Die 8 Gletschertypen. Und, welcher seid ihr?

27.11.2017MichaelMichael

Wart ihr schon mal auf einem Gletscher? Meinen ersten Eiskontakt in großer Höhe hatte ich als 16-jähriger in einem Gletscherskigebiet. Wie faszinierend die eisbedeckten Bergriesen wirklich sind, habe ich allerdings erst im Laufe der Jahre gelernt. Die Gründe für einen Gletscherbesuch sind wohl bei jedem Menschen andere. Hier könnt ihr herausfinden, welcher „Gletschertyp“ ihr seid. Vielleicht erkennt ihr euch ja selbst in einem der folgenden acht Typen wieder?

1 Der Einsteiger: Das Innere eines Gletschers sehen

Warum fließt ein Gletscher? Was sagen Lufteinschlüsse im Eis über längst vergangene Zeiten? Was sind Gletscherflöhe? Und wieso schrumpfen so gut wie alle Gletscher seit Jahrzehnten? Bei einer geführten Tour durch das Innere eines Gletschers findet ihr Antworten darauf – und entdeckt, dass es noch viele Rätsel gibt, die Gletscherforscher auch in Zukunft noch lange beschäftigen werden. Geführte Touren gibt es am Weißseeferner im Kaunertal (begehbare Gletscherspalte), am Stubaier Gletscher (Eisgrotte) und am Hintertuxer Gletscher (Natureispalast).

2 Der Reisende: Spektakuläre Gletscherstraßen entlangfahren

Es gibt viele spektakuläre Panoramastraßen in Tirol, aber nur im Kaunertal und im Ötztal führen (mautpflichtige) Straßen direkt bis zum Gletscher. Die meisten Besucher am Kaunertaler Gletscher kommen im Auto oder am Motorrad – und manche mit dem Rennrad. Denn während der Sommermonate strampeln bergfitte Rennradfahrer zu Trainingszwecken die 51 Kilometer und 2.150 Höhenmeter entlang der Kaunertaler Gletscherstraße bergauf. Die ganz harten Knochen unter ihnen liefern sich alljährlich beim „Gletscherkaiser“ ein Rennen um die Bestzeit. Die liegt übrigens knapp unter zwei Stunden. Am bequemsten erfahren könnt ihr die spektakuläre Straße hinauf zum Kaunertaler Gletscher mit einer öffentlichen Buslinie. Ein Bus fährt euch direkt zur höchstgelegenen Postbus-Haltestelle Österreichs am Fuße des Weißseeferners in 2.750 Metern Seehöhe.

3 Die Ferngucker: Auf echten Wolkenkratzern Ausschau halten

Das höchste Gebäude der Welt steht derzeit in Dubai, heißt Burj Khalifa und misst 830 Meter. Die Aussichtsplattformen dort tragen Namen wie „at the Top“ oder „Sky“, Hochhäuser wie dieses werden auch gerne als Wolkenkratzer bezeichnet. Das ist ja recht nett, aber die echten Wolkenkratzer stehen woanders – und deren Aussichtsplattformen liegen so hoch, dass man den Burj Khalifa viermal übereinanderstapeln könnte: Zum Beispiel die Plattform „Top of Tyrol“ in 3.210 Metern Höhe am Stubaier Gletscher oder der Panorama-Felssteg am Tiefenbachkogl in 3.250 Metern Höhe bei Sölden im Ötztal. Die Liste der Tiroler Wolkenkratzer lässt sich beliebig fortsetzen. Den besten Überblick findet ihr hier: www.tirol.at

 

4 Der Cineast: Geheimagenten auf die Schliche kommen

Es gibt Straßen, die sind so spektakulär, dass dort James-Bond-Filme gedreht werden. So wie die Kaunertaler Gletscherstraße. Sie war im Film „Spectre“ mit Daniel Craig Schauplatz einer wilden Verfolgungsjagd. Im selben Film zu sehen ist auch das futuristisch anmutende Bergrestaurant iceQ am Gaislachkogl bei Sölden. Auch die Gondelbahn auf den Gaislachkogl mit ihrer spektakulären Architektur wurde zum Schauplatz dieses aufwändigen Filmdrehs. Dort ragt ab Winter 2017/18 auch eine Filminstallation in über 3.000 Metern Höhe aus dem Berg. Sie entführt Besucher hinter die Kulissen der 007-Filme.

Gipfelstation der Gaislachkoglbahn in Sölden.

5 Die Schneesüchtigen: Skifahren unter der Sommersonne

Es klingt ein wenig verrückt, aber am Hintertuxer Gletscher kann man während des Sommers tatsächlich Skifahren, während andere im Freibad planschen. So kommt es schon mal vor, dass an einem heißen Sommertag Skirennläufer aus bis zu 30 verschiedenen Nationen hier ihr Schneetraining und Materialtests absolvieren. Dennoch bleiben auch für Freizeit-Skifahrer immer genügend Pisten frei, ein eigens dafür zuständige Pistenchef kümmert sich um die Pisteneinteilung. Manche der Sommerskifahrer nutzen gleich die Gelegenheit, um Autogramme ihrer Skistars zu ergattern.

