SAAC Camp: Lawinengefahr und Risiken richtig einschätzen

Aktualisiert am 31.01.2018CorneliaCornelia

Wer im Winter auch abseits der Piste unterwegs ist, dem empfiehlt sich eine Auseinandersetzung mit alpinen Gefahren im freien Skiraum. Seit mittlerweile 20 Jahren vermittelt der Verein SAAC in seinen Camps das richtige Verhalten im Gelände, gibt Empfehlungen zur Ausrüstung und wertvolle Tipps zur Tourenplanung.

Ich durfte bei einem SAAC Camp im Skigebiet Axamer Lizum dabei sein und mein Wissen auffrischen. Im folgenden Beitrag möchte ich euch von den 1 ½ Camp-Tagen berichten. Aber noch besser ist: Ihr nehmt selbst an einem der kostenlosen Basic Camps teil, optimiert euer Risiko und den Spaß in den Bergen!

Tag 1 – Theoretische Grundlagen

Der staatlich geprüfte Bergführer Gerhard begrüßt uns zum Vortrag an einem Samstagnachmittag und vermittelt uns in 2 ½ Stunden ein Basis-Wissen zum richtigen Verhalten abseits der Piste. Eines ist mir sofort klar, Lawinenkunde ist ein sehr komplexes Thema, jedoch tragen eine gewissenhafte Vorbereitung, die passende Ausrüstung und die Einhaltung von wesentlichen Grundregeln dazu bei das Risiko einer Auslösung oder gar Verschüttung zu reduzieren.

Folgende Punkte sind mir besonders in Erinnerung geblieben (ohne Gewähr auf Vollständigkeit):

Lawinenlagebericht beachten
Dieser tagesaktuelle Bericht gibt mir Auskunft über die vorherrschende Gefahrenstufe, die potentiellen Gefahrenquellen und in welcher Seehöhe bzw. Exposition besonders Vorsicht geboten ist. Vom Lawinenlagebericht leite ich mein Verhalten im Gelände ab. Für das Bundesland Tirol bekommt ihr den Lawinenlagebricht auf lawine.tirol.gv.at.

Die richtige Ausrüstung
Bei jeder Ausfahrt ‚off-piste‘ ist ein LVS-Gerät, eine Schaufel samt Sonde, ein Erste-Hilfe-Paket und ein Helm ein absolutes Muss. Ich verwende zusätzlich einen Lawinen-Airbag, der mich im Falle einer Verschüttung möglichst oben auf der Lawine ‚schwimmen‘ lässt.

Verzichtsregeln
Bei der Gefahrenstufe 2 fahre ich Hänge unter 40 Grad, bei der Gefahrenstufe 3 bleibe ich unter 35 Grad. Bei Lawinenwarnstufe 4 fahre ich ausschließlich auf (geöffneten) Pisten oder ich gönne mir eine Pause und bleibe zu Hause ;-)!

Gefahrenzeichen erkennen
Besondere Vorsichtig geboten ist bei schlechter Sicht, starkem Wind, frischen Lawinen, einem unsicheren Einzugsgebiet, offenen Gletscherspalten und großen Mengen Neuschnee!

Tag 2 – Praxis

Ins Gelände geht es dann am nächsten Tag. Wir dürfen unser erworbenes Wissen in Kleingruppen von 9 – 10 Personen zur Anwendung bringen. Auch hier begleiten uns staatlich geprüfte Bergführer. Unsere Gruppe wird von Petra, einer der wenigen weiblichen Bergführerinnen in Österreich, geführt.

Gleich zu Beginn überprüfen wir unsere Ausrüstung und machen einen Check unserer LVS-Geräte. Wer noch keine komplette Ausrüstung hat, der kann sich vor Ort alles Fehlende ausleihen. Danach besprechen wir gemeinsam den aktuellen Lawinenlagebericht. An diesem Tag herrscht die Gefahrenstufe 3, wir bleiben also im Gelände unter 35 Grad.

Petra zeigt uns anhand eines Schneeprofils wie eine Triebschneelawine entsteht und welche Kräfte auf den Menschen wirken können.
Wir messen die Hangneigung mit der Stock-Methode. Es gibt dafür auch hilfreiche Apps, wie z. B. von Snow Safe.

#hangneigung ❕❔ Um ein Gefühl dafür zu kriegen wie steil ein Hang wirklich ist, am besten bei Aufstiegspausen immer wieder die Hangneigung messen – dafür gibt es Tools wie den Neigungsmesser von @pieps_1972 oder die SnowSafe App fürs Handy vom @lawinenwarndienst_tirol 💡🆗🆒 #optimizeyourrisk #saaccamp #saacalpine #20yrssaac #saactheoriginal

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Zum Abschluss zeigt uns Petra wie wir mit unseren Hilfsmitteln, dem LVS-Gerät, der Schaufel und Sonde richtig umgehen. Ganz nach dem Motto ‚learning by doing‘ üben wir den Ernstfall und vergraben Rucksäcke inkl. LVS-Gerät im Schnee.

>> LVS-Check << …sollte vor jeder Tour/jedem Freeride durchgeführt werden! 🚦🔋✅ #kostetdichfünfminuten #checkyourequipment #optimizeyourrisk #saacalpine #saactheoriginal #20yrssaac #saaccamp @vaudesport @k2skis @markerproducts @anonoptics @pieps_1972 @thermosbrand @bmwmountains @reccorescuetechnology

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Mein Fazit

Die SAAC Basis Camps basieren auf einer sehr kompakten und praxis-nahen Wissens-Vermittlung. Da keine Vorkenntnisse nötig sind, kann Jede(r) daran teilnehmen. Eine Vertiefung bietet SAAC mit dem Format ‚SAACnd Step‘. Denn eines ist klar, Lawinenkunde ist keine Eintagsfliege!

Alle Termine und weitere Infos sind auf der Webseite www.saac.at/snow zu finden.

Cornelia

Mit Klettergurt am Fels, mit dem Mountainbike am Trail oder mit den Wanderstöcken Richtung Gipfelsieg: Für Cornelia Rützler ist Tirol ein spannender Sportplatz.

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