Flirten auf Tirolerisch

Aktualisiert am 20.11.2017ChristinaChristina
Ort: Zillertal - Tux-Finkenberg

Wie gewinnst du ein Tiroler Herz? Das weiß leider keiner so genau. Die gute Nachricht ist, dass in Tirol oft und gerne geflirtet wird. Findest du die richtigen Worte, ist das Eis schnell gebrochen. Sprichst du etwas Tirolerisch, steht einem netten Flirt nichts mehr im Wege.

Damit du weißt, was du beim Anbandeln sagen kannst und was lieber nicht, habe ich hier ein paar Ausdrücke rund ums Flirten zusammen gefasst.

Ein paar Begriffe rund um Frau und Mann

Tiroler Madl: junge Frau aus Tirol
Fesche Gitsch: schönes Mädchen, vor allem in Osttirol
Liabes Dirndl: liebes Mädchen, vor allem im Tiroler Unterland
Steiler Has: steiler Hase = schönes Mädchen, vor allem in Après Ski Hütten
Heißer Feger: aufregende Frau, überall in Tirol
Schmotzgoggl: zauberhaftes Mädchen, ein Ausdruck aus dem Tiroler Unterland, nicht zu verwechseln mit der Postschgoggl,  einer ungeschickten Person.

Tiroler Bua: junger Mann aus Tirol
Fescher Kampl: attraktiver Mann
Lässiger Kampl: cooler Mann
Haberer: Mann, auch Freund (Beziehung), verniedlicht Habschi
Welt Haberer: sehr attraktiver Mann (wohl einer der schönsten auf der Welt)
Gschichtldrucker: jemand, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, auch Lugentschipl. Wenn du diese Wörter hörst, warst du nicht authentisch. Sei einfach, wie du bist!

Beim Flirten

aufreißn: jemanden mit Erfolg anflirten
a mords Griss um di: das bedeutet, dass sich alle um dich reißen, weil du so unwiderstehlich bist
miteinander fiaßln: Wenn sich die Füße unter dem Tisch berühren, ganz zufällig oder mit voller Absicht. Aber Achtung: Es besteht Verwechslungsgefahr, wenn mehrere zusammen sitzen.
sprotzn, gaffn: das Objekt der Begierde mit den Augen fixieren, meist unangenehm für den, der angestarrt wird, besonders bei Frauen in Zusammenhang mit dem
Holz vor der Hüttn: Ausdruck für eine üppige weibliche Oberweite. Kann man(n) sich denken, aber bitteschön nicht aussprechen.
miteinand gian: Miteinander gehen, als Paar zusammen sein. Die Frage „Willsch mit mir gian?“ kann bei Unwissenden zur Verwirrung führen und eine weitere Frage hervorrufen: „Ja, wohin willsch denn gian?“
Gschpusi, auch Techtlmechtl: eine lockere Beziehung
was am Laffn haben: etwas am Laufen haben, ähnlich dem Gschpusi
bussln: küssen, schmusen. Auch auf die Wange.
fotzranggln: leidenschaftliches Küssen. Ganz bestimmt nicht nur auf die Wange.
fensterln: das Einsteigen in Zimmern auf Holzleitern ist höchstens noch eine romantische Vorstellung und ein Überbleibsl von Heimatfilmen des vergangenen Jahrhunderts. Heute geht man durch die Tür, sofern man eingelassen wird.
verknallt sein, einen Stand auf jemanden haben: verliebt sein. Passiert oft völlig überraschend.
blewizn: ein Osttiroler Ausdruck und bedeutet „mit den Augen zwinkern“.
Laxnboscht: Gemeint sind Achselhaare, der Begriff kommt aus dem Tiroler Unterland. Führe ich hier nur an, weil Achselhaare heutzutage als unattraktiv gelten und deshalb hinderlich bei der Kontaktaufnahme sein könnten. Dann hast du vermutlich
Koa Leiwal, kein Leibchen, bedeutet keine Chance zu haben.
Bawaletschn, Motsch ziehen: grantig oder unglücklich drein schauen. Das mag beim Flirten niemand und ist daher wenig erfolgversprechend beim Anbandeln.

