„Brot ist Leben“: Brot von Bruder Franz aus dem Stift Stams

Aktualisiert am 07.11.2017Irene HeiszIrene Heisz

In seinen erlernten Beruf Bäcker wollte Franz Neuner eigentlich nicht mehr zurück. Und dass ihn sein Lebensweg ins Kloster führen würde, war auch nicht geplant. Heute ist das Brot, das Bruder Franz in nächtlicher Arbeit in Stift Stams zubereitet, nicht nur im stiftseigenen Klosterladen heiß begehrt.

Bruder Franz liefert mit dem Auto noch schnell eine Ladung frisches Brot in den Klosterladen. Dann treffen wir uns in den für Außenstehende unergründlichen Gewölben des Stiftes Stams, es duftet nach Schnaps und warmem Germteig. Bruder Franz serviert eine Auswahl von Köstlichkeiten aus seiner Backstube zum Kaffee. „Die Lebkuchen musst kosten“, rät er, „die sind mit Kartoffeln im Teig.“ Ich, ganz im investigativen Journalistinnenmodus: „Oha…ein altes Geheimrezept aus dem Kloster?“ „Nein“, sagt Bruder Franz trocken. „Internet.“

Bruder Franz in seinem Element: In seiner professionell ausgestatteten Backstube in den Gewölben unterhalb des Stifts Stams geht der Bäckermönch nächtens ans Werk.

Bruder Franz in seinem Element: In seiner professionell ausgestatteten Backstube in den Gewölben unterhalb des Stifts Stams geht der Bäckermönch nächtens ans Werk.

Bruder Franz, 61, ist ein ruhiger, besonnener Mann, klein und drahtig, mit freundlich blitzenden Augen und einem hintergründigen Humor. Und vor allem ist er eine Art Legende in Tirol. Er verarbeitet und veredelt alles, was die Ländereien des Stiftes im Oberinntal hergeben. Marmeladen, Schnäpse, Liköre, Kekse – wer sich selbst verwöhnen oder jemandem ein exklusives Geschenk machen möchte, wird im Klosterladen garantiert fündig. Und dann ist da natürlich noch mehrmals wöchentlich das Brot, Ergebnis der nächtlichen Arbeit von Bruder Franz.

Der Tag eines Zisterziensermönchs im Stift Stams, das 1273 gegründet wurde, beginnt üblicherweise um 6 Uhr mit dem Chorgebet (Laudes). Das ist auch für Bruder Franz eine Selbstverständlichkeit, obwohl er an Brotbacktagen dadurch viel weniger Schlaf bekommt, als einem Menschen guttut. In der Regel des hl. Benedikt, nach der Zisterziensermönche ihren Alltag organisieren, heißt es „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“. Die mittelalterliche Vorschrift muss erst einmal mit den Erfordernissen des Berufslebens im 21. Jahrhundert in Einklang gebracht werden. „Ich schaffe es nicht immer“, räumt Bruder Franz ein, „aber auf die leichte Schulter nehme ich diese Verpflichtung sicher nicht. Die regelmäßigen Gebetszeiten gehören eben zu unserem klösterlichen Leben dazu.“

Zu Franz’ Leben gehört auch, dass er um 8 Uhr abends in die Backstube geht. Bis sein Werk getan ist, wird es regelmäßig 2 Uhr oder auch halb 3 in der Früh. Zwei, drei Stunden Schlaf, die Laudes um 6 Uhr gehen direkt in die Konventmesse über, danach gibt’s Frühstück für die Mönche. Und dann beginnt erst die Arbeit des Tages.

Ordnung ist die halbe Miete: Ein Blick auf Bruder Franz’ Rezepte und diverse Körner und Kerne, mit denen er seine Brote veredelt.

Ordnung ist die halbe Miete: Ein Blick auf Bruder Franz’ Rezepte und diverse Körner und Kerne, mit denen er seine Brote veredelt.

Bleibt in diesem dichten Programm noch Raum für Freizeit? „Ich versuche, nachmittags ein bisschen Ruhe zu finden, weil abends geht’s dann nach unserem letzten Gebet, der Komplet, um 19 Uhr eh wieder weiter“, berichtet Bruder Franz.

