrasse die hervorragende Aussicht über die Stadt und den gegenüberliegenden Patscherkofel. Direkt beim Ausstieg der Bahn ist auch das Café Hitt & Söhne. Die Sonnenterrasse ist der perfekte Ort zum Chillen. Mit Vorfreude darauf pedalieren wir kurz vor dem Café rechts Richtung Nordkettenparkplatz, um dann gleich wieder rechts Richtung Wald abzubiegen. Nach rund fünf Minuten erreichen wir den gut sichtbaren Einstieg zum Trail. Einst war der Hungerburg Trail die einzige Alternative zu seinem großen Bruder, dem Nordkette Singletrail. Im Rahmen der Errichtung des Arzler Alm Trails bekam er jedoch ein „Reshaping“ verpasst und präsentiert sich jetzt mit komplett neuer Linienführung.

Das „Reshaping“ hat dem Hungerburg Trail richtig gut getan. Foto: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Wir rollen rund 100 Höhenmeter durch schönen Wald talwärts. Einige gebaute Hindernisse und Sprünge lassen unsere Bikerherzen höherschlagen, bevor wir nach rund einem halben Kilometer in den unteren Teil des Arzler Alm Trails gelangen. Über diesen fahren wir wieder bis zur Forststraße und weiter in die Stadt. Weil es so schön war, lassen wir uns nochmals von der Hungerburgbahn nach oben bringen. Nun haben wir die Wahl: Nordkette Singletrail oder nochmals Arzler Alm Trail? Wir können der Versuchung nicht widerstehen und entscheiden uns erneut für die Flow-Variante.

Der Nordkette Singletrail: Das Trail-Beast

Der Nordkette Singletrail sei nur was für Harte, haben wir uns sagen lassen. In unseren jüngeren Jahren haben wir uns natürlich an ihm versucht und sind die rund 1.000 Höhenmeter Trail-Wahnsinn von der Seegrube bis zur Hungerburg „runtergedoktert“. Dieses Mal haben wir die Legende aller Singletrails aus der Ferne betrachtet. Wir wissen trotzdem einiges zu berichten. Mit 3,2 Kilometer Länge, 1.030 Höhenmetern und einem Gefälle von bis zu 36 Grad hat der Nordkette Singletrail nicht ohne Grund den Ruf, eine der anspruchsvollsten Freeride-Strecken Europas zu sein. Ob man hier richtig Spaß haben kann, bleibt ein Geheimnis. Doch eines ist sicher: Der Spaß steigt linear mit dem Federweg. Je mehr Federweg, desto besser. Ganz nach dem Motto „alpin urban“ gelangt man mit den Innsbrucker Nordkettenbahnen direkt vom Stadtzentrum zur Bergstation Seegrube auf 1.905 Meter Höhe. Rund 200 Meter darunter ist der Singletrail-Start mit seinem prächtigen Startbogen kaum zu übersehen.

Der Trail fordert ab den ersten Metern vollste Konzentration und ist ausschließlich sehr erfahrenen Mountainbikern vorbehalten. Es folgt eine lange Abfahrt über hohe Steinstufen, Steilkurven, losen Untergrund, Wurzelteppiche und Felssprünge. Der Trail kreuzt immer wieder die Forststraße und bietet so auch die Möglichkeit zum Ausstieg. Das ist ein gutes Gefühl. Alljährlich im Frühherbst trifft sich der harte Kern der Mountainbike-Szene zum Kräftemessen auf der Nordkette. Mussten sie vor einigen Jahren noch den gesamten Trail im Renntempo bewältigen, ist seit zwei Jahren nur noch die Hälfte des Wahnsinns zurückzulegen. Doch auch dieser Teil ab der „Fleischbank“ hat es in sich und sorgt nicht nur für viel Adrenalin bei den Downhill-Racern, sondern auch bei den Zuschauern. Sollte man nicht verpassen.

