Heimarbeit im duftenden Paradies: Kräuter von Verena Buchhammer aus Kauns

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Verena Buchhammer arbeitet daheim, aber am liebsten außer Haus – in ihrem 500 Quadratmeter großen Garten, wo sie Heil-, Tee- und Gewürzkräuter anbaut. Widerstandsfähig müssen die Kräuter für Verena sein und in die Gegend passen. Das gilt auch für die Tuxer Rinder, die sich auf dem Biohof der Buchhammers tummeln.

Irene Heisz

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„Im Garten arbeiten“ klingt nach Disziplin, Routine, nicht sehr freudvoll insgesamt. Das österreichische Wort „garteln“ hingegen betont den spielerischen und lustvollen Aspekt, die Hobby-Seite, wenn man so will. Für Verena Buchhammer aus Kauns liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. „Gegartelt“, sagt Verena, „hab ich immer schon gern.“ Sie sei da von ihrer Mutter erblich und von ihrer Tätigkeit als Beraterin bei der Tiroler Landwirtschaftskammer, der berufsständischen Vertretung der Land- und Forstwirte, professionell vorbelastet gewesen.

Im Jahr 2002 dann fragte die Leitung des Naturparks Kaunergrat bei Verena an, ob sie auf dem Biobauernhof, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Edgar bewirtschaftet, nicht einen Kräuterschaugarten für die Besucherinnen und Besucher des Naturparks einrichten wolle. Und der jungen Mutter einer kleinen Tochter kam diese Möglichkeit der Heimarbeit gerade recht.

Auf 500 Quadratmetern Fläche baut Verena Buchhamer Heil-, Tee- und Gewürzkräuter aller Art an, die sie dann getrocknet oder in Form von Tees, Sirupen und Likören bzw. Schnaps, Kräutersalzen, Kräuterkissen etc. anbietet.

Auf 500 Quadratmetern Fläche baut Verena Buchhamer Heil-, Tee- und Gewürzkräuter aller Art an, die sie dann getrocknet oder in Form von Tees, Sirupen und Likören bzw. Schnaps, Kräutersalzen, Kräuterkissen etc. anbietet.

Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass die Leute nicht nur schauen und riechen, sondern auch kaufen und kosten wollten. Aus dem Garteln wurde ernsthafte Gartenarbeit. Heute baut die aus Jerzens im Pitztal gebürtige Bäuerin auf rund fünf Ar, also 500 Quadratmetern Fläche, Heil-, Tee- und Gewürzkräuter aller Art an, die sie dann getrocknet oder in Form von Tees, Sirupen und Likören bzw. Schnaps, Kräutersalzen, Kräuterkissen etc. anbietet. Je nach Saison sind Verenas Kräuter natürlich auch frisch zu erwerben.

Wie viele Kräuter gibt es eigentlich? Hunderte? Tausende? Verena lacht: „Das langt gar nicht! Und es kommen jedes Jahr wieder Neuzüchtungen dazu.“ Nachsatz der Kräuterbäuerin: „Ich bin ja ganz überzeugt davon, dass es im Grunde allen Leuten gleich geht wie mir selber auch: Jeder verwendet für sich nur einen Bruchteil des vorhandenen Gesamtangebots. Irgendwann findet man einfach die Kräuter, die man mag und die einem auch guttun.“

Widerstandsfähige Kräuter, die zur Region passen: Darauf liegt das Augenmerk von Verena Buchhammer.

Widerstandsfähige Kräuter, die zur Region passen: Darauf liegt das Augenmerk von Verena Buchhammer.

Viele Kräuter riechen und schmecken ja bekanntlich nicht nur gut, sondern wirken auch auf das körperliche und seelische Befinden. In den medizinischen Bereich oder gar ins Esoterische zieht es Verena allerdings dezidiert und mit gutem Grund nicht. „Früher sind immer wieder ernsthaft kranke Menschen zu mir gekommen, die sich regelrechte Wunderdinge von meinen Kräutern erhofft haben“, erzählt Verena Buchhammer. Das ist aus der Perspektive der Kräuterproduzentin allerdings nicht nur rechtlich höchst problematisch bis unmöglich, sondern auch moralisch: „Diese Verantwortung darf ich nicht nur nicht übernehmen – ich will es vor allem auch nicht.“

Verenas persönliches Augenmerk liegt „auf widerstandsfähigen Kräutern, die auch zu uns ins Land passen“. Das reicht von Klassikern, ohne die die österreichische Küche nicht denkbar ist, wie Petersilie und Schnittlauch über Oregano und Salbei bis hin zu irgendwann aus der Mode geratenen oder aus sonstigen Gründen nicht sehr weit verbreiteten Pflanzen wie Bergbohnenkraut, Zitronenthymian und und und… Ihre eigenen Vorlieben gleichen allerdings nicht unbedingt denen der Kundschaft, hat Verena festgestellt: „Unser persönlicher Lieblingstee in der Familie ist ganz eindeutig der ,Rachenputzer’, ein kräftiger Tee mit Pfeffer- und Apfelminze, Tyhmian, Salbei, Dost, Holunder- und Malvenblüten. Aber der ist den meisten anderen Leuten zu würzig.“

Seit 2002 ist der Garten der Buchhammers ein Schaukräutergarten und kann in den in der warmen Jahreszeit jederzeit besichtigt werden.

Seit 2002 ist der Garten der Buchhammers ein Schaukräutergarten und kann in den in der warmen Jahreszeit jederzeit besichtigt werden.

Das Garteln mit den Kräutern ist freilich nicht die einzige Beschäftigung der Buchhammers. Da wollen noch die Streuobstplantagen gepflegt, die Früchte zu Schnaps, Marmeladen und ähnliches verarbeitet werden. Und schließlich ist noch die traditionelle Mutterkuhhaltung mit Tuxer Rindern zu erwähnen, die als Rasse auf der Liste der gefährdeten Arten stehen. Wie sich der ganzjährige Auslauf der Rinder auf die Qualität ihres ohnedies von vornherein bekömmlichen und hochwertigen Fleisches auswirkt, merkt jeder Konsument schnell, der einmal ein Jahrlings-Mischpaket vom Buchhammer-Hof erworben hat. Wer dennoch nach einer Mahlzeit ein Verdauungs-Kräuterschnapsl möchte, ist mit den Erzeugnissen aus Verenas Kräutern auch wieder bestens bedient.

Der Hof und Kräutergarten der Familie Buchhammer befindet sich in Kauns am Ortsende Richtung Burg Berneck. Der Kräutergarten kann im Sommer jederzeit besichtigt werden. Verkauf nach Vereinbarung und bei Anwesenheit von Verena. Sie ist außerdem eine von zahlreichen Produzentinnen und Produzenten der Bauernkiste. Über das Abonnement-System werden wöchentlich mehrere tausend Kunden in ganz Tirol mit Gemüse, Obst, Fleisch, Milchprodukten und vielem mehr von Tiroler Bäuerinnen und Bauern direkt beliefert.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Bauernkiste ist am 23. September das Buch „Gutes Essen, gutes Leben“ erschienen, in dem die interessantesten Geschichten und Rezepte von Tiroler Bäuerinnen und Bauern nachzulesen sind. Infos zum Buch: info@bauernkiste.at oder telefonisch unter +43 5238 88188

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