Es darf wieder mehr geblökt werden. Die Erfolgsgeschichte von Tirolwool

Aktualisiert am 11.12.2017ChristinaChristina

Tiroler Schafwolle ist so begehrt wie nie zuvor. Warum das so ist, was die Tiroler Bergrettung damit am Hut hat und wieso ich unbedingt eine neue Winterjacke brauche, lest ihr hier.

Hopfgarten im Defereggental in Osttirol. Ein Bergbauernhof mit angrenzendem Gasthaus, umgeben von steilen Wiesen. Peter, der Sohn des Hauses kommt aus der Schule heim. Am Hof gibt es Schafe. Eines davon läuft ihm entgegen. Es ist sein Lieblingsschaf und verhält sich beinahe wie ein Hund. Er streichelt es liebevoll, bevor er zum Händewaschen geht, sich umzieht und im elterlichen Gastbetrieb servieren hilft.

Auf dem Hof lebt Peter schon lange nicht mehr. Heute ist er Geschäftsführer und Ausbildungsleiter der Bergrettung Tirol. Die Liebe zur Natur und zu den Schafen ist Peter Veider aber geblieben. Das Alpintalent begann vor Jahren, sich für eine wertvolle Verarbeitung der Tiroler Schafwolle in der Bekleidung einzusetzen, um so die Tiroler Schafbauern zu fördern.

Peter Veider – Lebensretter, Naturliebhaber, Schaf-Fan und Tirolwool-Erfinder

 

Das Tiroler Bergschaf, in seinem idealen Lebensraum

Vorteile der Tiroler Schafwolle bestätigt

Wenn ich an Schafwolle denke, fallen mir dicke, auf der Haut kratzende Pullover ein, selbstgestrickt von meiner Oma. So wird die Wolle von Tiroler Bergschafen heute kaum mehr verarbeitet. Sondern ganz anders, als ich gedacht hätte. Die grobfasrige Tiroler Wolle eignet sich zwar nicht (mehr) für das Tragen direkt auf der Haut wie beispielsweise Merinowolle, aber hervorragend als Füllmaterial von Funktionskleidung. Das wollte Peter Veider mit einer Studie beweisen.

Zusammen mit seiner Tochter und dem Technolgiezentrum für Ski- und Alpinsport an der Universität Innsbruck ist es gelungen, die Vorteile der Tiroler Schafwolle wissenschaftlich nachzuweisen. An 60 Probanden wurde in einer Klimakammer getestet, welchen extremen Wetterbedingungen die mit Tiroler Schafwolle gefüllten Jacken standhalten. Mit Extremsituationen kennt sich der Geschäftsführer der Bergrettung aus. Die Rettungseinsätze müssen schnell erfolgen, wenn Leben gerettet werden soll. Egal, wie kalt, nass oder windig es gerade in den schwindeligen Höhen ist.

Das Ergebnis des Versuches in der Klimakammer war mehr als befriedigend: Tiroler Wolle ist atmungsaktiv, temperaturregelnd, isolationsfähig und außergewöhnlich warmhaltend, sogar im nassen Zustand. Zudem ist sie tier- und umweltfreundlich, nachhaltig und natürlich, ganz im Gegensatz zu Daunen oder Plastik als Füllmaterial. Das Ergebnis der Studie war nicht überraschend. Es ist bekannt, dass die Wolle die Tiere auch auf 2.000 Meter vor Wind, Wetter und Nässe schützen. Warum nicht auch uns Menschen?

Das Tiroler Bergschaf trotzt Wind und Wetter

Salewa als Partner

Die Idee von Peter Veider als Geschäftsfüher der Tiroler Bergrettung, seine 4.500 Mitarbeiter  mit Tiroler Schafwolle gefüllter Funktionskleidung auszustatten, hatte trotzdem einen langen Atem. Die Kleidung sollte nicht nur im Land hergestellt werden, sondern auch farbenfroh und modern sein. Die durchwegs jungen ehrenamtlichen Bergretter sollen sich mit der hochwertigen Funktions-Kleidung identizifieren können und sich dem Verein dadurch noch mehr verbunden fühlen.

Tiroler Hersteller gab es keinen, deshalb suchte Peter Veider im naheliegenden Südtirol. In Bozen fand er die Firma Salewa. Firmenbesitzer Heiner Oberrauch hat Tiroler Wurzeln, seine Mutter ist Innsbruckerin. Heiner Oberrauch war bereit, eine Serie mit Tiroler Schafwolle gefüllten Jacken für die Bergrettung herzustellen. So wurde die Marke „Tirolwool“ geboren. Inzwischen hat sich die natürliche und nachhaltige Wollfüllung gegen die Plastikfüllung, die bis dato üblich war, durchgesetzt. Die Firma Salewa befüllt keine Funktionskleidung mehr mit Plastik, sondern nur mehr mit „Tirolwool“. Wenn das kein Erfolg ist!

Zwei Mal im Jahr werden die Schafe geschoren

Die Schafbauern freuen sich auch. Der Preis für ein Kilo Wolle ist um das Dreifache gestiegen, es sind zwar immer noch bescheidene 1,50 Euro pro Kilo, aber immerhin. Tendenz steigend. Ein japanischer Matratzenhersteller, ein Großkonzern, ist sehr interessiert daran, seine Matratzen mit „Tirolwool“ zu füllen.

So sieht die Tirolwool-Füllung aus

„Tirolwool“ auch im Tirol Shop

Salewa Jacken mit Tirolwool gibt es nicht nur für Bergretter und Extremsportler, sondern für alle, die sich gern sportlich kleiden und es auch bei gemütlichen Aktivitäten im Tal gerne warm und trocken haben.

Genau das ist auch der Grund, warum ich auch unbedingt so eine Jacke brauche. Am Christkindlmarkt zu frieren ist für mich schlichtweg inakzeptabel.

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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