Der Bikepark Innsbruck: Austragungsort von Crankworx 2017

Am Nachmittag wechseln wir die Talseite Richtung Süd-Westen und fahren nach Mutters, dem Talort der Muttereralm. Hier entsteht seit 2016 der Bikepark Innsbruck. Ein Besuch auf der Website des Bikeparks verrät uns, dass aktuell vier Trails und das Übungsgelände „Kidspark“ in Betrieb sind. Doch es wird fleißig am Ausbau des Trail-Angebotes gearbeitet. So wurde mit dem Bau eines Flowtrails, der von der Bergstation der Muttereralmbahn bis zur Talstation führen soll, bereits begonnen.

Auch Crankworx hat seine Spuren in Form von riesigen Slopestyle-Hügeln und einem exzellent gebauten Pumptrack direkt an der Talstation hinterlassen. Im Gegensatz zu den gigantischen Sprüngen, die für den öffentlichen Betrieb nicht zugelassen sind, macht das Befahren des Pumptracks richtig Spaß. Neugierig darauf, was uns erwartet, stellen wir das Auto am Parkplatz der Muttereralmbahn ab. Unser gemeinsamer Besuch findet kurz vor der großen Erstauflage von Crankworx Innsbruck statt. Fasziniert verfolgen wir das rege Treiben beim Bau der gewaltigen Erdhügel für die Slopestyle-Area. Wir wollen uns vor allem zwei Strecken widmen: dem Crazy Family Trail und der Downhill-Strecke Bulgarian Way.

Wiederum ausgestattet mit unseren Enduro-Bikes geht es ab zur Bergbahn. Hier teilt sich der Mountainbiker die Bahn mit allen anderen Freiluftsportlern. Das heißt, dass man nur in jene Gondeln einsteigen darf, die mit einem Bike-Aufkleber versehen sind. Manchmal steht man auch in Konkurrenz mit den Mountain-Cars, die ebenfalls nach oben müssen. So kann es schon mal dauern, bis man das Bike und sich selbst verstaut hat. Vorbei an der Mittelstation werden wir bis zur Bergstation der Muttereralmbahn befördert. Während der Auffahrt kommt unter uns immer wieder der Crazy Family Trail zum Vorschein. Oben angekommen, muss man sich zuerst einmal orientieren, wo es langgeht. Hier fehlt es noch an einer schlüssigen Beschilderung. Wie wir im Nachhinein erfahren, ist diese aber bereits in Arbeit. Im Bereich der Bergstation befindet sich neben dem Bergrestaurant Muttereralm auch das Übungsgelände „Kidspark“. Auf drei verschiedenen Linien mit einfachen Kurven, Stufen und Sprüngen kann man sich auf die Abfahrten im Gelände vorbereiten.

Am Übungsgelände finden auch die wöchentlichen Kids & Jugendtrainings statt. Foto: MTB Downhill & Freeride Verein / Andreas Vigl

Crazy Family Trail Mutters im Bikepark Innsbruck: Die Spielwiese für Trail-Einsteiger

Der Crazy Family Trail Mutters war die erste Strecke auf der Muttereralm. Die größtenteils naturbelassene Abfahrt beeindruckt auf rund 350 Höhenmetern mit einem Wechselspiel aus Anliegerkurven, flowigen Waldpassagen und einigen kleinen Sprüngen. Dank des geringen Gefälles bietet die Strecke nicht nur erfahrenen Downhillern maximalen Abfahrtsspaß, sondern ist vor allem auch die perfekte Spielwiese für alle Trail-Einsteiger und Jungbiker. Der Trail-Start, der mit einer Bikepark-Beach-Flag markiert ist, befindet sich unmittelbar zwischen der Bergstation und dem Bergrestaurant. Unsere Highlights im oberen Teil sind die beiden Wallrides, die etwas Übung erfordern, und die kurze, aber recht knackige Wurzelpassage danach. Nach der ersten Forststraßenkreuzung taucht die Strecke in einen märchenhaften Wald ein. Nun folgen unzählige Kurven, immer wieder Wurzeln, Steinüberfahrten und kleinere Sprünge. Wir sind begeistert – so soll ein naturbelassener Trail sein.

Einer der beiden Wallrides im oberen Teil des Trails.