Kontaktaufnahme

Bisch a Hoamatl?  fragt der Mann die Dame, und meint damit, ob sie zu Hause einen Hof hat und noch zu haben ist.
Mogsch tanzen? Die Tiroler(innen) tanzen sehr gerne. Ihre Sympathie ist dir sicher, vorausgesetzt du kannst es.
Darf i mi zu dir her hockn? Die höfliche Frage, ob du dich dazu setzen kannst, ist nie verkehrt.
Was trinksch du? Darf ich dich auf ein Getränk einladen?
Bisch du öftersch da? Bist du öfters hier?
Du bisch die schianschte Frau im Raum! Bitte beachte, dass bei einer einzigen anwesenden Frau das Komliment, die schönste zu sein, keinen Wert hat.
Mogsch a Bussl? Bei einem bleibt es dabei meist nicht. Deshalb überlege gut.
I steh auf di: Ich mag dich.
I mog di: Ich liebe dich. Wenn diese Worte schon beim Kennenlernen fallen, ist Vorsicht geboten.
I schmier dir oane oder I fotz dir oane: Eine eindeutige Warnung. Das Objekt der Begierde möchte leider nicht weiter mit dir kommunizieren und würde gegebenenfalls eine Ohrfeige austeilen. Rückzug empfohlen.

Achtung bei Anmachsprüchen!
Das musst du situationsbedingt entscheiden. Es kann lustig sein, aber auch ganz nach hinten losgehen, wenn die Sprüche zu banal oder zu abgedroschen sind.

Beispiele:

Hasch du zwoa verschiedene Augen? Oans schianer wie’s andere!
Hast du zwei verschiedene Augen, eines schöner als das andere?
Glabsch du an Liebe auf den erschten Blick oder soll i noamal eina kemmen?
Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick oder soll ich noch einmal herein kommen?
Du wearsch von Tag zu Tag schianer und schausch heit schon aus wie nägschte Wochn!
Du wirst von Tag zu Tag schöner und siehst heute schon aus wie nächste Woche.

Tipps für Orte zum Flirten

auf Tiroler Hütten. Wo du aus platztechnischen Gründen mit völlig Fremden an einem Tisch zusammenrückst. Und bei der Diskussion, wo es die besten Kaspressknödel in Tirol gibt (ein beliebtes Hüttenthema in Tirol) gemeinsame Vorlieben entdecken kannst. Und vielleicht köstlichen Kaiserschmarrn beim anderen stibitzen darfst.
in der Gondel oder am Sessellift. Wo du deiner zufällig zugeteilten Begleitung einige Fragen stellst. Und du bis zum Erreichen der Bergstation vielleicht ganz interessante Antworten bekommst. Speed-Dating am Berg.
• ein gemeinsamer Gipfelsieg. Auf dem Berg bist du gleich per „Du“, Ab 1.000 m Seehöhe gibt es keine Höflichkeitsform mehr, was die Flirtchancen erhöht.
bei Kursen aller Art. Vom Skikurs in Hintertux bis zum Kletterkurs im Ötztal, vom Tauchkurs im Achensee bis zum Yoga am Dach eines Innsbrucker Einkaufscenters, überall bietet sich die Möglichkeit, Tiroler kennen zu lernen, mit denen man gemeinsame Interessen teilt.
• in Bars am Berg, in den Dörfern und in der Stadt. Die Tiroler sind gesellig und dort besonders kommunikativ. Beachte die fortgeschrittene Stunde. Bei ernsten Absichten solltest du nachts aufgrund der sinkenden Hemmschwelle nichts überbewerten. Gilt auch:
auf traditionellen Brauchtumsfesten, den Zeltfesten. Bei Feierlaune und Tiroler Volksmusik flirtet es sich besonders gut.

Fazit

Wenn alles nicht hilft, dann sei geduldig und bedenke:

A jeder Hofn findet sein Deckl.

 

Was so viel bedeutet, dass irgendwann jeder jemanden findet, der zu ihm passt.
Nicht nur in Tirol, sondern überall.

 

 

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

Zum Autor »

1 Kommentar

Josef oder Sepp mir isch Josef aber liaber.

Hallo Christina.
Bin zwar selber a Tiroler und des Flirten üb i schon bald 50ig Jahr. Deine Tip's hab i aber bsunders gspasig gfunden. Und fehler hob i a koan gfundn.

Dicker Schmotz.