Franz Neuner ist 1989 ins Stift eingetreten und erfüllt dort seit Jahren als Subprior auch eine klosterinterne Leitungsaufgabe. Als Mönch war er ein Spätberufener. Eine jahrelange Auseinandersetzung mit einem, wie er erzählt, zunächst vagen, dann jedoch immer drängenderen Bedürfnis nach einer grundlegenden Veränderung seines Lebens mündete vor mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert in den Eintritt ins Stamser Kloster.

Aus Franz Neuner wurde Frater (Bruder) Franz. Dass er sich mit Mitte 30 in einem Konvent wiederfinden würde, war im ursprünglichen Lebensplan des gebürtigen Pitztalers also ebensowenig vorgesehen wie dass er als Zisterzienserfrater auch in seinen eigentlich erlernten Beruf des Bäckers zurückkehren würde. Den hatte er schon Jahre vor seinem Eintritt ins Kloster aufgegeben, weil er die Freude daran verloren hatte. Im Stift konzentrierte sich Franz zunächst auf das Brennen edler Schnäpse. Rund 2.000 Obstbäume müssen betreut und die Früchte verarbeitet werden. „Aber der Bedarf an Brot war da, also hab ich wieder damit angefangen“, erzählt der Mönch. „Und so oft ich mich früher gefragt hatte, wieso ich eigentlich Bäcker gelernt hatte – aus heutiger Sicht war es doch recht so, wie es war.“

Mehl, Wasser, Germ, eventuell ein paar Gewürze und viel Zeit – mehr braucht es nicht, um das Wunder Brot entstehen zu lassen. Simperln (das österreichische Wort für Gärkörbchen) sorgen dafür, dass Brote beim Aufgehen in Form bleiben.

Mehl, Wasser, Germ, eventuell ein paar Gewürze und viel Zeit – mehr braucht es nicht, um das Wunder Brot entstehen zu lassen. Simperln (das österreichische Wort für Gärkörbchen) sorgen dafür, dass Brote beim Aufgehen in Form bleiben.

Alle Fotos: Ursula Aichner

Brot ist, auch und gerade im Christentum, mit der höchsten nur denkbaren Symbolik aufgeladen. Die rituelle „Wandlung“ von Brot in den Leib des Schöpfergottes, den die Gläubigen sich anschließend buchstäblich einverleiben, bildet das mysteriöse Herzstück eines Gottesdienstes. Aber seit der Mensch gelernt hat, Getreide anzubauen, kennt auch jede andere Kultur dieser Welt die eine oder andere Art von Brot. „Brot ist Leben“, sagt Bruder Franz einfach. „Und Brot ist eines von ganz wenigen Lebensmitteln, mit denen man im Grunde überleben kann.“

Brot von Bruder Franz ist immer montags, mittwochs und freitags im Klosterladen Stift Stams erhältlich. Außerdem ist Bruder Franz einer von zahlreichen Produzentinnen und Produzenten der Bauernkiste. Über das Abonnement-System werden wöchentlich mehrere tausend Kunden in ganz Tirol mit Gemüse, Obst, Fleisch, Milchprodukten und vielem mehr von Tiroler Bäuerinnen und Bauern direkt beliefert.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Bauernkiste erscheint am 23. September das Buch „Gutes Essen, gutes Leben“, in dem die interessantesten Geschichten und Rezepte von Tiroler Bäuerinnen und Bauern nachzulesen sind. Infos zum Buch: info@bauernkiste.at oder telefonisch unter +43 5238 88188

Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am BlogTirol scharfsinnig und mit dem ihr typischen Augenzwinkern über Tirol, die Tiroler und deren kuriose Eigenheiten.

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1 Kommentar

Falkner Margret

Ich kenne Bruder Franz persönlich und ich finde, er ist ein ganz besonderer Mensch mit vielen Kenntnissen und ich bin beeindruckt von seiner Vielfältigkeit und seinen Leistungen. Ich wünsche ihm Gesundheit Gottes Segen und dass er weiterhin noch viel Schaffenskraft hat. Danke, dass er sich die Zeit nimmt um uns Empfehlungen der Produkte abzugeben. Falkner Margret Bruderschaft St. Christoph