Immer wieder tauchen Holzüberfahrten im Wald auf. Fotos: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Einziger Wermutstropfen: Aktuell endet der Trail bei der Mittelstation der Bergbahn, mit der man wieder nach oben gelangt. Die Strecke mündet hier in die Mountain-Car-Abfahrt und wird unter dem Namen „Braking Distance Mutters“ weitergeführt. Die 2,5 Kilometer und 300 Höhenmeter bis zur Talstation müssen größtenteils auf der Forststraße überwunden werden. Doch dieser Umstand wird nicht mehr lange dauern, wie uns Bikepark-Manager Christoph versichert. Über kurz oder lang wird der Crazy Family Trail Mutters im Bereich der Mittelstation in den Flowtrail münden. So ist eine berauschende Abfahrt bis ins Tal garantiert.

Bulgarian Way Götzens: Die Crankworx-Downhill-Strecke

Einmal auf einer Crankworx-Downhill-Strecke zu fahren: Welcher eingefleischte Downhiller träumt nicht davon. Seit Juni 2017 ist dieser Traum in greifbare Nähe gerückt. Der Bulgarian Way Götzens ist eine offizielle Crankworx-Rennstrecke. Während unseres Besuchs befanden sich noch einige Streckenabschnitte im Endausbau für den Crankworx-Downhill. So bekamen wir einen Vorgeschmack auf das, was nun realisiert ist und im Folgenden beschrieben wird.

Von Götzens geht es mit der Nockspitzbahn bis zur Mittelstation. Die Startplattform beim Überqueren der Piste ist nicht zu übersehen. Es besteht auch die Möglichkeit von der Bergstation der Muttereralmbahn zur Downhill-Strecke zu gelangen. Beim Ausstieg aus der Bahn folgt man der Beschilderung und fährt rechts auf den Forstweg. Auf diesem gelangt man zum unteren Teil des Auerhahn Trails Götzens, der in die Downhill-Strecke mündet. Auf 420 Höhenmetern bietet der naturbelassene Trail alles, was eine echte Downhill-Strecke ausmacht: Im oberen Teil durchwegs weichen Waldboden mit vielen Wurzeln, kleineren Sprüngen und teils losem Untergrund. Charakteristisch für den mittleren Teil ist die sehr direkte Linie zwischen eng stehenden Bäumen.

Schließlich wird es im unteren Bereich noch einmal richtig schnell. Über einen Wiesentrail fegt man durch lichten Wald mit vielen Wurzeln, Steinfeldern und einigen Holzkonstruktionen. Big-Air-Time garantiert der Sprung über die Holzrampe. Dieser kann jedoch mühelos umfahren werden. Die letzten Höhenmeter schlängelt sich der Trail in weiten Serpentinen, sogenannten Off-Camber-Kurven, über die Skipiste, bevor das Ziel kurz oberhalb der Talstation erreicht ist.

Auerhahn Trail Götzens: Big-Air-Time

Aus Zeitgründen war uns eine Abfahrt auf dem Auerhahn Trail Götzens dieses Mal nicht vergönnt. Doch wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die im Sommer 2016 eröffnete Strecke startet an der Bergstation der Nockspitzbahn und mündet an deren Mittelstation in den Bulgarian Way Götzens. Die rund 500 Höhenmeter sind geprägt von zahlreichen Anliegerkurven, Sprüngen und Tables. Im unteren Teil der Strecke sorgt eine Jump-Line für viel Air-Time. Im letzten Streckenabschnitt zieht sich die Linie durch ein naturbelassenes Waldstück mit teils losem Waldboden. Dies ist der erste Vorgeschmack auf die ab der Mittelstation folgende Downhill-Strecke. Der 2,5 Kilometer lange Abschnitt ist nicht nur der perfekte Spielplatz für Air-Time-Junkies, sondern auch für jene, die ihre Sprungtechnik verbessern möchten. Die Sprünge und Tables können alle überrollt werden. So hat man die Möglichkeit, sich Abfahrt für Abfahrt an sie heranzutasten.