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6 Der Gourmet: Höhenluft mit gutem Essen kombinieren

Wie wäre es als Vorspeise mit angeräuchertem Ziegenkäse an Hanfsamen und fermentierten Radieschen? Als Hauptgang empfehle ich Dry Aged Beef vom Wipptaler Almochsen, ausgereift in knapp 3.000 Metern Höhe. Tolle Speisen wie diese serviert nämlich das Restaurant „Schaufelspitz“ am Stubaier Gletscher seinen Gästen. Wer Mehlspeisen und Kaffee liebt, sollte mal das „Café 3.440“ am Pitztaler Gletscher besuchen. Dort, in beinahe 3.500 Metern Höhe schmecken Kaffee und Kuchen mit Ausblick auf den Taschachgletscher und die Wildspitze besonders gut. Das Gourmetrestaurant „iceQ“ in Sölden wartet gar mit einer hauseigenen Weinkreation auf – dem „Pino 3000“, der in Barriquefässern in knapp 3.050 Metern Höhe reift.

Foto: Cafe 3440, Pitztaler Gletscher

7 Der Hobby-Fotograf: Zu Hütten mit Gletscherblick wandern

Wer vom Osttiroler Virgental bis zur Defreggerhütte in knapp 3.000 Metern Höhe wandert und dort vielleicht sogar übernachtet, wird mit dem Ausblick auf das Mullwitzkees belohnt. Dieser mächtige Gletscher breitet sich unterhalb des 3.660 Meter hohen Großvenedigers aus. Auf der anderen Seite des Berges klammert sich die neue Prager Hütte in den Fels. Schaut man aus dem Hüttenfenster, schlängelt sich dort das Schlatenkees in unmittelbarer Nähe vorbei. Auf der Vernagthütte bei Vent im Ötztal kann man die einstigen Dimensionen des Vernagtferners erahnen, der um das Jahr 1850 herum noch das gesamte Tal mit Eis ausfüllte. Dort befindet sich auch eine Gletscher-Forschungsstation der Uni Innsbruck. Von der Vernagthütte bis zum stark geschrumpften Gletscher sind es nur wenige Minuten Gehzeit. Ein Klassiker ist natürlich die Stüdlhütte unterhalb des Großglockners. Mein Tipp: Von der Stüdlhütte führt ein – für Schwindelfreie – problemlos begehbarer Steig zur Fanotkogelscharte. Dort eröffnet sich ein toller Ausblick auf das Ködnitzkees und den Großglockner.

Defreggerhaus und Mullwitzkees im Osttiroler Virgental.

Ausblick von der Fanotkogelscharte. Links unten die Stüdlhütte, rechts oben der Großglockner.

8 Der Abenteurer: Eine Hochtour unternehmen

Wer die Gletscher ganz aus eigener Kraft erkundet, erlebt sie bei einer geführten Hochtour wohl am intensivsten. Zum Beispiel auf die Wildspitze, Nordtirols höchsten Berg. Eine Hochtour dort hinauf kann man sowohl vom Pitztal als auch vom Ötztal unternehmen. Auf der Pitztaler Seite kürzen die Gletscherbahnen den Anstieg ab, vom Ötztal aus steigen die meisten Bergsteiger über Breslauer Hütte auf. Die vielleicht am wenigsten begangene, aber für Konditionsstarke empfehlenswerte Wildspitz-Überschreitung führt vom Bergsteigerdorf Vent über die Vernagthütte zum Gipfel und wieder hinunter. Dabei quert man drei verschiedene Gletscher. Eine technisch leichte, aber durch die vielen Gletscherspalten nur mit ortskundigem Bergführer empfehlenswerte Hochtour führt vom Virgental über das Defreggerhaus hinauf zum 3.660 Meter hohen Großvenediger. Wer es luftig mag, wird die Hochtour über das Ködnitzkees hinauf zu Österreichs höchsten Berg, dem Großglockner, lieben. Hochtouren wie diese sind vergleichbar mit Reisen durch verschiedene Klimazonen – allerdings im Zeitraffer. Dabei lernt man viel über Phänomene wie Gletscherspalten oder Gletschermühlen und die Gründe für den Rückgang der Gletscher. Am besten bucht ihr eure Hochtour bei einem geprüften Bergführer.

Hochtour über das Mullwitzkees zum Großvenediger.

Gletscherbruch beim Abstieg von der Wildspitze. (Foto: Jens Schwarz, Tirol Werbung)

Fotos, sofern nicht anders angegeben: Michael Gams

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

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