Bike City Innsbruck: Die Partner-Regionen

Mit der Bike City Card können nicht nur die Singletrails in unmittelbarer Stadtnähe gerockt werden, sondern auch die der oben erwähnten Partner-Trailgebiete. Am Elfer im Stubaital können ab August zwei Trails befahren werden. Der EinsEinser Trail ist das Angebot für all jene, die es gerne steil, wurzelig und kurvenreich haben. Dieser technisch anspruchsvolle Trail schlängelt sich ab der Bergstation rund vier Kilometer in engen Kurven durch dichten Wald talwärts. Während der Abfahrt habe ich des Öfteren meine Entscheidung, mit dem All-Mountain zu fahren, schwer bereut. Dieses Gustostückerl von Trail genießt man am besten mit viel Federweg und einer ordentlichen Portion Kondition.

Der Start des EinsEinser Trails unterhalb der Bergstation ist nicht zu übersehen.

René hat sichtlich Spaß am EinsEinser Trail. Fotos: Rene Sendlhofer-Schag/www.bikefex.at

Die zweite Strecke befand sich während unseres Besuchs noch im Bau. „Der ZweiZweier Trail wird der Feinere der beiden werden“, erzählt uns einer der Trail-Bauer, den wir zufällig im Wald antreffen. In langgezogenen Kurven auf ruhigem, befestigtem Untergrund zieht er sich durch den Wald Richtung Tal. Ein Wechselspiel aus großen Anliegerkurven, kleinen und größeren Sprüngen soll für Abwechslung sorgen. Wir freuen uns schon auf die erste Abfahrt.

Ein weiterer Trail-Partner ist der Bikepark Tirol in Steinach im Wipptal. Als erster Bikepark im Westen Österreichs wurde er 2012 mit großer Euphorie eröffnet. Zwei geschotterte Strecken, eine rote und eine blaue, führen ab der Talstation der Bergeralmbahn in vielen Anliegerkurven talwärts. Kleinere und größere Tables, Step-ups und Step-downs sollen für Abwechslung sorgen. Sollte man Informationen zu den Strecken oder Preisen benötigen, wird empfohlen, direkt bei der Bergbahn anzufragen.

Preise: Ein Ticket für vier Trail-Regionen

Die Bike City Card ermöglicht seit dem Sommer 2017 die Nutzung der oben erwähnten vier Trail-Gebiete in Innsbruck und Umgebung. Inkludiert ist die freie Nutzung aller Lifte und Bergbahnen. Ein Tagesticket der Bike City Innsbruck kostet einheitlich 36 Euro. Eine Preisstaffelung für Kinder und Jugendliche ist hier nicht vorgesehen. Dies kann direkt vor Ort bei den jeweiligen Bergbahnen abgeklärt werden.

Für das vielfältige Angebot ein durchaus fairer Preis, wobei zu erwähnen ist, dass man das komplette Angebot nicht an einem Tag ausschöpfen kann. Noch interessanter sind sicherlich die Mehrtages-Tickets. Hier gibt es verschiedene Ticket-Varianten von 2 bis 5 Tagen, die 7 Tage lang gültig sind. Alle Informationen zur Bike City Card findet man auf der Website www.bikecity-innsbruck.com. Die Tarife der einzelnen Regionen sind ebenfalls auf den jeweiligen Websites ersichtlich.

Events & Besonderheiten

Natürlich nicht zu toppen! Die Austragung von Crankworx Ende Juni 2017 im Bikepark Innsbruck war das absolute Highlight dieser Saison und ein voller Erfolg. Und dies soll nur der Anfang sein. Im Sommer 2018 folgt die zweite Auflage des weltweit größten Mountainbike-Gravity-Festivals in Tirol. Doch nicht nur Großevents machen eine Mountainbike-Region erfolgreich. Dank des 2016 gegründeten MTB-Downhill- und Freeride-Vereins Innsbruck tut sich einiges in der Region.

Kleine, authentische Veranstaltung sind vor allem für die lokale MTB Szene wichtig.
Foto: MTB Downhill & Freeride Verein Innsbruck / Andreas Vigl

Kinder- und Jugendförderung im abfahrtsorientierten Mountainbike-Bereich war schon immer eine ganz besondere Herzensangelegenheit der Vereins-Gründerin Sabine Oswald. Doch in diesem Bereich fehlt es österreichweit an Strukturen. Dies nahm die leidenschaftliche Downhillerin zum Anlass, um einen Verein zu gründen, der sich vor allem um die Bedürfnisse des Mountainbike-Nachwuchses kümmert. Neben den wöchentlichen Kids & Jugendtrainings mit professionellen Trainern werden noch eine Vielzahl an Events im Raum Innsbruck veranstaltet. Angefangen vom alljährlichen Downhill Cup Innsbruck, mit mittlerweile drei Rennen auf der Nordkette und im Bikepark Innsbruck, über Bike-Ferien für Kinder und Jugendliche auf der Muttereralm bis hin zu Bike & Yoga for Girls only reicht das umfangreiche Angebot. Auch die erfolgreiche Durchführung des Kidsworx im Rahmen des diesjährigen Crankworx-Festivals kann sich der junge Verein auf seine Fahnen heften. Ein tolles Projekt, das unbedingt unterstützt werden sollte.

Unterkunft & Service

Eine sehr gute Infrastruktur ist einer der größten Vorteile, wenn man einen Mountainbike-Urlaub in der Stadt verbringen will. Als eines der beliebtesten Reiseziele Europas bietet Innsbruck alles, was man sich von einer jungen, pulsierenden Stadt erwartet. Neben einem vielfältigen Kulturangebot, zahllosen Restaurants und Bars bietet Innsbruck auch eine große Palette an Hotels, Pensionen und Unterkünften in jeder Preiskategorie. Kommt man zum Mountainbiken nach Innsbruck und seine Feriendörfer, profitiert man auch von diesen urbanen Vorzügen. Hier gibt es dutzende qualitätsgeprüfte Rad- und Mountainbike-Unterkünfte. Ein ausgewogenes Sportlerfrühstück, Kartenmaterial, eine Bike-Wash-Anlage, ein absperrbarer Fahrradkeller und Informationen zu Bikeshops, Verleihstationen und Werkstätten sind dort Standard. Auch die Auswahl einschlägiger Bikeshops und Werkstätten kann sich sehen lassen. Ob Bike-Verleih, geführte Touren oder auch technischer Service – das Angebot ist vielseitig.

Fazit

Innsbruck befindet sich im Wandel. War es noch vor einigen Jahren undenkbar, dass sich neben dem Nordkette Singletrail eine weitere legale Strecke in Stadtnähe realisieren lässt, wurde 2016 die Bike City Innsbruck aus der Taufe gehoben. Hier entsteht etwas Großes, das sich bereits jetzt sehen lassen kann. Der Arzler Alm Trail ist das Geschenk an die lokale Mountainbike-Szene. Ein rundum gelungener Trail, der alle Erwartungen erfüllt.

Mit dem Crazy Family Trail Mutters im Bikepark Innsbruck hat man das erste Angebot für Trail-Einsteiger und Jungbiker geschaffen. Auf diesem habe ich genauso viel Spaß wie mein sechsjähriger Sohnemann. Und wenn erst die Verlängerung bis zur Talstation über den Flowtrail möglich ist, dann gibt es kein Halten mehr. Auch die hartgesottenen Downhiller haben mit dem Bulgarian Way Mutters endlich eine renntaugliche Downhill-Strecke. Nach anfänglich harter Kritik aus der Mountainbike-Szene hat sie die Feuertaufe während dem Crankworx-Downhill bravourös bestanden.

Gemeinsam mit den Partner-Regionen kann die Bike City Innsbruck jetzt schon ein vielfältiges Trail-Angebot vorweisen. Die Strecken sind abwechslungsreich und es ist für jeden Biker-Typ etwas Passendes dabei: Flowige und einfache Abfahrten, mittelschwere Strecken mit eingebauten Hindernissen und Sprüngen sowie technisch anspruchsvolle Strecken mit hohen Stufen und engen Serpentinen. Kommt in die Hauptstadt der Alpen, genießt die tollen Trails und macht euch selbst ein Bild.

Keine Kommentare